Garmisch-Partenkirchen

Ski-Weltcup: Männer-Rennen „noch realistisch“

Garmisch-Partenkirchen - Nach 17 Jahren gab es jetzt erstmals eine vorzeitige Absage von Wettbewerben. Der OK-Chef Peter Fischer hofft auf einen Wetterumschwung.

Die Situation ist kurios: Am Gudiberg rauscht die zweite deutsche Garde samt internationaler Gäste bei den Bayerischen Meisterschaften den Hang hinunter. Rennalltag. Nur wenige Kilometer weiter westlich in Garmisch-Partenkirchen, am Kreuzeck, herrscht dagegen die große Tristesse. Auf Deutschlands bekanntester Abfahrt liegt im unteren Bereich kaum Schnee. Es ist zu warm, um künstlich nachzuhelfen. Also blieb Peter Fischer gestern Morgen nur eines: absagen.

Ein bitterer Moment für den großen starken Mann vom Skiclub Garmisch. In 17 Jahren an der Spitze des Organisationskomitees (OK) hat er bisher noch nie ein Rennen im Vorfeld aufgeben müssen. Nun ist es soweit. Die Frauen machen auf dem Weg zu den Olympischen Spielen einen Bogen um Garmisch-Partenkirchen. Die deutschen Heimrennen, die für 24. und 25. Januar angesetzt waren, muss der SCG zurückgeben. „Natürlich hatten wir es immer mal wieder, dass wegen Nebels, zu viel Neuschnee oder Regen ein Rennen ausfiel“, erinnert Fischer. Eine Komplettabsage, das bedeutet für den 60-Jährigen aber den Super-GAU.

Slalom auf dem Gudiberg, Speed-Rennen auf der Kandahar - das sei nicht vergleichbar, stellt er klar. „Einen Slalom kann ich schnell mal ausrichten.“ Ein Satz, den der OK-Chef schon viele Male ausgesprochen hat. Abfahrt und Super-G - das sind andere Herausforderungen. „Die Kandahar ist eben 3,5 Kilometer lang. Da brauche ich etwas mehr Schnee. Es reicht nicht nur ein Band, da muss ich auch die Sturzräume einbeziehen. Und dann hat so eine Strecke schnell 50 bis 60 Meter Breite.“

Den Schnee haben die Ausrichter nicht, und sie können ihn derzeit auch nicht produzieren geschweige denn herzaubern. 20 Prozent weniger liefen die Kanonen in diesem Winter bisher laut Zugspitzbahn. Bis zur Einfahrt Hölle sei die Piste noch fahrbar, erklärt Fischer. „Von dort bis runter wird es extrem.“ Ein schmales Schneeband zieht sich durch Hölle, FIS-Schneide und Tauberschuss bis ins Zielgelände, das völlig vereist ist. „Da sind vielleicht noch 10 bis 15 Zentimeter“, schätzt Markus Anwander, Rennleiter für die Männer-Wettbewerbe, die am ersten Februar-Wochenende am Kreuzeck gefahren werden sollen. Doch neben dieser weißen und teilweise schon bräunlichen Spur wird es grün. Die Fangnetze in den Sturzräumen stehen auf der blanken Erde. Sicherheit ist nicht gegeben.

Um daran etwas zu ändern, braucht es vor allem eines: Kälte, vielmehr Dauerfrost. Denn: Sollen wenigstens die Männer zu ihrem Klassiker und einem Riesenslalom (1./2. Februar) als Olympia-Generalprobe anreisen dürfen, muss mächtig Schnee produziert werden. „Mindestens 48 Stunden durchgehend“, sagt Fischer. Und das ist sicher sehr tief angesetzt. Dennoch: Der OK-Chef gibt sich hinsichtlich der Männer-Rennen zuversichtlich. „Die sind noch realistisch“, betont er. Optimistisch stimmt ihn der Wetterbericht. „Es ist ein Umschwung angekündigt, der am Wochenende kommen soll.“ Doch die Meteorologen hatten zuletzt immer wieder mal daneben gelegen mit Prognosen für kalte Nächte.

Neben der Enttäuschung über den Ausfall der sportlichen Glanzpunkte kommt auf das OK aber auch ein weiteres Thema zu: die Finanzen. „Du kannst für einen Ausfall nicht alles versichern“, sagt Fischer. Er rechnet mit einem „sechsstelligen Bereich, den wir tragen müssen“. Der Skiclub-Boss geht ein wenig ins Detail: „Die Kalkulation ist stets auf vier Rennen ausgelegt, die wir von der FIS ja garantiert bekommen haben. Es gibt daher Investitionen, die wir für zwei Wettbewerbe so nicht getätigt hätten.“ Fischer nennt als Beispiel die große Tribüne. Zudem fehlen den Organisatoren nun Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Denn: „Wir erstatten das Geld natürlich zurück. Und der Vorverkauf war nicht schlecht.“ Deutlich weniger Einnahmen also.

Leid tun Fischer aber auch die vielen Helfer. „Wir haben allein 400, die extra Urlaub genommen haben. Und nun so etwas. Da war deren ganze Arbeit umsonst.“ Nun müssen die Teams informiert, die Hotels storniert werden - „das zieht einen Rattenschwanz nach sich“.

Atle Skaardal, Renndirektor der FIS für die Frauen, bedauert die Absage sehr. „Die Rennen in Garmisch-Partenkirchen sind Klassiker, egal ob für die Frauen oder die Männer. Aber wenn wir die nötigen Minusgrade nicht haben, können wir keinen Schnee produzieren. Da zeigt die Natur einmal mehr, wer größer ist.“ (cf)

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