+
„Eine schwierige Piste“ , urteilte Aleksander Aamodt Kilde nach seiner Fahrt am Donnerstag. Damit aber kam er gut zurecht: Der Norweger fuhr Bestzeit im Training.

Ski-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen: Beste Piste, beste Preise

Der große Wunsch: Eine volle Tribüne

Ein Klassiker übernimmt den Klassiker: Am Freitag wird das Lauberhornrennen von Wengen auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen nachgeholt. Bei außergewöhnlichen Bedingungen zum außergewöhnlichen Preis: Nur zehn Euro kostet jedes Ticket. Jetzt müssen nur Zuschauer kommen.

Garmisch-Partenkirchen – Hannes Trinkl, Weltcup-Renndirektor, hat’s gesagt: „Wir machen Strecken für die Besten.“ Also beste Strecken. Was Präparierung und Schwierigkeit betrifft. Schwierig ist sie, die Kandahar. Das weiß man seit Langem. Dass die Garmisch-Partenkirchner das Präparieren beherrschen, weiß man im Skizirkus auch. In diesem Jahr aber scheint alles noch ein bisschen besser zu sein als sonst.

Das Wetter, der Schnee, die Piste, sogar die Stimmung überzeugen beim Training am Donnerstag. „Schon ungewöhnlich“, sagt Peter Fischer, Chef des Organisationskomitees (OK), als er während des Testlaufs vor der Abfahrt am Freitag von seinem Sonnenplatzerl auf der Tribüne nach unten schaut. Gut 150 Skifans haben den Weg in den Zielbereich gefunden, die sich gerne von Stadionsprecherin Evi Ott animieren lassen und die Athleten mit Applaus empfangen. Klar, kein Vergleich mit der Streif in Kitzbühel oder dem Lauberhornrennen in Wengen, wo schon das Training zum Mini-Spektakel wird. Aber diese ständigen Vergleiche sind ohnehin müßig. Stimmungs- und zuschauertechnisch steht Garmisch-Partenkirchen nun einmal in deren Schatten. Organisationstechnisch sicher nicht.

„Wir haben eine richtig geile Strecke“

„Alle haben die Strecke gelobt“, sagt OK-Mitglied Florian Fischer. Verantwortliche des Internationalen Skiverbands ebenso wie die Athleten. „Bestens präpariert“, urteilt der Norweger Kjetil Jansrud nach seiner Trainingsfahrt. „Gefällt mir“, sagt der Kanadier Erik Guay. „Hervorragend zu fahren“, findet’s der Deutsche Josef Ferstl. Florian Fischer schwärmt mit: „Wir haben eine richtig geile Strecke.“ Schnell, eisig und doch griffig, anspruchsvoll. Mit drei Sprüngen – „ wirkliche Sprünge, keine Hupferl“. Anders also als bei den Frauen. Sowohl am Seilbahn- als auch am Kramersprung heben die Männer ab. Besonders am Freien Fall, dem Kandahar-Markenzeichen. 50 bis 60 Meter weit segeln die Fahrer im Rennen wohl durch die Luft. Mit um die 120 Stundenkilometer rasen sie weiter Richtung Tal auf der optimal präparierten Piste. Selbst der deutsche Alpindirektor Wolfgang Maier – keiner, der mit Kritik spart – findet ausschließlich positive Worte für die Helfer. „Man kann nur loben, was die auf der Strecke machen.“

Klar, solche Aussagen freuen Peter Fischer. Doch als Mister 100 Prozent wäre etwas anderes als Lob für ihn schwer zu akzeptieren. Dass man zu den besten Veranstaltern im Weltcup gehöre, habe man oft bewiesen. 

„Millionenwerbung für Garmisch-Partenkirchen“

Ist’s perfekt? Zumindest so perfekt, wie es für einen Über-Perfektionisten Peter Fischer sein kann. Von einer „Millionenwerbung für Garmisch-Partenkirchen“ spricht er, wenn er an die sechs Stunden Live-Berichterstattung denkt, an die Fernsehbilder, die bis Sonntag in die Welt geschickt werden. Nun muss er nur noch das Zuschauer-Thema in den Bereich der Perfektion bringen. Für die Abfahrt am Freitag hat er sich etwas überlegt.

Ursprünglich hätte an diesem Freitag ein zweites Training stattgefunden. Doch dieses entfällt. Stattdessen trägt Garmisch-Partenkirchen bekanntlich das Lauberhornrennen aus, das in Wengen abgesagt wurde. Peter Fischers Wunsch: „eine volle Tribüne.“ Das wären 2600 Zuschauer. Sollte zu machen sein – gerade bei den Preisen: Jedes Ticket an der Tageskasse kostet nur 10 Euro. Normalerweise bezahlen Zuschauer für einen Sitzplatz 42 Euro.

Lauberhorn-Pokale für die Sieger am Freitag

Noch einen Vorteil genießt das Freitagspublikum: Bei der Startzeit 13.05 Uhr strahlt die Sonne über das Wetterstein in den Zielraum. „Das ist doch was“, findet Pressechef Gerd Rubenbauer. Auch den Athleten wäre eine ordentliche Kulisse zu gönnen. Besonders freuen würden sich darüber zwei Gäste aus der Schweiz.

Schon gestern kamen der OK-Präsident und der Geschäftsführer des Weltcups in Wengen an. Mit ihren Lauberhorn-Pokalen im Gepäck. Diese werden sie Am Freitagabend um 18 Uhr bei der Siegerehrung vor der Spielbank in der Garmischer Fußgängerzone den Gewinnern der Wengen-Ersatzabfahrt übergeben. Eine spontane Geste von Fischer.

Ein freundschaftliches Verhältnis verbindet die heimischen Organisatoren mit jenen aus der Schweiz und jenen aus Kitzbühel. Auch sie haben sich für das Renn-Wochenende angekündigt. Und werden einmal mehr feststellen: Organisatorisch steht die Kandahar der Streif und der Lauberhornabfahrt in nichts nach. Zuschauertechnisch schaut’s anders aus. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hexenschuss und Kreuzweh
Sie sind mittlerweile ein Volksleiden, die Schmerzen im Rücken.  In der Reihe „Gesundheit im Dialog“ gehen drei Fachärzte im Klinikum Garmisch-Partenkirchen auf die …
Hexenschuss und Kreuzweh
Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen
„Man braucht Durchhaltevermögen und viel Einsatzbereitschaft, das Angebot richtet sich ausschließlich an leistungsbereite und leistungsfähige Schüler“, sagt Johannes …
Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen
Außenseiter fordern Politprofi
Seit 2002 hat Alexander Dobrindt stets überlegen das Direktmandat im Bundeswahlkreis 226 gewonnen. Zwar ist der Verkehrsminister auch 2017 Favorit, ob ihm allerdings ein …
Außenseiter fordern Politprofi
Autobahnende Eschenlohe: Cannabis im Pkw, unerlaubte Einreise 
Gut zu tun hatten die Polizisten der Schleierfahndung am Autobahnende bei Eschenlohe. Gleich mehrere Personen gingen ihnen ins Netz. Unter anderem wegen dem Besitz von …
Autobahnende Eschenlohe: Cannabis im Pkw, unerlaubte Einreise 

Kommentare