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Alle Blicke aufs Ziel: Bevor die Ski-Stars über die Linie rasen, passieren sie das strittige Grundstück.

Ski-WM 2011: Ohne Einigung keine Rennen

Garmisch-Partenkirchen - Ein Grundstücksstreit im Zielbereich der Kandahar-Abfahrt bedroht die Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen. Der Eigentümer fürchtet eine Enteignung, die Gemeinde spricht von Erpressung.

Es geht um eine Wiese mit 20 Metern Breite und 40 Metern Länge, um die Fläche für ein Fundament. Es ist eine wichtige Wiese: Die Ski-Stars sollen unmittelbar vor der Ziellinie über das Grundstück eines Garmisch-Partenkirchners rasen. Doch knapp 70 Tage vor der Eröffnung der Alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2011 fehlt der Gemeinde die Zusage des Eigentümers, dass sie diese Fläche nutzen darf. Dort sollen bis auf den Slalom alle Wettbewerbe ausgetragen werden. „Wenn wir dieses Grundstück nicht bekommen, wird der Internationale Skiverband die Strecke nicht abnehmen“, sagt Chefrennleiter Heinz Mohr. „Dann können keine Rennen stattfinden.“

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So weit soll es nicht kommen, obwohl die Fronten verhärtet scheinen. Den Streit führen jetzt Anwälte. „Es waren immer weitere Forderungen erhoben worden“, erklärte Alexander Jaud, der Vertreter der Gemeinde, gegenüber dem Bayerischen Fernsehen. „Zum Schluss dann, als man eigentlich schon alles erreicht hat, hat man noch einen draufgesetzt.“ Der Markt sollte gezwungen werden, „als Baugenehmigungsbehörde rechtswidrige Baugenehmigungen“ zu erteilen. „Da ist dann ein Punkt erreicht worden, wo sich eine Marktgemeinde einfach nicht mehr erpressen lassen kann.“ Der Anwalt des Betroffenen, Ludwig Seitz aus der Münchner Kanzlei Labbé & Partner, hält den Vorwurf der Erpressung für „abstrus“. Das sei nicht angemessen.

Dem Vernehmen nach soll Jaud dem Grundbesitzer mit einer sogenannten förmlichen Enteignung nach Artikel 35 des Bayerischen Naturschutzgesetzes gedroht haben. Dieser sieht vor, dass Kommunen in öffentlichem Interesse über Flächen von privaten Eigentümern zeitlich begrenzt verfügen können – der Betroffene verliert sein Eigentum nicht.

Seitz hat nun gestern Bürgermeister Thomas Schmid einen Brief geschrieben, in dem er ihm empfiehlt, wieder das Gespräch zu suchen statt den juristischen Weg zu verfolgen. Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) habe bei den Verhandlungen über Olympia 2018 schließlich versprochen, „dass es keine Enteignung für höchst temporäre Ereignisse wie Olympia oder die Ski-WM geben wird.“ Rathaus-Sprecher Florian Nöbauer beteuert: „Es wird vor der Ski-WM keine Enteignung geben.“

Seinen Mandanten bezeichnet Seitz indes als „einigungswillig“. Schon in der vergangenen Woche habe die Urkunde unterzeichnet werden sollen, aber der Markt habe bisher keinen erneuerten Vertragsentwurf vorgelegt.

Peter Fischer, Geschäftsführer des WM-Organisationskomitees, will sich weiter als Moderator einsetzen und eine „einvernehmliche Lösung“ finden. „Ich setze auf die Vernunft und den gesunden Menschenverstand.“

Von Matthias Holzapfel und Alexander Schwer

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