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Sie ist steil und eine Herausforderung für die Profis: die Kandahar in Garmisch-Partenkirchen.

Angetreten, um zu gewinnen

Ski-WM 2025: Jetzt ist das Bid Book fertig - samt Ideen für eine Kandahar-Arena 

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Das Bid Book steht. Damit will der Deutsche Skiverband die Alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2025 nach Garmisch-Partenkirchen holen. Dort saß die Bid-Book-Zentrale, mit Peter Fischer als Kopf der Bewerbung – der mit dem Team alles für den Sieg gibt. Von seinen WM-Visionen soll der ganze Ort profitieren.

Garmisch-Partenkirchen– Peter Fischer schickt es voraus, streut es immer wieder ein. Als wolle er alle Ja-Aber-Sager schon beim Luftholen unterbrechen. Denn für detaillierte Bedenken gibt es noch keinen Grund. Was er da präsentiert, ist nur eine Vision. Kein Plan. Eine Vision, mit der der Deutsche den Internationalen Skiverband FIS überzeugen will: Garmisch-Partenkirchen ist der richtige Ort für die Alpinen-Ski-Weltmeisterschaften 2025. Eine Vision auch, die Fischer natürlich gerne in Realität sehen würde. Eine Kandahar-Arena – ja, das wäre nach dem Geschmack des Vorsitzenden des Skiclubs Garmisch, der auch Weltcup-Chef-Organisator ist und in diesem Fall vor allem Kopf der WM-Bewerbung.

Drei Monate haben er und sein Team am Bid Book gearbeitet, nun geht die Bewerbungsmappe an die FIS. Diese gab die 20 Überthemen vor. Zu jedem Kapitel stellt sie den WM-Kandidaten – neben dem DSV und Garmisch-Partenkirchen bewerben sich die Österreicher mit Saalbach und die Schweizer mit Crans-Montana – zahllose Fragen. Die Antworten liefert das bayerische Werk auf knapp 100 Seiten.

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Keine Rennen am Gudiberg

Zentraler Bestandteil ist ein neues Ziel für die Rennen. Es findet sich nicht wie aktuell zum Weltcup östlich der Alpspitzbahn-Talstation, sondern an der Kreuzeckbahn-Basis. Auf den bisherigen Parkplätzen entsteht, so die Vision, ein Parkhaus, die Gleise werden eingehaust, auf der Betondecke darauf errichten die WM-Ausrichter eine Tribüne für 5000 Menschen. In der Arena finden noch einmal so viele Platz. Alle haben besten Blick auf die Rennstrecke, sehen – anders als jetzt, da man die Fahrer bis zum Zieleinlauf auf der Leinwand verfolgt – bis zum Freien Fall. Unterhalb der Talstation steht ein Multifunktionsgebäude. Skiverleih, Sportgeschäft, Service – alles unter einem Dach. Das bisherige Weltcup-Zielareal haben die Bid-Book-Macher als Eventbereich ausgewiesen. So stellt sich Fischer die Kandahar-Arena vor – für alle zwölf Wettbewerbe.

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Als WM-Rennstrecke taucht der Gudiberg in der Bewerbungsmappe nicht mehr auf. 2011 wurde dort der Slalom ausgetragen. Vielen wird das nicht gefallen, der steile Hang hat Kultstatus. Fischer hört schon die Kritiker. In diesem Fall kann er sie nicht mit dem Visions-Argument beschwichtigen. Ein Ziel für alle Rennen – das ist gesetzt, dafür gebe es keine Alternative. Zu groß ist die Macht der Medien. Aus Kostengründen baue kein Fernsehsender zweimal sein Equipment auf. Unter anderem deshalb kam der Gudiberg in der Vergangenheit auch als Weltcup-Piste nicht in Frage. Eine Rolle aber wird der Hang spielen, betont Fischer. Man brauche ihn für Trainings- und Qualifikationsläufe.

Seinen Platz im Bid Book hat auch das Kongresshaus. In dem dann sanierten Komplex – gegen einen Abriss und Neubau haben sich die Garmisch-Partenkirchner in einem Bürgerentscheid ausgesprochen – will Fischer das Medienzentrum unterbringen. Mitten im Ort also, nicht mehr, wie 2011, im Olympia-Eissportzentrum.

Abgabetermin ist Ende August

Fischer kennt das Prozedere, stand er doch bereits bei der gescheiterten Bewerbung für 2009 vorne dran, ebenso bei der erfolgreichen für 2011. Einiges hat sich verändert. Vor allem hat Peter „Sparfuchs“ Fischer keine teure Agentur mehr beauftragt. Sein Team stemmt das Bid Book in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Skiverband, der Marktgemeinde und der Bayerischen Zugspitzbahn komplett alleine. In der Skiclub-Zentrale an der Fürstenstraße laufen die Fäden zusammen.

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Bei ihnen laufen die Bid-Book-Fäden zusammen: (v. l.) Birgit Seipp, Susanna Diekmann und Christiane Bauer im Büro des Skiclubs Garmisch.

Die Mitarbeiterinnen Birgit Seipp, Christiane Bauer und Susanna Diekmann übersetzen das Werk – es wird anders als 2011 nur noch auf Englisch gefordert –, fügen alle Informationen zusammen, die sie oder ihre vielen Helfer gesammelt haben. Darunter Daten zu Wetter, durchschnittlichen Schneemengen und Temperaturen, Schneekanonen, Entfernungen zwischen Hotels und Wettkampfstätten, zur medizinischen Versorgung, zu Umweltfragen und vielem mehr. „Echte Knochenarbeit.“ Das Ergebnis taugt Fischer. Auch ohne Agentur. Die Bewerbungsmappe sei „kein bisschen schlechter“ als jene für 2011. Bis 31. August muss sie digital bei der FIS liegen. Seit ein paar Tagen ist sie quasi fertig, letzte Korrekturen werden noch eingearbeitet.

So eine WM-Bewerbung darf man in Fischers Augen nie losgelöst sehen von einer Entwicklung des Ortes. Was will die Gemeinde? Wohin will sie? Diese Fragen müsse sie sich stellen, entsprechend die Vision verfolgen. Soll heißen: Nur mit einem Parkhaus kommt die Einhausung der Gleise. Und nur so eine Anlage, die sich auch im Sommer nutzen lässt. Etwa für eine Tribüne bei Konzerten. Ohne Parkplatz – und ohne Multifunktionsgebäude – geht das Konzept Kandahar-Arena auch auf, aber nur für die Zeit der WM. Die Tribüne wird dann temporär über den Gleisen errichtet. Die Zug-Haltestelle Kreuzeck wäre dann für die Zeit der WM Kopfbahnhof. Suboptimal, findet Fischer. Weil einmalig. „Am Ende müssen Ort und Bürger profitieren.“ Dauerhaft. Nicht nur für zwei Wochen Event.

Fischer kennt die Stimmen, die sagen „Das mit der WM wird eh nix.“ Weil man sich – wie Garmisch-Partenkirchen – eh zweimal bewerben müsse, um überhaupt eine Chance zu haben. Mit Saalbach bringt ein starker Konkurrent genau diese Voraussetzung mit. Mag sein, sagt Fischer. Aber er geht nicht in einen Wettbewerb, um Zweiter zu werden. Er und seine Mitstreiter werden „alles geben“, um im Mai 2020 auf dem FIS-Kongress in Marrakesch zu gewinnen. Mit einer Vision Kandahar-Arena.

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