Da saßen sie schon einmal zusammen: Am 3. Oktober hat Garmisch-Partenkirchen die Niederlage für 2025 kassiert: (v.l.) Wolfgang Maier, Maria Höfl-Riesch, Peter Fischer, Franz Steinle, Elisabeth Koch und Walter Vogel.
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Da saßen sie schon einmal zusammen: Am 3. Oktober hat Garmisch-Partenkirchen die Niederlage für 2025 kassiert: (v.l.) Wolfgang Maier, Maria Höfl-Riesch, Peter Fischer, Franz Steinle, Elisabeth Koch und Walter Vogel.

Deutscher Skiverband sorgt mit Vorstoß für Verunsicherung

Ski-WM 2027: Bewerbung von Garmisch-Partenkirchen auf der Kippe

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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Eigentlich fehlt für die Bewerbung Garmisch-Partenkirchens für die Alpine Ski-Weltmeisterschaft 2027 nur noch die Zustimmung des Gemeinderats. Doch hat der Deutsche Skiverband einen Kontrahenten im eigenen Lager erschaffen. Die Verunsicherung ist groß.

  • Oberstdorf könnte sich um die Nordische WM 2027 bewerben - eine Idee des Deutschen Skiverbands.
  • Damit sorgt der DSV für große Verunsicherung - gerade in Garmisch-Partenkirchen.
  • Manch einer stellt damit laut die Bewerbung Garmisch-Partenkirchens um die Alpine Ski-WM 2027 in Frage.

Garmisch-Partenkirchen – Für Medienschaffende ist Peter Fischer eine harte Nuss, die sich schwer knacken lässt. Nur wenn es ihm und seiner Sache nützt, erlaubt er Menschen, die nicht zum innersten Kreis gehören, einen Blick in seine Karten. Wie tief, bestimmt allein er. Seine Sache ist seit einigen Monaten die Bewerbung Garmisch-Partenkirchens für die Alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2027. Eine Aufgabe, die er zum vierten Mal übernommen hat. Die Chancen, dass es ihm gelingt, die Titelkämpfe nach 2011 nochmals ins Werdenfelser Land zu holen und sich endgültig ein Denkmal zu setzen, haben in den vergangen Tagen einen Rückschlag erlitten. Der Deutsche Skiverband (DSV) hat noch während der Nordischen WM in Oberstdorf, die am 7. März zu Ende ging, ein Thema gesetzt, das den Garmisch-Partenkirchner Träumen zuwiderläuft. Der DSV und das Oberstdorfer Organisationskomitee haben eine erneute Bewerbung, man spricht von einer Bonus-WM, weil coronabedingt die Zuschauer fehlten, für 2027 ins Auge gefasst. Damit werden Fischer, die lokalpolitische Kaste und all jene Bürger Garmisch-Partenkirchens, die eine WM befürworten, vor den Kopf gestoßen.

Besprechung mit wichtigen WM-Entscheidern: Fischer schweigt zu Inhalten

Die Botschaft der geplanten Oberstdorf-Bewerbung hat in Garmisch-Partenkirchen alles andere als Jubelstürme ausgelöst. Das Bewerberkomitee saß am Mittwoch, 10. März, mit der Rathausspitze, Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU), deren Vize Claudia Zolk (CSB) und Gemeinderat Mike Bräu (CSU), sowie den Granden des DSV um Präsident Franz Steinle, Sportdirektor Wolfgang Maier und Walter Vogel, Chef der Marketing-GmbH, zusammen und diskutierte die neue Lage. Was gesprochen wurde, dazu möchte sich Fischer, noch immer Vorsitzender des Skiclub Garmisch, „nicht äußern, obwohl es viel zu sagen gäbe“. Fischer denkt trotz hartnäckiger Nachfrage nicht daran, sein Schweigen zu brechen, weil jedes Wort zu viel die Bewerbung zu schwächen droht.

Andere haben diese Skrupel nicht. Sie bevorzugen statt der Defensive die Offensive, weil sie wissen, dass die Bewerbung auf der Kippe steht, weil es der DSV allen Recht machen möchte – aber besonders Oberstdorf. Das Protokoll des Treffens landete Ende der Woche anonym im Tagblatt-Briefkasten und zeigt die Haltung der Garmisch-Partenkirchen-Fraktion sehr deutlich. Unter dem Punkt „Weiteres Vorgehen“ heißt es: „Es gibt eine klare Positionierung seitens der 1. Bürgermeisterin und des SCG, dass eine Bewerbung für eine Alpine Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen im selben Jahr wie Oberstdorf nicht in Frage kommt.“ Auch eine WM 2029 sei keine Alternative, da sonst die Reduzierung der Bewerbungskosten (91 000 Euro Anteil für die Gemeinde) verloren gehe.

Skiverband zu WM-Bewerbung von Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen: „Noch im Abstimmungsprozess“

Während Markt und Skiclub auf einer Wellenlänge liegen, funkt der Skiverband teilweise auf einer anderen Frequenz. „Wir befinden uns derzeit noch in einem Abstimmungsprozess, bei dem wir mit allen Parteien das Für und Wider diskutieren. Dafür werden wir uns die notwendige Zeit nehmen. Denn natürlich müssen neben den jeweiligen Rahmenbedingungen vor Ort auch übergreifende strategische Überlegungen angestellt werden“, teilt Steinle auf Tagblatt-Anfrage mit. So äußert sich ein Sport-Politiker, der sich alle Türen offen halten möchte. Er verspricht, mit allen Verantwortlichen offen und transparent abzuwägen, „ob eine Doppelbewerbung Sinn macht oder wie eine alternative Zeitschiene aussehen könnte“. Vor einer Woche hatte Steinle „Spiegel online“ zufolge kein Problem darin gesehen, mit zwei deutschen Standorten ins Rennen zu gehen – auch, wenn das Risiko mindestens einer Absage hoch ist.

Laut Protokoll steht der DSV hinter Garmisch-Partenkirchen. Allerdings. „Die Bewerbung sollte nur dann erfolgen, wenn man sicher zum Zuge kommt. Aktuell gibt es mit Crans Montana nur einen Kontrahenten.“ Dass die Marktgemeinde durchs Raster fallen könnte – diese Befürchtung hegt auch Koch im Tagblatt-Gespräch. Ihre Rechnung: Mit nur einem Mitbewerber stünden die Chancen auf den Zuschlag „bei 50 Prozent. Geht der DSV auch noch mit Oberstdorf ins Rennen, sinken sie auf 25 Prozent“.

DSV will Internationalen Skiverband einbinden - Bewerbungsschluss für WM-Bewerbung ist im April

Um die richtige Entscheidung zu treffen, plant man beim DSV, den Skiweltverband FIS einzubinden, dessen Council über die WM-Vergaben entscheidet. „Wir werden mit der FIS weitere Gespräche zu den möglichen Bewerbungen führen“, teilt Steinle mit. Der Bewerbungsschluss für die WM im Jahre 2027 ist Ende April 2021. „Wir haben also noch etwas Zeit, und die werden wir nutzen.“

Der Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat soll in der Sitzung am 15. April seine Zustimmung geben. Womöglich ist zu diesem Termin die Entscheidungsfindung beim DSV noch nicht abgeschlossen. Koch erwartet eine „Grundsatzdiskussion“ über den Antrag, den die CSU eingebracht hat. Die Christsozialen Reihen sieht die Bürgermeisterin geschlossen, während die Grünen bereits angekündigt haben, ihr Placet zu verweigern. Mit allen Mitteln soll nun versucht werden, die anderen Gemeinderäte, die noch unschlüssig sind, einzufangen. Das Drehbuch sieht vor, dass es eine gemeinsame Präsentation von DSV und SC Garmisch geben soll. Durch Videos von der WM in Oberstdorf sollen Gemeinderäte und Zuhörer „emotional“ angesprochen werden.

Bewerbung um Ski-WM: Bürgermeisterin Koch zwiegespalten und fordert Gudiberg als Teil des Konzeptes

Die Gefühlslage, in der Bürgermeisterin Koch steckt, ist zwiespältig. Einerseits gilt sie pro Ski-WM, andererseits ist ihre Einstellung durchaus kritisch – so geht es aus dem Protokoll hervor, und so bestätigt sie selbst es. Sie ist nicht gewillt, alles mitzutragen, was das Bid Book für die WM 2025 vorgesehen hatte. Sie outet sich nicht als Freundin einer Kandahar-Arena. In die Bewerbung für 2027 soll dieses Zielstadion keinen Eingang mehr gefunden haben. Zudem spricht sie sich dagegen aus, alle Wettbewerbe am Kreuzeck auszutragen. „Der Gudiberg muss Teil des Konzepts sein.“ Zur Erinnerung: Der Weltcup-Slalomhang, nur einen Schneeballwurf vom Olympia-Skistadion entfernt, war für die WM 2011 großzügig mit einem Lift ausgestattet worden – und fristet seitdem ein Schattendasein, weil er nur noch für Trainingszwecke genutzt wird. Die TV-Anstalten drängen allerdings darauf, sämtliche Rennen auf der Kandahar stattfinden zu lassen. Die Motive sind recht eigennützig. Die Technik müsste nur einmal installiert werden. Das spart Kosten. Kochs Meinung dazu: „Wir können nicht nur Rücksicht auf das Fernsehen nehmen.“

Viel wichtiger ist ihr die Rücksicht auf die Natur. Ihr schweben kaum Eingriffe in die Landschaft vor, sie nennt als leuchtendes Beispiel Are 2019. In dem Ort in Schweden habe man eine ähnliche WM ausgetragen wie 2007. Lediglich die Infrastruktur und der Tourismus seien ausgebaut worden. Bei der Nordischen WM 2021 in Oberstdorf gab es ein Nachhaltigkeitskonzept. „An dem könnten wir uns orientieren“, sagt Koch. Um möglichst breit aufgestellt zu sein, regt sie ein „externes Gremium an, in dem alle Sparten des Umweltschutzes vertreten sind“. Das wäre ein gelungener Schachzug, um die Kritiker einzubinden, und eine Gelegenheit, in Zeiten des Klimawandels eine „grüne“ WM auszurichten und beispielgebend zu sein.

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