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Skigebiet Garmisch Classic: „Mit 2G plus wird’s schwierig“

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Von: Katharina Bromberger

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In einem Sessellift sitzen vier Menschen, unten sieht man fast leere Pisten bei Sonnenschein.
Immerhin: Die Bahnen laufen auf der Zugspitze. Doch sind deutlich weniger Skifahrer unterwegs als normal. Die 2G-plus-Regel hält ab. Nun hofft das Unternehmen, dass die Politik den 2G-Betrieb erlaubt. © Bayerische Zugspitzbahn

Der 15. Dezember ist der Stichtag. Spätestens dann kann, wird und will die Bayerische Zugspitzbahn entscheiden, ob sie in diesem Jahr das Skigebiet Garmisch Classic öffnet. Alles hängt am Wörtchen „plus“.

Garmisch-Partenkirchen – Was soll er denn groß sagen?, fragt Matthias Stauch. In Zeiten, in denen mehr Fragen als Antworten auf dem Tisch liegen. In denen man „wenig agieren, nur reagieren“, nur warten und hoffen kann. Zeiten, in denen „die Halbwertszeit von Aussagen bei Stunden liegt“. Der Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) denkt da an die Saisoneröffnung auf der Zugspitze am 19. November. „Ein toller Tag“, wie haben sich die Mitarbeiter gefreut. Bis Mittag. Dann trafen sich die Herren und Damen in München – schon lag 2G plus auf dem Tisch: Zugang zu den Bergbahnen nur für Geimpfte und Genesene samt negativem Corona-Test. Drei Stunden zuvor noch hatten die Bahnen unter 2G den Betrieb aufgenommen.

2G plus gilt nach wie vor. Doch wer weiß, was kommt. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat angekündigt, die Regel zu überprüfen. Bevor sich die Politik nicht entschieden hat, will sich Stauch am liebsten gar nicht äußern, welche Pläne die BZB mit dem Skigebiet Garmisch Classic verfolgt. „Zum aktuellen Zeitpunkt kann ich nichts sagen“, betont er einmal mehr.

Bayerische Zugspitzbahn: Noch keine endgültige Aussage über Skibetrieb

Doch natürlich spielt das Unternehmen Szenarien durch. Natürlich gehört 2G plus dazu. Mit dem Ergebnis: „Wahrscheinlich wird das organisatorisch und finanziell nicht durchführbar.“ Bei der plus-Variante stehen die Bahnen also still? So weit geht Stauch ausdrücklich nicht. „Ich würde mir im Moment keine absolutistische Aussage nach dem Motto ,dann sperren wir zu‘ zutrauen.“ Aber, keine Frage: „Mit 2G plus wird’s schwierig.“

Auf der Zugspitze funktioniert das System gut. Vorbildlich verhalten sich die Kunden, betont Stauch. Doch als Blaupause taugt das kleine Gebiet nicht mit seinen 20 Pistenkilometern und nur zwei Zugängen – Zahnradbahn und Seilbahn. Wie in einem Schleusensystem werden die Besucher kontrolliert, einmal am Tag reicht. Sechs bis acht Security-Mitarbeiter hat die BZB dafür zusätzlich beschäftigt. „Wenn man das für Garmisch Classic multipliziert, dann wird’s halt schon. . .“ Stauch spricht den Satz nicht zu Ende. Man weiß, was er sagen will. Die Kontrollen sind nur ein Beispiel von vielen, an denen sich die Probleme und Kosten von 2G plus offenbaren.

Bayerische Zugspitzbahn: 2G-Regel wird zu 100 Prozent befürwortet

Zu 100 Prozent befürwortet Stauch die 2G-Regel. Gerade werde an einem System gefeilt, das den Genesenen- oder Geimpft-Status der Wintersportler maschinell überprüft. Einmal am Morgen nach dem Ticketverkauf, schnell und unkompliziert. Kein Problem. „Das ,plus‘ ist das Thema, das uns zum Verzweifeln bringt.“

Ebenfalls stand im Raum, dass die Bergbahnen nur mit 25 Prozent der zulässigen Personenzahl besetzt werden dürfen. Diesen Punkt aber lässt Stauch außen vor. Er geht davon aus, dass Liftbetreiber davon nicht betroffen sein werden. Da setzt er auf den gesunden Menschenverstand. Am Schlepplift verdeutlicht er die zum Teil abstrusen Gedankenspiele. „Da wird doch jeder verstehen, dass wir die Leute nicht vierteln können.“ Hauptproblem also bleibt 2G plus.

Skigebiet Garmisch Classic: 15. Dezember als spätester Tag für Entscheidung

Den 15. Dezember nennt Stauch als den spätesten „Termin für weitreichende Entscheidungen“. An diesem Tag läuft die 15. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung aus, die Karten könnten neu gemischt werden. Im besten Fall erfahren Stauch und die Gemeindewerke – die BZB ist 100-prozentige Tochter des kommunalen Unternehmens – schon früher, was die Politik vorhat. Zeitlich sieht der Vorstand das Ganze noch entspannt. „Nur, weil Schnee liegt, muss man jetzt nicht in Aktionismus verfallen.“ Natürlich „schmerzt das Ganze doppelt“ angesichts der Bedingungen am Berg. Wieder, wie in der vergangenen Lockdown-Saison, fängt der Winter gut an. Wieder weiß niemand, wie es weitergeht. „Diese Unsicherheit ist brutal belastend.“

Viele Mitarbeiter fragen, was passieren wird. Sie machen sich Sorgen. Erneut steht der für Stauch „worst case“, der schlimmste Fall, im Raum: die Kurzarbeit. Oft erinnert im Team jemand an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Endlosschleife Corona.

BZB-Vorstand fühlt sich von Politik besser wahrgenommen

Ein paar Dinge aber haben sich geändert im Vergleich zum Vorjahr. So fühlt sich Stauch besser wahrgenommen von der Politik. Massiv habe sich der Dialog mit der Staatskanzlei verbessert. Argumente der Seilbahner würden gehört, die Minister entschieden nicht mehr einfach über ihre Köpfe hinweg. Dieses „positive Signal“ lässt ihn zusätzlich hoffen.

Konsequenzen aber hat das Unternehmen auch gezogen aus den negativen Erfahrungen der vergangenen Saison. Als die Politik nur scheibchenweise informierte, „als uns ständig die Karotte vor die Nase gehalten worden ist“. Als die BZB alles für den Skibetrieb vorbereitete – am Ende umsonst. Das gibt es in diesem Winter nicht mehr. Solange keine Klarheit herrscht, laufen die Kanonen nur punktuell. Anders sei das wirtschaftlich nicht mehr darzustellen, betont Stauch. 1,35 Millionen Euro investierte damals das Unternehmen in die 300 000 Kubikmeter Kunstschnee für das gesamte Gebiet. Deutlich teurer würde die Beschneiung in diesem Jahr kommen, denn die Stromkosten haben sich zum Teil verdoppelt.

Skigebiet Garmisch Classic: Fokus liegt auf dem Leistungsssport

Jetzt liegt der Fokus auf dem Leistungssport. Vor allem auf der Kandahar sind die Kanonen im Einsatz. Dort wird gearbeitet und präpariert. Für die Athleten, die trainieren. Und für die Top-Fahrer, die sich dort am 29. und 30. Januar sowie am 26. und 27. Februar beim Ski-Weltcup messen. „Dafür müssen wir jetzt vorbereiten, da können wir nicht einen Tag vorher starten“, sagt Stauch. Können sie im Skigebiet auch nicht. Deshalb hat die BZB bereits Saisonkräfte eingestellt. Nicht so viele wie im vergangenen Jahr, sondern „mit angezogener Handbremse“. Aber genug, „dass wir loslegen können“, sobald die Politik wie erhofft entscheidet. Ein paar Schneedepots werden angelegt für die Präparierung. „Mehr können wir aktuell nicht machen.“ Außer natürlich warten. Und hoffen. Viel hoffen.

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