+
Die drei Helden des Neujahrstags: (v.l.) Richard Freitag, Kamil Stoch und der Norweger Anders Fannemel

Ein neues Fahnenmeer weht im Olympiaskistadion in Garmisch-Partenkirchen

Neujahrsspringen 2018: Rot-Weiß statt Rot-Weiß-Rot

  • schließen

Megaduell ohne Österreich: Während die Adler aus dem südlichen Nachbarland ein Desaster am Neujahrstag erleben, ist der Pole Kamil Stoch der Topfavorit und der Deutsche Richard Freitag sein Widersacher

Garmisch-Partenkirchen – Früher waren die Fan-Fahnen im Stadion alle Rot-Weiß-Rot. Logisch, da dominierten die Skispringer aus dem Nachbarland ja auch die Tournee. Die letzte Phase österreichischer Herrschaft ist noch gar nicht lange her. Siebenmal in Serie von 2009 bis 2016 stand ein ÖSV-Adler ganz oben in der Gesamtwertung. Heute sind die Farben noch dieselben. Rot und Weiß. Doch schwenken die Fahnen mittlerweile andere: Es sind Polen. Rot-Weiß hat Rot-Weiß-Rot momentan den Rang abgelaufen. Auf der Schanze und auch in einigen Stadien. In den deutschen zumindest. Am Bergisel und in Bischofshofen sollte das naturgemäß noch anders ausschauen.

In der Allzeit-Nationenwertung liegen die Österreicher auch noch knapp vorne, am Neujahrstag gaben sie ein trauriges Bild ab. Gregor Schlierenzauer, der Seriensieger vergangener Tage, als 19. der beste. Nur zwei ÖSV-Springer überhaupt im Finale der besten 30 Athleten. Grausig, auch wenn der zweifache Gesamtsieger gar nicht so unzufrieden mit seinem Auftritt war. Klar, er kommt ja nach Verletzungen erst zurück. Aber Stefan Kraft: Position 31 nach Durchgang eins – raus.

Ein Deutscher bereit für das große Duell

Dinge, die man als deutscher Fan der Skisprung-Szene bestens kennt. Viele Dürrejahre musste die Disziplin hierzulande durchmachen. Gähnende Leere herrschte bei so manchem Wettbewerb im altehrwürdigen Olympia-Skistadion. Nun aber ist zumindest ein Deutscher wieder bereit für ein großes Duell. Ist einer auf den Spuren von Sven Hannawald, der 2002 als bisher letzter schwarz-rot-goldener Adler die Traditionsveranstaltung schlechthin im nordischen Skisport gewinnen konnte. Severin Freund hatte man es vor zwei Jahren zugetraut. Nun ist Richard Freitag an der Reihe. Der führt ein derzeit recht stabiles Gebilde an DSV-Springern (Andreas Wellinger, Markus Eisenbichler, Stephan Leyhe) mit einer unglaublichen Ruhe und Gelassenheit an, scherzt in der Leaderbox, winkt aus dem Aufwärmraum. Ja, so muss einer drauf sein, der ein Champion sein will.

Das Neujahrsskispringen 2018 in Bildern

Jener Freitag also, der zum Auftakt in Oberstdorf schon Rang zwei belegt hatte. Der tat genau das wieder. Und genau derselbe schlug ihn auch am Neujahrstag vor 21 000 Zuschauer in der ausverkauften Arena: Kamil Stoch. Kein Unbekannter. Wahrlich nicht. Er ist der Titelverteidiger bei der Tournee. Deutschland gegen Polen also. So wie das Fähnchen-Duell im weiten Halbrund des Skistadions gestern. Im Sport mischen auch die Norweger derzeit kräftig mit. Mit dem Fanaufgebot schaffen sie es nicht ganz. In Polen sind die Skispringer eben Volkshelden. Man denke nur zurück an die Zeiten des Adam Malysz. Sie mobilisieren die Massen– und sind auch dick im Geschäft. Gestern sprangen allein fünf Polen im Finale.

Ein Desaster für Österreich

Zur Erinnerung: nur zwei Österreicher. Neben Schlierenzauer noch Michael Hayböck. 19. und 20.. Im Grunde ein Desaster. „Es war nicht unser Tag“, räumt Schlierenzauer ohne Umschweife ein. Ihm selbst fehle oftmals noch der Aha-Effekt bei seinen Sprüngen. „Es sind Kleinigkeiten, die da fehlen. Und alle Jahre ist es wieder dasselbe in unserem Sport. Es gibt Phasen, da sitzt du oben und es passt alles, und andere, da geht eben nichts.“ Überrascht im negativen Sinne zeigte er sich vom Kollegen Kraft. „Im Training hier ist er eigentlich saugut gesprungen. Aber anscheinend hat er einfach das Gefühl nicht gefunden.“ Das Megaduell der Deutschen und Österreicher, das in der Vergangenheit den Reiz dieses Wettstreits über vier Schanzen ausmachte, es fällt also flach in diesem Jahr. „Natürlich ist die Tournee für uns vorbei“, sagt der Tiroler offen. „Aber jetzt kommen zwei Schanzen, auf denen wir uns normal wohlfühlen. Jetzt müssen wir die Trendwende einläuten. Wir lassen uns jedenfalls nicht unterkriegen und werden das als Mannschaft durchstehen.“

Harte Zeiten sind es auch für einen anderen Ex-Champion: Simon Ammann. Der Schweizer, der Vierfach-Olympiasieger, musste am Neujahrstag zuschauen. Nach guten Trainingssprüngen am Sonntag verhaute er die Qualifikation komplett und schied als 51. aus. Zum ersten Mal beim 16. Wettbewerb am Neujahrstag. Der Super-GAU. Ammann, mittlerweile mit 36 Jahren ein Veteran, tüftelt aktuell ein wenig an seinem Sprungschuh, verkleidet ihn schwarz, um die Konkurrenz im Ungewissen zu lassen. Auf diese Neuerung werden die Kollegen aber gut verzichten können. Eingebracht hat sie ihm lediglich einen freien Tag.

Freitag gegen Stoch heißt es also für den Rest der Tournee. Nun geht’s weiter nach Innsbruck. Dort hat der Pole in der Summe zwar die besseren Resultate, der Deutsche 2015 aber einen Sieg gefeiert. Spannend bleibt es allemal. Freitag allerdings muss nun schon fast zwölf Zähler aufholen, das sind mehr als sechs Meter. Am Bergisel wäre der richtige Zeitpunkt, damit anzufangen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Leichenberge so groß wie Baracken: KZ-Überlebender spricht über sein Martyrium
Flossenbürg, Auschwitz, Mathausen-Gusen: Onufrij Mikhajlowitsch Dudok überlebte alle drei NS-Konzentrationslager. Mit über 90 erzählte er nun Schülern von seinen …
Leichenberge so groß wie Baracken: KZ-Überlebender spricht über sein Martyrium
Murnau ist ein sicheres Pflaster
Murnau und die umliegenden Gemeinden haben nicht nur viel Lebensqualität zu bieten, sondern auch ein hohes Maß an Sicherheit. Dies geht aus der Kriminalitätsstatistik …
Murnau ist ein sicheres Pflaster
Landesausstellung: Dort können Besucher sich verpflegen
Was passiert, wenn der kleine Hunger kommt? Bei der Landesausstellung in Ettal wird es kein eigenes Essenszelt geben. Die Verantwortlichen glauben dennoch, dass die …
Landesausstellung: Dort können Besucher sich verpflegen
Nicht jede Entwicklung ist positiv: So sieht die Sicherheitslage im Landkreis aus
Aufgeklärte Einbruchserien, tausende Festnahmen an der Grenze, weniger Diebstähle: Die Bürger im Landkreis können ruhig schlafen. Zumindest fallen die Zahlen des …
Nicht jede Entwicklung ist positiv: So sieht die Sicherheitslage im Landkreis aus

Kommentare