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Pünktlich kommt der Rollrasen ins Skistadion. Die ersten Trainingssprünge im Herbst können stattfinden.

Sanierung läuft, das Neujahrsskispringen ist nicht in Gefahr

Skistadion in Garmisch-Partenkirchen: Meilenweit von einer Event-Arena entfernt

  • Katharina Bromberger
    VonKatharina Bromberger
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Die Arbeiten am Olympia-Skistadion kommen gut voran. Das Neujahrsskispringen 2020 ist in keiner Weise gefährdet. Soweit die gute Nachricht. Zufrieden ist Michael Maurer, Präsident des Skiclubs Partenkirchen, dennoch nicht. Er hätte sich mehr gewünscht.

Garmisch-Partenkirchen – Michael Maurer will mal nicht so sein. Er fängt mit

Wird noch sauber gemacht, verspricht die Gemeinde: Der Vorraum des Rennbüros ist eine Baustelle.

dem Positiven an. Mit dem Innenraum im Skistadion. Was da passiert, „ist in Ordnung“. Vor allem die Arbeiter geben Vollgas, damit die Anlage rechtzeitig fertig wird für die ersten Skisprung-Trainingseinheiten im Herbst. Der Rollrasen liegt bereits drin. Nett. Nur – der alte, sagt Maurer, hätt’s noch getan. „Jetzt haben wir halt einen Rasen statt einem Rasen.“ Die Verbesserungen, die sich durch die aktuelle Sanierung des Olympia-Skistadions für den Skiclub Partenkirchen ergeben, bezeichnet der Präsident als gleich null. Ginge es nach ihm, er hätte die Prioritäten anders gesetzt. Hätte für die 10,37 Millionen Euro – so viel sind aktuell für das Projekt genehmigt – Dinge angepackt, die aus der Anlage und seinen Gebäuden einen Ort machen, der sich für Großveranstaltungen wirklich eignet – ohne, dass man jedes Mal nachbessern muss. Aber: „Das Skistadion ist von einer Event-Arena so weit entfernt wie wir vom Mond.“

40 Container für das Neujahrsskispringen

Jahr für Jahr stellen die Organisatoren des Neujahrsskispringens um die 40 Container und Zelte unter anderem für Toiletten, Verpflegung, Betreuung auf – dieses Mal werden es mehr denn je. Das beinhaltet eine weitere gute Nachricht aus der Gemeinde: Das Neujahrsskispringen 2020 wird stattfinden, die Arbeiten werden fertig. „Wir können den Sport ausüben“, bestätigt Maurer. „Das war’s aber auch.“ Die Bedingungen – grenzwertig.

Das Rennbüro ist eine Baustelle. Genauso wie die anderen Räume, die das Organisationsteam, Sanitäter und Polizisten nutzen. Alle Heizungen sind abmontiert, die Toiletten herausgerissen, Baumaterial liegt herum.

Dass die Zimmer in der Ostkurve saniert werden, steht außer Frage. Über Jahre drang Wasser ein, das Mauerwerk ist marode und schwer beschädigt. Nur: Muss man an allen Ecken anfangen?, fragt Maurer. Im April 2018 zog der SCP aus. Zum 1. Januar 2020 zieht er definitiv nicht wieder ein. Das hatte sich Maurer anders vorgestellt. Die Gemeinde offenbar nicht. Genau im Zeitplan liegen die Arbeiten, sagt Sprecherin Ute Leitner.

Sanierung des Olympia-Skistadions: Arbeiten im Zeitplan

Einiges hat sich getan. Gebäudeteile wurden energetisch saniert, Räume durch aufwändige Deckenkonstruktionen abgedichtet, der Tribünen-Unterbau zum Teil erneuert, die viel diskutierten Fahnenmasten samt Flaggen – sie sind bestellt – kommen zurück. Was das Rennbüro, Maurers „größter Schmerz“, und alle Bereiche betrifft, die für das Neujahrsspringen benötigt werden, versichert Leitner: Es wird alles professionell gereinigt. Das bezweifelt Maurer nicht. Eine Lösung gebe es immer. „Aber alles ist immer nur irgendwie.“ Elektroheizungen werden während der Großveranstaltung aufgestellt, zudem Toilettencontainer. Auch für die Sanitäter wird ein Provisorium geliefert, wo sie Verletzte versorgen können.

Bauchschmerzen bekommt Maurer angesichts der Umstände keine. Das Sportliche sei das Wichtigste. Und das wird laufen. Seit 13 Jahren organisiert er als OK-Präsident das Neujahrsspringen. „Der SCP ist Meister im Improvisieren. Mit Zertifikat“. Provisorien und Übergangslösungen sind seine Spezialität.

Sitzschalen für die Besucher des Neujahrsskispringens für 35.000 Euro 

Jahr für Jahr lässt der Verein auf der Westtribüne Sitzschalen montieren. Für jedes Mal rund 35 000 Euro. Daran ändert sich nach der Sanierung nichts. Auch nicht am Zustand der Stufen. Schief und krumm kommen sie daher. „Das ist irre.“ Im Osten wuchert das Unkraut. „Da können sie jetzt dann einen Gärtner anstellen.“ Maurer lacht. Auch wenn ihm nicht danach zumute ist.

Er versteht nicht, dass nur gebastelt, keine große Lösung gefunden wird. Und man damit Anti-Werbung in Kauf nimmt. Denn auch wenn man das Neujahrsspringen stemmen, den gut 20 000 Zuschauern und Athleten ein Sportfest bieten wird – „es geht um den ersten Eindruck“. Maurer erinnert an hochkarätige Vertreter des Internationalen Skiverbands, die womöglich bei der Vergabe um die Alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2025 ein Wort mitzureden haben. Sie sollten, findet Maurer, bei ihrem Besuch im Bewerberort im Skistadion nicht zuerst die Frage stellen: „Wie schaut’s denn hier aus?“

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