Umstrittener Plan des Bayerischen Ministerpräsidenten

Söders Kreuz-Pflicht: So stehen Behörden im Landkreis dazu

Er steht in der Kritik: Markus Söders Vorstoß, in allen bayerischen Behörden Kreuze aufhängen zu lassen, kommt nicht überall gut an. In manchen Büros im Landkreis ist das Dekret dabei längst überflüssig.

Garmisch-Partenkirchen – Bayerns Ministerpräsident Markus Söder steht seit einigen Tagen im Kreuzfeuer der Kritik. Sein Beschluss, in allen Landesbehörden des Freistaats per Dekret ein Kreuz aufhängen zu lassen, polarisiert über Parteigrenzen hinweg. Einige Politiker vermuten ein Wahlkampfmanöver.

Im Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen ist alles bereits so, wie es sich der Ministerpräsident wünscht. Kein Handlungsbedarf also in Hinblick auf den 1. Juni – das ist das Datum, das das Bayerische Kabinett für die Umsetzung des Dekrets festgelegt hat. „Wir haben seit eh und je in allen Sitzungssälen Kreuze“, sagt Benjamin Lenhart, Stellvertretender Direktor des Amtsgerichts. Ein offizieller Hinweis seitens des Freistaats ist aber auch noch nicht eingegangen.

Gar nicht sicher, inwieweit sein Amt die Bestimmung betrifft, ist Stephan Scharf, Pressesprecher des Landratsamts. Immerhin liegt die Funktion seiner Institution zwischen kreisverwaltender und staatlicher Behörde, je nach Angelegenheit, die behandelt wird. „Bisher hängt bei uns kein Kreuz“, meint Scharf. In der Olympiastraße in Garmisch-Partenkirchen will man erst einmal abwarten. „Solange es keine klaren Anweisungen gibt, ob Kreuz oder Kruzifix und wo dieses platziert werden soll, unternehmen wir nichts.“

Michael Bodenstedt, Amtsleiter des Finanzamtes Garmisch-Partenkirchen stellt sich noch eine weitere Frage. Und zwar, wer für die Kosten der Anschaffung des christlichen Symbols aufkommt. „Wir haben einen sehr begrenzten Haushalt.“ Auch Bodenstedt hält zunächst die Füße still. „Es muss ja noch eine schriftliche Verfügung kommen“, argumentiert auch er. Thema waren die Kreuze auf den Gängen des Finanzamtes seither allerdings schon. „Unsere Gesellschaft ist nicht mehr nur katholisch“, gibt der Amtsleiter allerdings zu bedenken.

Die Kommunen in der Region scheinen indes gut ausgestattet zu sein. Sie sind allerdings nicht von Söders Beschluss betroffen. Sowohl in Oberammergau als auch in Krün hätte dieser auch beispielsweise nichts anweisen können. Beide Rathäuser haben aber bereits Kreuze.

„In unserem neuen Sitzungssaal ein großes Christuskreuz angebracht“, sagt Christian Ostler, Geschäftsleitender Beamter der Ammertal-Gemeinde. Zudem ziert ein Holzrelief zur Entstehung der Geschichte der Passion den Eingangsbereich des Gebäudes: Auch darin ist das religiöse Zeichen zu finden.

Thomas Schwarzenberger hat ein Kreuz in seinem Büro hängen seit er Bürgermeister in Krün ist. „Es hat für mich eine besondere Bedeutung“, erklärt er. Es hängt an seinem Platz seit sein Großvater Johann Neuner die Geschicke des Orts seiner Zeit lenkte. Ob sich im Sitzungssaal allerdings eines befindet, konnte Schwarzenberger nicht aus dem Stehgreif sagen. „Da müsste ich glatt nachsehen.“


Martina Bräu

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