1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Garmisch-Partenkirchen

Buchautorin mit gerade mal 17 Jahren:
Sogar der Vater wird zur Leseratte

Erstellt:

Von: Josef Hornsteiner

Kommentare

Buchautorin mit gerade mal 17 Jahren: Anne-Marie Jettenberger mit ihrem Debütroman „Jart“.
Buchautorin mit gerade mal 17 Jahren: Anne-Marie Jettenberger mit ihrem Debütroman „Jart“. © Josef Hornsteiner

Sie ist gerade einmal 17 Jahre und bereitet sich aufs Abitur vor: Anne-Marie Jettenberger aus Garmisch-Partenkirchen. Jetzt hat sie ihren ersten Roman veröffentlicht.

Garmisch-Partenkirchen – Anne-Marie Jettenberger war drei Jahre alt, als sie ihre ersten Zeilen aufs Papier brachte. Mit fünf stand sie auf der Bühne, versetzte sich in komplexe Figuren, spielte mühelos Freude und Trauer. Im Alter von acht Jahren schrieb die Burgrainerin mit ihrer Cousine schon Geschichten, ließ Charaktere lebendig werden. Die Inspiration war ihr Deutschlehrer.

Mit zarten 15 Jahren verfasste sie ihren ersten Roman. Mit 17 publiziert sie ihr erstes belletristisches Werk: „Jart – Ohne einen einzigen Gedanken“. Mit diesem Debüt dürfte sie die jüngste Buchautorin des Landkreises sein – wenn nicht sogar weit darüber hinaus.

Jettenberger sitzt auf einer alten weinroten Couch im Keller der evangelischen Kirche in Mittenwald. Ein lässiger Jugendraum, neu gestaltet. Videospiel-Symbole an der rot gestrichenen Wand, Kicker, Billardtisch, ein Mischpult als Deko. Es ist ihr erster Pressetermin. Jettenberger beobachtet aufmerksam. Ihre grünen Augen sind hellwach. Sie vermitteln ein Gefühl, als könnte Jettenberger lesen, was andere denken.

Eine Gabe, die das Mädchen auch ihrer Hauptfigur in ihrem Erstlingswerk „Jart“ schenkt. Denn Layla, ihre Protagonistin, kann Gedanken lesen. Nicht in Form von Frauen in Jahrmarktszelten, die aus Handflächen oder Tarotkarten zitieren. Sie kann sie wahrhaftig lesen – oder hören. Doch ausgerechnet bei jenem Jungen, in den sie sich verliebt, funktioniert die Gabe nicht. Ihr Familiengeheimnis, ein Erbe ihrer Mutter, scheint in Gefahr zu sein.

Jettenbergers Idee zu dem Teenager-Roman „Jart“ erwuchs mit 15. In den Sommerferien zwischen 9. und 10. Klasse am St. Irmengard-Gymnasium. Schnell kam bei ihr Langeweile auf. Trotz des vielen Lesens. Manchmal verschlingt sie einen Roman an einem Tag. „Ich kann Bücher sogar am Geruch erkennen“, sagt sie und lacht. „Die vom Carlsen-Verlag duften am intensivsten.“ Eines Tages kam ihr der Gedanke, was wäre, wenn sie wahrhaftig hören könnte, was andere Menschen denken? „Ich bin sehr empathisch.“ Sie deutet schnell die Mimik und Gestik anderer. Aus dieser Vorstellung spann sie einen roten Faden, schuf Hauptfigur Layla und deren beste Freundin Sky.

Mach ich, Papa. Aber lass’ mich noch Mittagessen.

Anne-Marie Jettenberger

Erst später realisierte sie, dass die Protagonisten eigentlich sie und ihre beste Freundin Sophie darstellen. Sie schrieb ganze Blöcke voll. Erfand Figuren, Schauplätze, Orte. Der Roman spielt in England. Sie war zwar nie dort, „aber da gibt es Schulbälle“. Zudem liebt sie J.K. Rowlings Welt von Harry Potter. Schreibblockaden hatte sie selten. Und wenn, dann träumte sie in der Nacht die Handlung, schrieb sie sofort nach dem Aufwachen nieder, damit sie sie nicht vergaß.

Ihre ersten Kritiker: die Eltern. Immer nach etwa 50 Seiten durften sie das Manuskript lesen. Ihr größtes Lob erhielt sie unbewusst von ihrem Papa. „Er ist keine Leseratte“, sagt Jettenberger. Doch ihre Geschichte hatte er in nicht einmal zwei Tagen durchgelesen. Irgendwann bat er sie: „Bitte, schreib weiter. Ich will wissen, wie es ausgeht.“ Darauf die artige Tochter: „Mach ich, Papa. Aber lass’ mich noch Mittagessen.“

Nach den Ferien stockte ihr Schreiben. Der Schulalltag holte sie ein. Bis 2020 der Corona-Lockdown zumindest eine positive Begleiterscheinung barg: Jettenberger hatte nun genügend Zeit für ihr Buch – mit 17 Jahren.

Die Suche nach einem Verleger war mühsam. Ihr Manuskript lag auf vielen Schreibtischen. Die Antwort war stets dieselbe: Die Geschichte fanden die Verleger super. Nur mit Minderjährigen zusammenzuarbeiten, sei schwierig. Bis ihre Nachbarin die Lösung hatte. Bei der Tagblatt-Lektüre war sie auf den Bericht über den Selfmade-Verleger Thomas Schwarz aus Mittenwald gestoßen. Er hat sich auf unbekannte Autoren spezialisiert. Schwarz war begeistert von dem jungen Naturtalent. „Ich hab’ mir die Geschichte gleich mehrmals durchgelesen.“ Im Lektorat mussten nur mehr „Spitzfindigkeiten“ verbessert werden. In einer Videokonferenz mit Anne-Marie Jettenberger und ihrer Mutter machten sie Nägel mit Köpfen. Sie gestalteten das Layout. Das Buchcover zeichnete der 19-jährige Mittenwalder Johannes Mentgen. „Ein echter Eyecatcher“, schwärmt Schwarz.

Nun ist der Roman tatsächlich erschienen. Er scheint erfolgversprechend. Doch als hauptberufliche Autorin sieht sich Jettenberger künftig nicht. In wenigen Monaten will die mittlerweile 18-Jährige ihr Abitur absolvieren und danach in Erlangen deutsch-französisches Recht studieren. „Aber nebenbei wird Schreiben meine große Leidenschaft bleiben.“

Das Buch ist unter anderem direkt beim Mittenwalder Verlag SchwarzWeisses erhältlich.

Auch interessant

Kommentare