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Fachmann: Hagen Pohl (l.) ist Schwimmba d-Experte (mit Bürgermeister Christian Scheuerer).

Anlage wird Schritt für Schritt saniert

Soldarfreibad: Haupthaus-Umbau beschlossene Sache

Die Würfel sind gefallen: Das Hauptgebäude am Ohlstädter Schwimmbad wird für 560 000 Euro saniert. Dies hat der Gemeinderat im Rahmen einer Sondersitzung beschlossen. Im September sollen die Arbeiten beginnen.

OhlstadtZweieinhalb Stunden lang setzten sich die Ohlstädter Gemeinderäte mit der Zukunft des Solarfreibads auseinander. Die Ausgangslage: Am Gebäudebestand aus dem Jahr 1976 nagt der Zahn der Zeit, und auch die Heizung für das Haus und die Sanitäranlagen ist defekt. So sieht sich die Kommune zum Handeln gezwungen.

Unterstützung bekommt sie von zwei Fachleuten: Architekt und Schwimmbad-Experte Hagen Pohl (Ötztal/Tirol) sowie Wolfgang Schwegler (Benediktbeuern), der die Haustechnik unter die Lupe genommen hatte. Pohl erklärte, dass das vorhandene Gebäude „wesentlich zu groß“ sei für das, was ein Freibad heute brauche. Der Österreicher empfahl, die Anlage auf das zu reduzieren, was notwendig sei. Das Gremium folgte diesem Rat. Es beschloss, dass das Hauptgebäude für 560 000 Euro umgestaltet wird. Im Erdgeschoss sollen alle schwimmbadrelevanten Einrichtungen untergebracht werden: also Duschen, Toiletten, Kasse, Aufsichtsraum und Umkleidekabinen.

Nur Richard Frombeck (CSU) und Nikolaus Zach (BVO) stimmten gegen diesen Weg. Sie plädierten für einen Abriss. „Für mich macht der Umbau des Erdgeschosses nur Sinn, wenn man weiß, wie man die anderen Ecken nutzen will“, betonte Frombeck. Zach mutmaßte, dass die Gemeinde mit einem Neubau nach 15 Jahren unterm Strich „besser dran“ wäre. Ein Abbruch hätte (ohne Keller) rund 90 000 Euro gekostet.

Und es gab weitere Beschlüsse: So werden im Erdgeschoss öffentlich zugängliche Toiletten eingebaut und auf der Bachseite eine Außentreppe. Darüber hinaus kam das Plenum mit drei Gegenstimmen überein, dass das erste Obergeschoss des Hauptgebäudes ganzjährig genutzt werden soll. Wie, das ist noch unklar. Über diesen Punkt wollen die Gemeinderäte bald noch reden. Ideen gibt es: Sie reichen von einem Fitness-Studio über die Schaffung von Wohnungen. Nach Angaben von Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) sind auch „Burschen“ vorstellig geworden, die dort gerne eine Kneipe betreiben würden. Eine solche hatte es zuletzt schon gegeben. Gemeinde und Pächter hatten sich jedoch gestritten und getrennt. Künftig soll es ferner einen externen Kioskbetrieb geben. Wie dieser genau aussehen wird, ist noch nicht ausgemacht. Möglicherweise kauft die Kommune einen Imbisswagen und verpachtet diesen.

Das längliche Gebäude, in dem sich bis dato die nicht genutzte Wärmehalle und die sanitären Anlagen befinden, wird quasi abgekoppelt. Die weitere Nutzung: offen. Pohl merkte an, dass es in Orten oft wenig Platz für Vereine gebe. „Vielleicht ist hier Bedarf da.“ Die Heiztechnik bleibt im Keller. Der Energieträger ändert sich nicht. Gebäude und Sanitäranlagen sollen weiter mit Gas beheizt werden. Das Treppenhaus wird entfernt.

Mehrfach meldete sich in der Sitzung Simon Sagmeister (BVO) zu Wort. Erstens erklärte er, dass er die Anlage privatisieren würde. Zweitens sprach er sich für eine Bürgerbefragung aus. Und drittens präsentierte er Vorschläge, wie aus seiner Sicht die Attraktivität der Einrichtung zu steigern wäre: mit einer öffentlichen Sauna, einer Hot Tub (Badetonne) oder mit Fitness-Geräten. Eine Sauna wäre freilich extrem teuer. Pohl nannte die Summe von 1,5 bis 2 Millionen Euro. Auf Sagmeisters Privatisierungs-Idee ging niemand aus dem Gremium ein. Eine Bürgerbefragung sahen manche kritisch.

Auch Architekt Pohl nannte Möglichkeiten, wie man die Attraktivität des Bads erhöhen könnte. Zum Beispiel mit einer Waterclimbing-Anlage: Dabei handelt es sich um eine Boulderwand am Beckenrand. Kostenpunkt: rund 70 000 Euro.

Scheuerer glaubt, dass ein renoviertes Gebäude attraktiv sein wird „im Verhältnis zu dem, was wir heute haben“. Das Arbeiten im Hauptgebäude stellen den ersten Bauabschnitt dar. Dies machte der Rathauschef deutlich. „Der zweite kommt. Es ist nur die Frage, wann.“ Dann würde die Gemeinde Technik und Becken anpacken. Allein ein neues Edelstahlbecken, wie es Pohl empfahl, würde 1,1 Millionen Euro kosten. Nach seinen Worten ist die Badewassertechnik im Ohlstädter Bad „meilenweit entfernt“ von dem, „was heute üblicherweise Standard ist“. Die Anlage werde aber gut betreut.

Kämmerer Christoph Gratz steht hinter dem „Umbau auf Raten“. Er befürworte das aus finanzieller Sicht. Ohlstadt ist laut Pohl kein Einzelfall. „Es gibt viele Freibäder, in denen diese Situation vorhanden ist.“ Das Bad zählt jedes Jahr zwischen 10 000 und 15 000 Besucher – je nach Witterung.

Roland Lory

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