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Gemeinsamer Vortragsabend: Billi Bierling und Hans Conrad.

Stiftung „Himalaya’s Children“

Spannender Vortrag: Wie Billi Bierling den Everest bezwang

Im Herbst wurde bekannt, dass die Garmisch-Partenkirchnerin Billi Bierling die Arbeit der legendären Himalaya-Chronistin Miss Elizabeth Hawley weiterführt. Dass sie selbst davon aus der Zeitung erfahren hat, verriet sie bei einem Vortrag.

Garmisch-Partenkirchen – Wenn Billi Bierling in ihrer zweiten Heimat Kathmandu unterwegs ist, dann mit dem Fahrrad. Immer schon seit 2004. „Da passe ich arg drauf auf, dass es nicht geklaut wird.“ Für die Garmisch-Partenkirchnerin ist es die beste Art, durch das Getümmel der nepalesischen Hauptstadt zu kommen. Wie jeden Tag, wenn sie zum Beispiel Miss Elizabeth Hawley besucht. „Eine wichtige Person in meinem Leben.“ Und jemand, der seit den 1960er Jahren immer mit einem blauen Käfer durch die asiatische Metropole getuckert ist. Auf dem Weg zu all den Bergsteigern, die jenseits der 8000er-Marke ihre Herausforderungen suchten. Hawley, die als Journalistin für die Nachrichten-Agentur Reuters nach Nepal kam, hat die „Himalayan Database“ aufgebaut. Und nun mit 94 Jahren an Bierling, ihre Assistentin seit 2004 übergeben.

„Davon habe ich in einem Interview gelesen“, sagte die Werdenfelserin am Donnerstagabend in der Garmisch-Partenkirchner Filiale von Sport Conrad. Mit ihrem Vortrag über ihr Leben unterstützen Bierling und Hans Conrad die Stiftung „Himalaya’s Children“. 70 Zuhörer sind gekommen, um von den höchsten Bergen der Welt zu hören. Gipfel, auf denen die legendäre Chronistin Hawley nie selbst war. „Sie ist von den Bergen fasziniert, hält uns aber alle für verrückt.“

Bierling lernte die resolute Amerikanerin 2002 kennen, als sie mit ihrem damaligen Lebensgefährten zu einer Bergexpedition in Kathmandu ankam. „Wir waren keine zehn Minuten im Hotel, da hat sie angerufen.“ Ein Umstand, für den Hawley bekannt war. „Was ich damals nicht wusste, war, dass sie es schon stundenlang am Telefon probiert hatte.“

All ihre Aufzeichnungen über die Himalya-Bergtouren hat die Miss handschriftlich angefertigt. Anfang der 2000er wurde dann mit der Digitalisierung begonnen. „Zwei Nepalesinnen mussten Jahre lang tippen.“ Auch Bierling hat Hawley anfangs mit Zettel und Stift unterstützt. Heute gibt es Online-Formulare und ein ganzes Team mit drei weitere Mitarbeitern, die die Garmisch-Partenkirchnerin unterstützen. Geld bekommt dafür keiner. Bierling verdient ihren Lebensunterhalt bei der Humanitären Hilfe beim Schweizerischen Korps. Die Aufzeichnungen über die Bergtouren erfolgen alle ehrenamtlich. Und es werden immer mehr.

Zum Vergleich: In den Jahrzehnten nach der Erstbesteigung des 8848 Meter hohen Mount Everest 1953 bis Mitte der 1990er-Jahre waren rund 600 Menschen am höchsten Berg der Welt. Allein in diesem Jahr gab es 180 Expeditionen mit 649 Besteigungen. Insgesamt haben sich 8300 Menschen aufgemacht, den Gipfel zu erreichen. 5000 von ihnen schafften es tatsächlich, davon 483 Frauen.

Die dritte Deutsche war im Jahr 2009 Billi Bierling. „Irgendwann habe ich gedacht: Jetzt musst Du das selbst machen“ – nachdem sie schon fünf Jahre lang die Everest-Bergsteiger für die Datenbank befragt hat. Bierling schloss sich damals einer großen Expedition des Organisators Russell Brice mit 27 Teilnehmern und 30 Sherpas an. Damals hatte sie dafür rund 30 000 Euro gezahlt. Wer heute eine 70 tägige Tour für das 2018 bei Brice buchen will, muss knapp 60 000 Euro hinlegen. „Wir haben allein 1,5 Tonnen Lebensmittel gebraucht“, verdeutlicht Bierling. Pro Tag wurden hunderte Liter Wasser benötigt.

Bis sich die Garmisch-Partenkirchnerin wirklich zum Gipfel aufmachen konnte, vergingen viele Tage. Anfangs im Basislager, dann in drei folgenden Stationen. Man geht rauf, akklimatisiert sich und wieder runter. „Damit sich der Körper erholen kann.“ Dann bricht man wieder auf. Zum Gipfel ist Bierling nachts um 1 Uhr aufgebrochen. Erreicht hat sie ihn um 9.50 Uhr. Ein Moment, den sie nie vergessen wird. „Mir ist eine große Last von den Schultern gefallen. Ich habe bis dahin nicht gewusst, wie wichtig mir das doch war.“

Ohne die Sherpas, betont sie, würden es 90 Prozent der Bergsteiger nicht schaffen. Möglichst jeder soll in der „Himalayan Database“ verewigt werden. Zu den Interviews ist Elizabeth Hawley über Jahrzehnte mit ihrem blauen Käfer durch Kathmandu gefahren. Dieser soll im Alpin-Museum Bozen einen letzten Stellplatz bekommen. Wer weiß, vielleicht wird dort eines Tages auch das Fahrrad von Billi Bierling stehen. „Ich habe große Ambition“, sagte sie – eine der erfolgreichsten Bergsteigerinnen unserer Zeit.

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