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Startklar: Peter Imminger (2.v.l.) und Dr. Sigrid Meierhofer (M.) sind bereit für ihren Wettkampf. Tagblatt-Mitarbeiterin Manuela Schauer (l.) fährt mit Oberaus CSU-Bürgermeister im Auto mit und kontrolliert, ob er sich an die Verkehrsregeln hält. Garmisch-Partenkirchens SPD-Rathauschefin bekommt radelnde Begleitung von Tagblatt-Volontärin Magdalena Kratzer (2.v.r.) und Regionalmanagerin Lisa Loth.
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Zu früh gefreut? Lisa Loth (l.) und Dr. Sigrid Meierhofer (r.) jubeln auf ihren letzten Metern.
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Zielschmankerl für die Kontrahenten: Peter Imminger zischt ein Weißbier, Dr. Sigrid Meierhofer kredenzt sich Häppchen.

Die Volle-Kanne-Taktik geht auf

Rad gegen Auto: Meierhofer und Imminger liefern sich heißes Duell

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Rund zwei Minuten machten den Unterschied: Die Bürgermeister Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) und Peter Imminger (CSU) haben sich bei der Aktion „Rad gegen Auto“ nichts geschenkt. Außer den Trostpreis für einen der beiden.

Garmisch-Partenkirchen – Auto absperren, das blaue Sacko zurechtzupfen, Ticket lösen. Nein, stopp. Braucht’s nicht. Parken darf man in der Partenkirchner Tiefgarage derzeit umsonst. Peter Imminger kommt’s gerade recht. Ein bisserl pressiert’s. Er kennt sie, seine Konkurrentin, Dr. Sigrid Meierhofer: „Verlieren will sie nicht.“ Doch Oberaus Bürgermeister hat ein gutes Gefühl. Er war schnell, dank der grünen Welle. „Es könnt’ sein, dass wir vor ihr ankommen“, sagt er und schreitet lässig durch die Badgasse. „Oder sie lacht schon.“ In wenigen Metern wird er’s wissen.

Die beiden Kommunalpolitiker liefern sich am Mittwoch bei knapp 30 Grad ein heißes Duell. SPD gegen CSU. Die „rote Sigi“ gegen den „schwarzen Peter“. Rad gegen Auto. Das Rennen hat die Zugspitz Region organisiert, im Rahmen der landkreisweiten Stadtradeln-Aktion.

Die Kandidaten-Auswahl passt. Nicht nur die Partei unterscheidet die beiden. Auch die Statur, scherzt Oberaus Bürgermeister. Auf der einen Seite die grazile Meierhofer, eine passionierte Radlfahrerin, die sich innerorts lieber an den Lenker als ans Steuer setzt. Auf der anderen Seite Imminger, der griabige Genussmensch, der zugibt, im Jahr maximal zehn Rad-Kilometer zusammenzubringen. Und trotzdem verbindet die zwei Ü-60-Kontrahenten an diesem Tag etwas: der Ehrgeiz zu gewinnen.

Scherze schon vor dem Start

Siegessicher kommt die Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen zum Richard-Strauss-Platz, den Start. Im lässig-luftigen Sommeroutfit, mit ihrem Stadtradl – SPD-getreu in Rot-Weiß und modernem Retrolook – samt Einkaufskörberl. „Ich fahre so, wie ich sonst auch im Ort unterwegs bin.“ Ihr geht’s darum zu zeigen, dass sich das Fahrrad im Alltag ganz einfach integrieren lässt. Imminger stellt seinen metallic-blauen BMW am Kongresshaus ab. „Hast du schon ein Ticket gelöst?, lauten Meierhofers Begrüßungsworte. Kostet schließlich auch Zeit. Der Konter folgt prompt: „Ist das hier überhaupt ein Fahrradparkplatz?“ Die beiden necken sich. Unentwegt. Weil’s Spaß macht. Mit einer herzlichen Umarmung trennen sie sich. Und schicken sich ein paar Schmeicheleien mit auf den Weg. „Pass’ auf deinen Blutdruck auf“, rät Meierhofer ihrem Gegner, der ihr ganz charmant „schöne, straffe Oberschenkel“ wünscht. Drei, zwei, eins – abklatschen, los geht’s, um 11 Uhr.

Zwei unterschiedliche Strecken liegen vor den beiden auf ihrer Tour de GAP. Wo sie fahren, bleibt ihnen überlassen. Hauptsache, sie kommen an am Ziel, dem Kuger’s Café an der Partenkirchner Ludwigstraße. Meierhofers Taktik: „Volle Kanne“, sagt sie. „Wie immer.“ Imminger dagegen hat im Kopf recherchiert, sich die ampelärmste Route ausgedacht.

Solche Dinge müssen die aktuell knapp 300 Stadtradel-Teilnehmer nicht beachten. Für sie zählen nur die Kilometer. Etwa 10 400 haben sie seit dem Start am Samstag bereits abgestrampelt. Sport und Spaß für den Klimaschutz. Ziel des Projekts ist „das Umdenken im Kopf“, sagt Regionalmanagerin Lisa Loth. Also gerade bei kürzeren Strecken öfter mal aufs Rad umzusatteln, weil man ohnehin schneller vorwärts komme. Der Wettkampf soll’s beweisen.

Immer diese Ampeln

Meierhofer tritt kräftig in die Pedale. Ihre Augen blitzen. Sie passiert mit Radl-Komplizin Loth die Chamonix- und Enzianstraße, das Werdenfels- Gymnasium und düst in Richtung Ludwigstraße. Schulterblick, Handzeichen beim Abbiegen – die Rathauschefin agiert vorbildlich. Kurz vor Schluss setzt sie alles auf eine Karte, fährt entschlossen auf die rote Ampel an der Kreuzung zur Hauptstraße zu. „Die wird gleich grün“, sagt sie. Hofft sie. Und bling, die Ampel schaltet um. Der Plan B über die Schnitzschulstraße – unnötig.

Ihr Kontrahent fährt mit Radio-Beschallung über die Partnachstraße. Erste Ampel gespart. Weiter über die Hindenburgstraße. Nie zu schnell, auch nicht in der Tempo- 30-Zone. Die zweite Ampel meint’s nicht gut mit Imminger. Rot. Er bleibt locker. Die Schwierigkeit kommt erst noch. Er darf nicht in der Ludwigstraße parken. Erste Option Schnitzschulstraße: nichts frei. „Jetzt geht der Ärger los“, sagt er. Also ins Parkhaus und rein in die erste Lücke. Läuft nach Plan. Zumindest, bis er zu Fuß von der Ballengasse in die Ludwigstraße einbiegt.

And the winner is...

Da steht sie, unaufgeregt, leicht verschwitzt, und schlemmt das erste Häppchen, das das Kuger’s Café spendierte: Dr. Sigrid Meierhofer. Etwa zwei Minuten vor Imminger, um 11.10 Uhr, erreicht sie das Ziel, wo Gesundheitsmanagerin Petra Hilsenbeck auf den Gewinner wartet. Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin ist der Strampel-Champion. Sie läuft dem Verlierer entgegen – mit dem „Trostpreis“, einem Glas Weißbier, umarmt ihn. Der nimmt’s gelassen wie ein Gentleman, kennt aber den Grund für die weibliche Dominanz: „Die Fahrleistung der Oberschenkel war besser als die des Autos.“

Die Politiker stoßen an, schäkern. Sie haben Spaß bei der Aktion, die sie beide als wichtig erachten. „Eine wunderbare Sache“, sagt Meierhofer. Passend zum Radschnellweg und Radkonzept. Und natürlich zum Stadtradeln. Solche Projekte braucht’s ihr zufolge ab und zu. Als Anstoß. Aber auf freiwilliger Basis, nicht mit Zwang. Das Bürgermeister-Gespann jedenfalls plant schon das nächste Rennen. Aber andersrum. Imminger auf dem Rad, Meierhofer im Auto. „Wenn ich dann verliere“, scherzt Oberaus Gemeindechef, „schmeiß’ ich das Radl weg.“

Weitere Informationen

zum Stadtradeln gibt’s im Internet unter www.stadtradeln.de/landkreis-garmisch-partenkirchen/

Magdalena Kratzer

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