+
Nimmt Glückwünsche ihrer Sympathisanten entgegen: Bald-Bürgermeisterin Elisabeth Koch.

Das Duell der Frauen ist entschieden

Stichwahl in Garmisch-Partenkirchen: Koch siegt deutlich - Meierhofer analysiert die Niederlage

  • schließen

Zeitenwende in Garmisch-Partenkirchen: Elisabeth Koch führt ab dem 1. Mai als neue Bürgermeisterin Garmisch-Partenkirchen. In der Stichwahl siegte sie gegen Amtsinhaberin Dr. Sigrid Meierhofer überaus deutlich. Koch sprach von einem großen Vertrauensvorschuss.

Garmisch-Partenkirchen – Als Elisabeth Koch gegen 19.45 Uhr ins Trauzimmer des Garmisch-Partenkirchner Rathaus kommt, zeigt ein Standbild das Ergebnis der Stichwahl. Groß und mächtig auf einer Leinwand. Es zeigt ihren triumphalen Erfolg, der an Klarheit nichts zu wünschen übrig lässt. Doch Koch, die ab dem 1. Mai für sechs Jahre als Bürgermeisterin die Geschicke von Garmisch-Partenkirchen in großen Teilen bestimmen wird, freut sich eher innerlich. Ihre Lippen umspielt nur ein sanftes Lächeln. Ist das nicht ein Tag der Freude? „Ja, schon, aber nicht in diesen Zeiten.“ Koch (57) spricht von einem „großen Vertrauensvorschuss, den ich erst verdauen muss. Ich weiß, was auf mich zukommt. Ich will versuchen, die Erwartungen zu erfüllen“.

Als sich das Resultat bereits nach den ersten ausgezählten Stimmbezirken abzeichnete, machte sich Koch auf in ihre künftige Arbeitsstätte – und legte zwei Zwischenstopps ein. Zuerst besuchte sie ihre Eltern, als nächstes führte sie der Weg in die Partenkirchner Kirche Maria Himmelfahrt. „Ich habe unserem Herrgott gedankt und um seine Hilfe gebeten.“ Sie hat erkannt, dass sie kein leichtes Amt übernehmen wird. Die Corona-Krise überlagert alles. „Ich weiß, wie es den Menschen geht. Ich will ihnen Zuversicht geben.“

Alle Infos zu den Stichwahlen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gibt‘s im Ticker

Cola-Light und alkoholfreies Radler zum Anstoßen

Im Hause Koch wurde am Sonntag eher nüchtern gefeiert. Alkohol befand sich nicht in den Gläsern. Josepha Koch, die ihre Mutter als Wahlkampfmanagerin unterstützte, sprach von Cola light, Elisabeth Koch von alkoholfreiem Radler. Ihre Unterstützer waren da schon überschwänglicher und in Feierlaune. Über die Sozialen Medien hagelte es Glückwünsche. Bis 21 Uhr hatten bereits 200 Personen gratuliert. Per E-Mail tat das auch Martin Schröter. Koch und der FDP-Mann sind in herzlicher Feindschaft verbunden. „Wir sagen Zusammenarbeit zu oder kritische Opposition, wann immer es möglich oder notwendig ist“, schreibt Schröter. Ob Meierhofer ihrer Kontrahentin gratuliert hat – unbekannt, aber wahrscheinlich. Koch besuchte die geschlagenen Sozialdemokratin unter Ausschluss der Öffentlichkeit in ihrem Amtszimmer. Im Sicherheitsabstand kamen sie gemeinsam zu den Medien.

Lesen Sie auch: Stichwahl-Hammer in Mittenwald: Corongiu stürzt Hornsteiner

Bei der Familie Meierhofer hatte man sich zu Mehrprozentigem entschlossen – trotz Niederlage. „Wir haben gesagt, egal wie es ausgeht, wir machen eine Flasche Schampus auf“, sagt die Noch-Bürgermeisterin. Dass es auf eine Niederlage hinauslaufen würde, war Meierhofer bereits seit zwei Wochen klar. Sie hatte es als Amtsinhaberin knapp in die Stichwahl geschafft, Kochs Vorsprung war damals schon groß gewesen. Dass er noch einmal anwachsen würde, hat sowohl Meierhofer als auch Koch überrascht. „In dieser Deutlichkeit habe ich das Ergebnis nicht erwartet“, erklären beide gleichlautend in einem zeitlichen Abstand von fast einer Stunde. 

Meierhofer verzichtet wegen Corona auf Resturlaub

Meierhofer verfolgte die Auszählung der Stimmen, die wegen des Corona-Ausnahmezustands im weitläufigen Kongresshaus stattfand, in ihrem Amtszimmer – wie immer fast emotionslos. Über ihre Gemütsverfassung wollte sie – wie üblich – keine Auskunft geben. „Ich werde meinen Seelenzustand nicht mit der Öffentlichkeit teilen. Das habe ich sechs Jahre lang nicht gemacht, das mache ich jetzt auch nicht.“

Geschlagen: Noch-Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer.

Die Gründe, die ihr ihrer Meinung nach das Amt gekostet haben, benennt Meierhofer sehr wohl. Es ist die richtige Analyse. Sie habe viele unpopuläre Entscheidungen treffen müssen. „Wie schmerzlich die für die Bürger waren, konnte ich nicht einschätzen. Zudem ist es mir nicht gelungen, die Notwendigkeit zu erklären.“

Das könnte Sie auch interessieren: Stichwahl in Murnau: Beuting verteidigt Rathaus-Thron - die Party fällt wegen Corona aus

Eine Bürgermeisterin auf Abruf ist Meierhofer. Ihre restliche Amtszeit will sie nicht ausklingen lassen. „Ich arbeite im Corona-Modus. Da gibt es in den nächsten Tagen noch viel zu tun.“ Deshalb hat sie darauf verzichtet, ihren Resturlaub zu nehmen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rückkehr nach 18 Jahren: Alois Schwarzmüller blickt neuer Legislaturperiode entspannt entgegen
Alois Schwarzmüller kehrt nach 18 Jahren Pause in den Gemeinderat zurück. Als politische Themenschwerpunkte nennt der Historiker Wohnen, Verkehr und Kultur.
Rückkehr nach 18 Jahren: Alois Schwarzmüller blickt neuer Legislaturperiode entspannt entgegen
Wohnmobile verstopfen die Parkplätze - Krün erklärt gewisse Stellflächen zur Tabuzone
Nach Lockerung der Corona-Auflagen befürchten viele im Oberen Isartal mit Beginn der Pfingstferien eine Blechlawine mit zigtausenden von Naherholern. Sorgen bereiten den …
Wohnmobile verstopfen die Parkplätze - Krün erklärt gewisse Stellflächen zur Tabuzone
Zugeparkte Straßen, versperrte Rettungswege: Ohlstadt kämpft gegen den Ausflugsansturm - Gemeinde reagiert spontan
Ohlstadt ist ein beliebtes Ziel von Bergfreunden. Dort beginnen sie ihre Touren ins Heimgartengebiet. Aber der Ausflugsansturm in letzter Zeit übertraf alles Bisherige. …
Zugeparkte Straßen, versperrte Rettungswege: Ohlstadt kämpft gegen den Ausflugsansturm - Gemeinde reagiert spontan
Corona kommt dem Landkreis teuer zu stehen: Allein die Tests kosten viel Geld
Corona geht auf den Geldbeutel. Auf den Landkreis kommen hohe Ausgaben zu. Dabei hat er schon gespart.
Corona kommt dem Landkreis teuer zu stehen: Allein die Tests kosten viel Geld

Kommentare