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Stiller Protest gegen den Dauerlockdown

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Von: Andreas Seiler

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Stiller Protest vor den Sprungsschanzen in Garmisch-Partenkirchen: (v.l.) Bürgermeisterin Elisabeth Koch, Daniel Schimmer (Dehoga-Ortsvorsitzender, Hotel Garmischer Hof), Jutta Griess (Dehoga-Bezirksvorsitzende, Hotel Rheinischer Hof) und Vize-Bürgermeisterin Claudia Zolk.
Stiller Protest vor den Sprungsschanzen in Garmisch-Partenkirchen: (v.l.) Bürgermeisterin Elisabeth Koch, Daniel Schimmer (Dehoga-Ortsvorsitzender, Hotel Garmischer Hof), Jutta Griess (Dehoga-Bezirksvorsitzende, Hotel Rheinischer Hof) und Vize-Bürgermeisterin Claudia Zolk. © GaPa Tourismus/Stadler

Es ist ein Aufschrei einer ganzen Branche: Mit der Protestaktion „Gedeckter Tisch“ haben landesweit Hoteliers und Wirtsleute auf ihre schwierige bis verzweifelte Situation aufmerksam gemacht. Daran beteiligten sich auch viele Unternehmer aus dem Landkreis. Ihre zentrale Forderung: eine Öffnungsperspektive.

Landkreis – Christian Bär, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes, ist derzeit ein gefragter Mann: „Das Medieninteresse ist der Wahnsinn“, freut sich der Chef des Murnauer Alpenhofs. „Das Thema schlägt hohe Wellen.“ Die Strategie, mit der öffentlichkeitswirksamen Aktion „Gedeckter Tisch“ die Nöte des coronageplagten Gastgewerbes zu vergegenwärtigen, geht auf.

Seit November befinden sich die Betriebe in der Zwangspause – mit weitreichenden Folgen. Existenzängste und Wut machen sich breit. Von der Nordsee bis zur Zugspitze stellten daher jetzt Hoteliers und Gastronomen gedeckte Tische oder gemachte Betten als stillen Protest auf öffentlichen und markanten Plätzen auf – um im Vorfeld der nächsten Bund-Länder-Gespräche (3. März) den Druck auf die Politik zu erhöhen. Viele hatten bereits im Vorfeld Fotos geschossen und diese ins Netz gestellt. Die Botschaft ist unmissverständlich: Die Branche will die Schließung nicht mehr klaglos hinnehmen.

Motivstarke Bilder

Keine Region lieferte dazu derart motivstarke Bilder wie der Landkreis Garmisch-Partenkirchen, in dem der Hotel- und Gaststättenverband mit über 300 Mitgliedern besonders stark vertreten ist. So standen die Tische beispielsweise in den schmucken Fußgängerzonen von Mittenwald und Murnau – oder vor dem ehrwürdigen Passionstheater in Oberammergau. Bär war bereits vergangene Woche extra auf die Zugspitze gefahren, um sich vor der imposanten Bergkulisse samt Gipfelkreuz ablichten zu lassen. Und seine Kollegen aus Garmisch-Partenkirchen veranstalteten mit Unterstützung von GaPa Tourismus ein professionelles Fotoshooting vor den Skisprungschanzen.

Bär zieht eine positive Bilanz: „Wir sind sehr zufrieden.“ Nun hofft er, dass das Ganze auch Folgen zeigt. „Wir brauchen eine stufenweise Öffnung“, sagt der Hotelier. Es könne doch nicht sein, dass der Handel aufsperren dürfe – und seine Branche nicht. „Wir dürfen nicht an letzter Stelle stehen.“ Als Startschuss für eine Lockerung kann sich Bär Ostern vorstellen.

Ins gleiche Horn stößt Daniel Schimmer (Hotel Garmischer Hof), Ortsvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes in Garmisch-Partenkirchen. „Wir brauchen eine Perspektive“, betont er. Das Hotel- und Gastgewerbe habe im vergangenen Jahr bewiesen, dass es Hygienekonzepte umsetzen kann. „Das hat gut funktioniert“, sagt Schimmer. Der Lockdown dürfe auf keinen Fall ein Dauerzustand bleiben: „Das ist eine große Zumutung und starke Belastung.“

Angespannte Stimmung

Die Stimmung ist angespannt: „Es ist wichtig, dass was passiert“, findet Petra Thron, Geschäftsführerin des gleichnamigen Traditionscafés im Herzen des Kreisorts. Mit dem To-go-Geschäft könne man nur einen kleinen Teil der Umsatzeinbußen abfangen, berichtet sie. Und man könne nicht richtig abschätzen, wie viel Ware benötigt wird. „Wir können nicht wirtschaftlich arbeiten.“

Peter Mayerhofer, Wirt des Seehauser Gasthofs Stern, macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Wir müssen dem Personal Sicherheit bieten. Sonst springt es ab.“ In der Branche macht das Horrorszenario die Runde, Kellner, Bedienungen und andere Fachkräfte könnten sich nach Österreich verabschieden, sollte hierzulande alles im Unklaren bleiben.

Die hiesige Kommunalpolitik unterstützt die Schlüsselbranche. In vielen Orten stellten oder setzten sich die jeweiligen Bürgermeister für die besagten Aufnahmen mit dazu. Etwa Christian Scheuerer (parteifrei, Ohlstadt), Sprecher der Rathauschefs im Landkreis. „Wir brauchen eine Strategie“, findet er. Dies gelte nicht nur für die Gaststätten und Hotels, sondern auch für die kleinen Läden. Natürlich sei Vorsicht geboten. Aber ein höheres Infektionsrisiko geht seiner Ansicht nach von privaten Veranstaltungen aus.

„Gerade in unserem touristisch geprägten Landkreis nimmt das Hotel- und Gaststättengewerbe eine sehr bedeutende Stellung ein“, erklärt Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Deshalb hofft der Chef der Kreisbehörde, dass bei den Bund-Länder-Beratungen Wege für eine schrittweise Öffnung gefunden werden. Speer: „Grundlegend für solche Perspektiven sind aber vor allem zielgenaue Hygiene- und Testkonzepte sowie die Intensivierung der Impfungen.“

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