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Wenig Besucher fanden sich bei der Bürgerversammlung ein. 

Abend mit wenig Besuchern

Stimmen gegen Kongresshaus-Abriss

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Das Kongresshaus und die Lautstärke von Laubbläsern waren wichtige Themen bei der Bürgerversammlung in Garmisch-Partenkirchen. 

Garmisch-Partenkirchen – Den Bewohnern von Garmisch-Partenkirchen scheint’s relativ gut zu gehen. Sie beschäftigten sich im Rahmen der Bürgerversammlung im Kongresshaus ausschweifend und emotionalisiert mit der Phonstärke von Laubbläsern. Als ob es in Garmisch-Partenkirchen keine drängenderen Probleme gibt. Zudem waren lediglich 174 Personen, inklusive der Gemeindebediensteten, für die Anwesenheitspflicht bestand, gekommen. Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) und ihr Vize Wolfgang Bauer (CSU) hatten sich für ein neues Format entschlossen. Sie verzichteten weitgehend auf Reden, sondern beantworteten Fragen, die schriftlich bei der Verwaltung eingegangen waren oder die während der Versammlung gestellt wurden.

Kongresshaus

Mit Sicherheit das Thema, das am meisten Zeit beanspruchte, waren der geplante Abriss des Kongresshauses und ein Neubau an gleicher Stelle. Für die verschiedenen Planungen, die wieder verworfen wurden, und die Architektenwettbewerbe hat die Gemeinde Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer zufolge seit 2009 760 000 Euro ausgegeben. „Man kann sagen“, erklärte sie, „zum Fenster rausgeworfen.“ Jörg Setzpfand hielt es für eine Sünde, „diesen wunderbaren Raum, in dem wir sitzen, abzureißen“.

Axel Doering, einst SPD-Gemeinderat, stieß ins selbe Horn wie Setzpfand, Werner Caspers und Reiner Schmid-Egger. „Je länger ich mich mit dem Abriss beschäftige, desto schwerer tue ich mir damit“, sagte Doering. Den Stil des Kongresshauses in Altötting, das der Gemeinderat besichtigt hat und das die Kommunalpolitiker wegen des Raumkonzepts als Beispiel sehen, nannte er eine „Horrorarchitektur“. An der Lösung findet der ehemalige Förster nur den Platz gut. „Und es muss ein öffentliches Haus sein.“ Doering sprach sich dagegen aus, im Zuge des Kongresshaus-Neubaus auch über einen Abriss des Glaspalasts, in der das Kleine Theater und das U1 untergebracht sind, nachzudenken.

Meierhofer erklärte die Gründe, weshalb der Gemeinderat die Entscheidung für einen Neubau gefällt hat. Einer davon: „Wir machen mit dem Kongresshaus pro Jahr ein Defizit von einer Million Euro.“ Sie verteidigte den Entschluss der Gemeinderäte, die sie „mutig“, nannte. „Wir hätten gutes Geld etwas Schlechtem hinterhergeworfen.“

Als Kritiker der Entscheidung seiner Kollegen offenbarte sich erneut Dr. Christoph Elschenbroich (parteifrei). Er hatte als Einziger im Kommunalparlament gegen den Abriss und Neubau gestimmt. Er wünscht sich eine Bürgerbefragung oder ein Ratsbegehren. „Man sieht durch die vielen Leserbriefe in der letzten Zeit, dass die Bürger dieses Thema beschäftigt.“ Eine Antwort auf diese Idee blieb Meierhofer schuldig.

Leifheit-Stiftung

Kritik wurde an dem Zehn-Millionen-Euro-Zuschuss für die Geriatronik geübt, der aus dem 56-Millionen-Euro-Vermögen der Leifheit-Stiftung stammt. Die Forschungseinrichtung der TU München, die zu Assistenzrobotern für Senioren forscht, hat vor eineinhalb Monaten ihre Arbeit in einem Gebäude an der Bahnhofstraße aufgenommen. Ein Bürger hatte in seiner schriftlichen Anfrage behauptet, in Asien gebe es das bereits. Gutachter, die der Markt mit einer Expertise beauftragt hatte, kamen zu einem anderen Ergebnis. „Wir sind von diesem Zukunftsthema überzeugt“, sagte Meierhofer. „Garmisch-Partenkirchen wird davon profitieren.“

Die Bürgermeisterin erklärte, dass man vom Leifheit-Geld das Alte Finanzamt erworben habe. Auf dem Grundstück des Alten Zollhauses, das dahinter liegt und das die Gemeinde an die LongLeif GaPa gGmbH übergeben hat, sollen kleine Wohnungen für bedürftige Senioren entstehen. „Der Ideenwettbewerb läuft“, erklärte Meierhofer.

Laubbläser, Verkehrund Hundekot

Um die Verkehrssicherheit in der Burgstraße sorgt sich eine Bürgerin. Es werde zu schnell gefahren. Vize-Bürgermeister Wolfgang Bauer sagte zu, dass am Ortseingang ein Geschwindigkeitsmessgerät aufgestellt werde. Das könne allerdings noch dauern, da eine lange Lieferzeit bestehe. Eine stationäre Radarmessanlage am Weidlegraben zu platzieren, sei nicht möglich.

Die Phonstärke von Laubbläsern, die vom Bauhof und von Privatleuten verwendet werden, stellt für viele Besucher ein Ärgernis dar. Bauer machte klar, dass der Bauhof gerade auf leisere Akkugeräte umstelle. Privatleuten könne der Gebrauch nicht verboten werden. „Sie müssen sich allerdings an die vorgegebenen Zeiten halten.“

Die mit Hundekot verdreckten Straßen und Wege wurden ebenfalls moniert. Laut Bauer hat die Gemeinde 250 Beutelspender und Abfallbehälter installiert. Wenn Halter die Hinterlassenschaften ihre Vierbeiner nicht entfernen, sei die Gemeinde machtlos. „Wir können nicht den ganzen Ort überwachen.“

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