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Musikerlebnis vor spektakulärer Kulisse: Auch Pianist Piotr Anderszewski ist Teil der Gesamtkomposition auf der Zugspitze.

Adlerflug, Vier-Gänge-Menü und Klavierkonzert

Strauss-Festival bietet ein Gesamtkunstwerk auf der Zugspitze

Was für ein Wochenende. Was für ein Auftakt. Das Gesamtkunstwerk auf der Zugspitze ist für 150 Besucher nicht nur der geografische Höhepunkt des Richard-Strauss-Festivals.

Garmisch-Partenkirchen – Bisher ist das Glück dem risikofreudigen Künstlerischen Leiter Alexander Liebreich hold. Denn auch das Wetter spielt bei seiner Inszenierung der Natur und der Bergwelt perfekt mit. Als die gläserne Gondel am frühen Sonntagabend auf dem Berg landet, lichtet sich der Nebel und gibt den Blick auf Schnee, Eis und die gewaltige Felslandschaft frei. Wie bestellt.

Auf der höchstgelegenen Terrasse der Republik werden beim Sektempfang gleich die Kameras gezückt. Dann stellt die international renommierte Fotografin Nomi Baumgartl den Teilnehmern ihr Projekt „Eagle Wings“ vor, welches das Festival unterstützt. Der Seeadler Fletcher, eigens vom Genfer See für die Präsentation hertransportiert, entfaltet vor den Augen der staunenden Zuschauer seine gewaltigen Schwingen. Spannweite 2,30 Meter. Gebannt verfolgen die Gäste, die sich zum Spalier aufstellen, wie der Vogel zwischen ihnen nah über dem Boden ein paarmal von Betreuer zu Betreuer fliegt. Symbol für dieses internationale Alpenschutz-Projekt.

Bei Einbruch der Dämmerung beginnt das Konzert auf knapp 3000 Metern Höhe

Aus dem Blick des Adlers betrachten die Besucher beim Vier-Gänge-Menü im rundum verglasten Gipfelrestaurant das Schauspiel der Natur. Über den Wolken, die sich wie eine Komposition aus Wattebäuschen in Szene setzen. Den Untergang der Sonne, der den Himmel immer feuriger färbt. Das Aufglimmen der Bergfeuer in der Johanninacht. Die Kulisse der Gipfel, die immer weiter wird. Diese Unternehmung ist eine logistische Meisterleistung. Vom Transport des Steinway-Flügels auf den Berg bis zum exquisiten Dinner. In entspannter Atmosphäre unterhalten sich die Besucher, während die Kellner Gang um Gang auftragen: Vitello tonnato im Windbeutel, Gemüsesülzchen, Appenzeller Käsesuppe mit Berberitzen, Rinderfilet mit Ochsenschwanzragout, wildem Spargel und Curry-Donut, das Vier-Länder-Dessert mit Tobleroneparfait, Mandarinenmousse und Küchlein aus Valrhonaschokolade.

Bei Einbruch der Dämmerung beginnt das Konzert. Auch das ist kunstvoll komponiert und inszeniert. Unmittelbar vor dem dramatisch beleuchteten Zugspitzgipfel fängt Pianist Piotr Anderszewki zu spielen an. Bach und Beethoven. Als Zuhörer fühlt man sich dem Himmel ganz nah, hat das Gefühl, die Töne verselbständigen sich, genießt während des Hörens die Stille. Die Nacht senkt sich herab, man spürt dem Nachhall der Klänge nach. Und hat nur Angst, dass die geringste Unruhe im Publikum diesen Zauber zerstört.

Der neue Drive tut dem Festival gut, finden die Besucher

Einen besseren Eindruck könnten die Journalisten, die über das Festival berichten wollen, nicht haben. Michel Beek plant für das BBC-Musikmagazin, bestverkaufte Klassikmusikzeitschrift im englischsprachigen Raum, ein Reisefeature. Er wird über 100 000 Leser darüber informieren, was sie in der Region an Kultur erwartet. Sein Kollege Joost Galema vom niederländischen Magazin Elsevier (vergleichbar mit Spiegel und Stern) nimmt das Festival für seinen Bericht zum 70. Todestag von Richard Strauss im November mit. Er freut sich besonders auf den Pianisten: „Ich hab ihn vor drei Jahren in Amsterdam gehört. Er geht ganz tief.“ Garmisch-Partenkirchen ist ihm seit Kindertagen ein Begriff: „Erst haben wir uns immer das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker angehört und dann zum Skispringen umgeschaltet.“

Nicht dienstlich, sondern privat genießt Anastasia Killisperger aus Böbing das Ereignis. Ihre Freundin Ursula Schinnerling hat ihr den Abend zum Geburtstag geschenkt: „Wir haben zwar einen Jahrespass für die Zugspitze, aber das hier ist schon was ganz Besonderes.“ Das finden auch Alexandra und Daniela Garaventa aus der Schweiz. Ihr Vater Willy Garaventa hat das Unternehmen gegründet, das die neue Seilbahn Zugspitze konstruierte. Das „tolle Programm“ war für sie Anlass, sich das Werk anzuschauen: „Auch weil wir den Pianisten sehr mögen.“

Doris Simons und Gertraude Rampe aus München sind nach dem Erlebten begeistert. Sie loben das Preis-Leistungsverhältnis und die Idee, die Natur in das Festival einzubinden. „Ein Konzert hier oben ist verrückt genug“, sagen Michael und Stefan Jenisch aus München: „Alles zusammen, von Nomi Baumgartl und dem Adler bis hin zum Dinner mit dem wunderbaren Blick, war wahnsinnig beeindruckend. Der neue Drive tut dem Festival unheimlich gut.“

Eva Stöckerl

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