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Strauss-Tage mit Hindernissen: G7-Gipfel zwingt Organisatoren, komplett neues Programm aufzustellen

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Von: Tanja Brinkmann

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Zwei sonnenbeschienene Berggipfel.
„Die Beiden“: Der Blick, der sich vom Stuiben aus auf die Alpspitze und den Hochblassen bietet, soll die Vater-Sohn-Beziehung symbolisieren. © Richard-Strauss-Institut

Alles war in trockenen Tüchern. Künstler gebucht, Säle geblockt. Dann kam G7. Ein Dilemma für die Macher der Richard-Strauss-Tage, die ebenfalls Ende Juni terminiert waren. Es ist sicher ein Glücksfall, dass sie ein neues Zeitfenster Ende Juli gefunden haben und unter diesen Umständen noch ein ansprechendes Programm präsentieren können.

Garmisch-Partenkirchen – Die Wiener Klassik hat Franz Strauss geprägt. Der Solist der Königlich Bayerischen Hofkapelle in München, der als einer der angesehensten Waldhornvirtuosen seiner Zeit gilt, liebte die Musik von Wolfgang Amadeus Mozarts und bewunderte ganz besonders das Werk von Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven. Die Arbeiten Richard Wagners lehnte er ab, trotzdem unterstützte er ihn bei der Komposition des so genannten Siegfriedrufs und bei der Entwicklung neuer Instrumente. Unter diesem Einfluss ist Richard Strauss, der Schöpfer weltberühmter Opern und Tondichtungen, aufgewachsen. Nachdem sein Vater heuer seinen 200. Geburtstag feiern würde, war es für die Macher der Richard-Strauss-Tage in Garmisch-Partenkirchen schnell klar, dass sie sich damit auseinandersetzen.

Ein Schwarz-Weiß-Bild von zwei Männern.
Zwei Künstler-Persönlichkeiten: Richard und sein Vater Franz Strauss, der heuer 200. Geburtstag feiern würde. © Richard-Strauss-Institut

Die Pläne, die sie dafür geschmiedet hatten, mussten Dr. Dominik Sedivy und seine Mitstreiter allerdings wieder über den Haufen werfen. „Und zwar komplett“, betont der Leiter des Strauss-Instituts sowie wissenschaftlicher und künstlerischer Leiter der GaPa Kultur gGbmH. Der G7-Gipfel, der von 26. bis 28. Juni in Schloss Elmau stattfindet, entpuppte sich als Störfeuer. Zwar konnten sie das Horror-Szenario einer Absage abwenden, die Umplanung gestaltete sich allerdings alles andere als einfach. „Wegen der Verfügbarkeit von Künstlern und Räumlichkeiten gab es nur zwei Zeitfenster – Ende Juli oder September.“ Letztlich entschieden sich die Verantwortlichen für Ersteres und machten sich vor allem auf die Suche nach einem neuen Orchester fürs Sinfoniekonzert. Das Bruckner Orchester Linz, das im ursprünglichen Programm die Alpensinfonie spielen sollte, konnte nicht mehr. Dafür erklärte sich das Staatsorchester Stuttgart bereit, einen Termin zu verschieben und nach Garmisch-Partenkirchen zu kommen. „Ein Glücksfall“, findet Sedivy. Das gilt auch für Günther Groissböck, der ebenfalls eine Möglichkeit fand, bei den Strauss-Tagen aufzutreten. Die Folge: Am Samstag ballt sich das Programm angesichts dieser Vorgeschichte etwas (siehe Kasten). Zweimal Groissböck – Künstlergespräch und Liederabend – sowie das Sinfoniekonzert erwarten die Besucher. „Da erleben sie die Highlights“, sagt der künstlerische Leiter.

Richard-Strauss-Tage mit abwechslungsreichem Programm

Dass es trotz aller Widrigkeiten durch Corona und den G7-Gipfel gelungen ist, „die Richard-Strauss-Tage auf die Beine zu stellen, noch dazu mit einem so abwechslungsreichen Programm“, freut Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU). Vor allem dem Sinfoniekonzert mit dem Staatsorchester Stuttgart blickt sie gespannt entgegen. „Es ist unter anderem der Verdienst von Dr. Sedivy und dem gesamten Team der GaPa Kultur gGmbH, dass diese Tage voller Musik im Andenken an unseren großartigen Künstler Richard Strauss überhaupt stattfinden können.“ Für die Veranstaltungsreihe, die erst in diesem Jahr neu konzeptioniert worden war – zur Erinnerung: dazu hatte ein sechsstelliges Defizit geführt, mit dem sich der Markt nach 2019 konfrontiert sah –, wäre alles andere eine Katastrophe gewesen. Davon ist Koch überzeugt. Die Bürgermeisterin sah darin eine Gefahr, „das gewonnene Vertrauen und das erreichte sehr gute wirtschaftliche Ergebnis unwiderruflich zu verlieren“.

Kein Wunder also, dass die Erleichterung auf allen Seiten groß ist, dass es Sedivy und seinem Team gelungen ist, ein Programm für Juli auf die Beine zu stellen. Der Vorverkauf beginnt dem künstlerischen Leiter zufolge Ende Mai, dann werden auch die ersten Plakate aufgehängt.

Das Programm der Richard-Strauss-Tage

Mittwoch, 27. Juli:
9 Uhr: Musikwanderung I „Inmitten einer Zauberwelt“ – mittelschwere Tour mit Bergführer Alois Lösl, der sein Flügelhorn mitbringt, über den Kramerplateauweg.
10 Uhr: Meisterkurs I mit Tenor Francisco Araiza im Konzertsaal Richard Strauss (Kongresshaus).
20 Uhr: „Strauss im Park“ – Eröffnungskonzert der Musikkapelle Partenkirchen im Kurpark an der Schnitzschulstraße bei freiem Eintritt.

Donnerstag, 28. Juli:
10 Uhr: Musikwanderung II „Leichtigkeit des Seins“ – leichte Tour mit Bergführer Lösl zur Windbeutelalm.
10 Uhr: Meisterkurs II mit Kammersänger Araiza im Strauss-Saal.
10.30 Uhr: Tanzprojekt zur Alpensinfonie mit Mädchen und Buben der Bürgermeister-Schütte-Schule unter Leitung der Tanzkünstlerinnen Ellen Steinmüller, Daniela Mühlbauer, Lara Paschke und Caterina Laschke im Festsaal Werdenfels (Kongresshaus); weiterer Termin um 18 Uhr.
15 Uhr: Lesung I „Mein lieber, gütiger Papa!“ aus dem Briefwechsel von Franz und Richard Strauss sowie Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart mit Andreas M. Bräu und Christian Jungwirth sowie Venelin Filipov am Klavier im Strauss-Saal.

Freitag, 29. Juli:
7 Uhr: Musikwanderung III „Morgenruf der Berge“ – anspruchsvolle Tour mit Bergführer Lösl zur Partnachalm.
15 Uhr: Abschlusskonzert des Meisterkurses – die Teilnehmer präsentieren im Strauss-Saal, was sie mit Araiza einstudiert haben.
19 Uhr: Kammermusikabend mit dem Diogenes Quartett im Strauss-Saal (Einführung um 18.15 Uhr); es erklingen Werke von Franz Lachner, Engelbert Humperdinck und Strauss.

Samstag, 30. Juli:
7 Uhr: Musikwanderung IV „Morgenruf der Berge“ zur Partnachalm.
14 Uhr: Künstlergespräch mit Günther Groissböck (Bass) im Strauss-Saal.
17 Uhr: Liederabend mit Groissböck (Bass) und Gerold Huber (Klavier) im Strauss-Saal; zu hören sind Robert Schumann, Johannes Brahms, Hugo Wolf, Anton Bruckner, Hans Rott, Gustav Mahler und Strauss.
19.30 Uhr: Sinfoniekonzert mit dem Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von Cornelius Meister mit Simone Schneider (Sopran) im Festsaal Werdenfels (Einführung um 18.45 Uhr); auf dem Programm stehen die Orchesterlieder op. 27, die Uraufführung der Concertouvertüre E-Dur sowie „Tod und Verklärung“ op. 24 von Strauss und Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie A-Dur op. 92 in der Einrichtung von Strauss.

Sonntag, 31. Juli:
11 Uhr: „Juwele großer Kammermusik“ – Matinee im Michael-Ende-Kurpark; das Salzburg Ensemble spielt Werke von Franz und Richard Strauss sowie Franz Lachner.
15 Uhr: Lesung II „Strauss auf Bayerisch“ – ein Streifzug durch die Sinfonik von Strauss mit Andreas M. Bräu und Conny Glogger sowie Venelin Filipov (Klavier) im Strauss-Saal.
18 Uhr: „Eine letzte leise Runde…“ – Ausklang im Hotel Zugspitze, wo Filipov Klavierwerke von Strauss spielt.

Weitere Infos unter www.richard-strauss-festival.de

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