Zwei Männer musizieren in einem Wald vor einer felsigen Klamm.
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Musik in der wilden Natur: Die Wanderungen, hier Mikael Rudolfsson (Posaune, r.) und Matthew Sadler (Trompete) 2018 in der Partnachklamm, sind von Anfang an hervorragend angekommen.

Kartenvorverkauf sehr gut angelaufen

„Eine spannende Kombination“: Richard-Strauss-Tage werden zur Entdeckungsreise

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Drei Strauss-Uraufführungen, eine Erstfassung und die neue Interpretation von Beethovens 4. Sinfonie – es sind wahre Schätze die bei den Richard-Strauss-Tagee erklingen. Daneben setzt das Programm auf die Natur.

  • Vorverkauf für die Richard-Strauss-Tage ist sehr gut angelaufen. Wegen Corona stehen weniger Karten zur Verfügung.
  • Camerata Salzburg studiert Stücke eigens für Garmisch-Partenkirchen ein.
  • Uraufführungen von Liedern und Orchesterwerk stehen auf dem Programm.

Garmisch-Partenkirchen – An Bewährtem hält Dr. Dominik Sedivy fest. Dr. Dominik Sedivy. Deshalb gibt es bei den Richard-Strauss-Tagen auch ein Künstlergespräch, das es seit den Anfängen der Reihe gibt. In diesem Jahr steht Julian Prégardien Rede und Antwort. Dabei plaudert der Tenor sicher auch über den Liederabend, bei dem er Werke von Strauss, Ludwig van Beethoven und Yrjö Kilpinen, einem finnischen Zeitgenossen des Wahl-Garmischers, singt. „Eine spannende Kombination“, findet der Leiter des Strauss-Instituts, der nach dem Abschied von Alexander Liebreich im Juli 2020 die Verantwortung für das Programm übernahm. Drei Wochen Zeit blieben ihm, um nach der Kündigung des Künstlerischen Leiters ein neues Konzept zu entwickeln. Und damit den Gemeinderat zu überzeugen. Das ist geglückt, deshalb finden vom 24. bis 27. Juni Strauss-Tage statt. Kleiner und bescheidener als das Festival zuvor, vom Programm aber nicht minder ansprechend.

„Raus ins Land“ lautete Sedivy zufolge der Auftrag. Damit greift er den Ansatz auf, den auch Liebreich verfolgt hatte. Der öffnete das Festival nach außen, bezog eindrucksvolle Natur mit ein – und etablierte die Musikwanderungen. An denen hält der Institutsleiter ebenfalls fest. Der Trompeten spielende Bergführer Alois Lösl nimmt seine Gäste zu zwei Touren mit – zur Burgruine Werdenfels und in die Partnachklamm. Bei diesen Veranstaltungen mit jeweils 30 Personen erwartet Sedivy keine Probleme mit möglichen Corona-Regeln. Für die Konzerte im Richard-Strauss- und im Festsaal Werdenfels könnte es komplizierter werden. 200 Karten stehen aktuell für die verschiedenen Termine zur Verfügung. „Wir sind sehr vorsichtig.“ Die Bestuhlung vergleicht Sedivy in Pandemie-Zeiten mit einem Puzzle-Spiel. Besucht beispielsweise ein Paar ein Konzert, können dessen Stühle nebeneinanderstehen. Ansonsten gilt es, die Abstandsregeln einzuhalten. Folglich wird beim Kartenverkauf, der sehr gut angelaufen ist, alles abgefragt, um effizient agieren zu können.

Sinfoniekonzert wird in den Michael-Ende-Kurpark übertragen

Ein Sinfoniekonzert mit der Camerata Salzburg am Samstag, 26. Juni, wird vor diesem Hintergrund in den Michael-Ende-Kurpark projiziert, so dass Besucher der Weißen Nacht – passend zum Motto weiß gekleidet – es kostenlos miterleben. Auch das ein Schritt nach draußen, um Strauss und seine Musik vielen zu erschließen.

Das Ensemble aus Salzburg studiert eigens für Garmisch Ludwig van Beethovens 4. Sinfonie neu ein. „Sie kennen das Werk natürlich sehr gut“, sagt Sedivy. Nachdem bei den Strauss-Tagen aber eine Fassung erklingt, die der Komponist eingerichtet hat, müssen sie diese erst proben. Strauss war als 21-Jähriger von Hans von Bülow entdeckt worden, der ihm daraufhin in Meiningen eine erste Dirigentenstelle besorgte. „Von ihm konnte er das Handwerk lernen und die Proben sämtlicher Beethoven-Sinfonien miterleben“, erzählt der Institutsleiter. Strauss habe die Partituren genommen und detailliert mitgeschrieben, wie von Bülow das Zusammenspiel, die Phrasierungen und die Tempi sah. „Das hat er sich angeeignet, über die Jahre konkretisiert und sogar noch einmal abgeschrieben.“ In roter Tinte habe er so ein beeindruckendes Dokument für die Nachwelt hinterlassen.

Petra Lang singt zwei Lied-Uraufführungen

Es sind Entdeckungen, an denen Sedivy sein Publikum teilhaben lässt. Die Uraufführung von zwei Liedern zählt auch dazu. Die Mezzosopranistin Petra Lang präsentiert diese, begleitet von Adrian Baianu am Klavier. Eine weitere Uraufführung darf die Camerata vorstellen. „Ein Jugendwerk“, erklärt Sedivy. Strauss widmete die Concertouvertüre h-Moll „dem lieben Papa zum Namensfeste“.

Zwar bereits einmal aufgeführt, aber noch nicht in Garmisch-Partenkirchen ist die Erstfassung seiner Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur, die Raphaela Gromes begleitet von Julian Riem am ersten Abend der Strauss-Tage spielt. „Eine Besonderheit“, meint Sedivy. Diese unterscheide sich massiv von der bekannten zweiten Version. Der Komponist schrieb ganze Passagen um und schuf „ein fast vollständig neues Werk“. Für Sedivy ist es ein Vergnügen, das Publikum mit solchen Schätzen zu überraschen. „Eine tolle Sache.“ Darauf baut er und auf die Kombination mit der Natur, die auch Strauss inspirierte.

Das Programm der Richard-Strauss-Tage

Mittwoch, 23. Juni:
20 Uhr: „Strauss im Park“ heißt’s zum Auftakt der Reihe im Kurpark an der Schnitzschulstraße. Die Musikkapelle Partenkirchen studiert dafür ein eigenes Programm ein.
Donnerstag, 24. Juni:
14 Uhr: Musikwanderung I zur Burgruine Werdenfels mit Bergführer Alois Lösl, der seine Trompete mitbringt; Treffpunkt an der Strauss-Villa.
18.15 Uhr: Einführung in den Kammermusikabend im Konzertsaal Richard Strauss (Kongresshaus).
19 Uhr: Kammermusikabend mit Raphaela Gromes (Violoncello) und Julian Riem (Klavier) im Strauss-Saal; auf dem Programm stehen Strauss’ Erstfassung der Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur op. 6 und seine Romanze für Violoncello mit Klavierbegleitung F-Dur sowie „Une Larme – thème et variations“ von Gioachino Rossini.
Freitag, 25. Juni:
14 Uhr: Musikwanderung II in die Partnachklamm mit Bergführer Alois Lösl und seiner Trompete; Treffpunkt am Olympiahaus (Skistadion).
18.15 Uhr: Einführung in den Liederabend im Strauss-Saal.
19 Uhr: Liederabend I mit Petra Lang (Mezzosopran) und Adrian Baianu (Klavier im Strauss-Saal; auf dem Programm stehen Werke von Ludwig van Beethoven, Gustav Mahler, Joseph Marx und Strauss, von dem zwei Uraufführungen erklingen.
Samstag, 26. Juni:
15 Uhr: Präsentation des Waldhorns von Franz Strauss im Strauss-Saal; Hornist Johannes Hinterholzer führt das historische Originalinstrument vor, auf dem der Vater des Komponisten spielte.
17.15 Uhr: Einführung in die Sinfoniekonzerte im Festsaal Werdenfels (Kongresshaus)
18 und 19.30 Uhr: Sinfoniekonzert I und II mit der Camerata Salzburg und Johannes Hinterholzer (Horn) im Festsaal Werdenfels; auf dem Programm stehen die Uraufführung der Concertouvertüre h-Moll und das Konzert für Waldhorn mit Orchesterbegleitung Es-Dur von Strauss sowie sie Sinfonie Nr. 4 B-Dur von Beethoven – in der Einrichtung von Strauss.
Sonntag, 27. Juni:
11 Uhr: Matineekonzert mit Solisten im Michael-Ende-Kurpark; auf dem Programm stehen die Serenade für 13 Blasinstrumente Es-Dur von Strauss und die Serenade Nr. 10 B-Dur „Gran Partita“ von Wolfgang Amadeus Mozart.
15 Uhr: Künstlergespräch mit dem Tenor Julian Prégardien im Strauss-Saal.
18 Uhr: Liederabend II im Strauss-Saal mit Prégardien, der Werke von Beethoven, Strauss und Yriö Kilpinen singt.
21 Uhr: Kaminabend mit Klavierwerken von Strauss (hängt vom Pandemiegeschehen ab).

Karten für alle Veranstaltungen
gibt‘s für 10 bis 34 Euro gibt’s bei GAP-Ticket (Tel. 08821/7301995).

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