Roland Wolf betreibt die beiden Kinos.
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Roland Wolf betreibt die beiden Kinos.

Startschuss für Lamm und Hochland soll am 1. Juli fallen

Kinoeröffnung in Garmisch-Partenkirchen: Streaming wird den Filmtheatern gefährlich

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Garmisch-Partenkirchner Kinos Lamm und Hochland eröffnen frühestens am 1. Juli. Doch wird die Suche nach attraktiven Filmen schwieriger als sonst. Denn Streamingdienste kaufen zunehmend Exklusivrechte an Blockbustern.

Garmisch-Partenkirchen – Es war quasi immer ein ungeschriebenes Gesetz: Zuerst kommt der große Film-Blockbuster ins Kino, Monate später dann in die DVD- und Blueray-Regale, und noch einmal später erst ins Fernsehen. Doch mischen das Coronavirus und seine Folgen die Karten neu – was nun auch die Kinobetreiber im Landkreis vor schwierige Herausforderungen stellt.

„Der Film ist weg.“ Roland Wolfs Worte klingen nüchtern. Doch die Enttäuschung kann er nicht ganz verbergen. Der Betreiber des Kinocenters im Lamm und des Hochland-Kinos, zwei Institutionen und die letzten verbliebenen Lichtspielhäuser in Garmisch-Partenkirchen, bedauert zutiefst, dass Erfolgsgaranten wie „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ nun auf Amazon Prime Video zu sehen sind, statt auf seinen großen Leinwänden. Die letzte Komödie von Joseph Vilsmaier mit Michael Bully Herbig und Hape Kerkeling startete auf der Internet-Streaming-Plattform bereits am 15. Mai 2021 – also kurz bevor die bayerischen Kinos in den Landkreisen mit niedrigen Inzidenzwerten wieder öffnen durften. Mit diesem Schachzug booteten die Internetgiganten einmal mehr die Kinobranche aus. Und damit Menschen wie Wolf, welche die Einnahmen für so einen vielversprechenden Hit gerade jetzt mehr als gut gebrauchen könnten.

Seit genau 212 Tagen sind Wolfs Einrichtungen mittlerweile geschlossen. Jetzt ist endlich ein Ende in Sicht. Doch bremst sich Wolf in seiner Euphorie selbst etwas ein. Er dürfte zwar nach den aktuellen Vorgaben der Infektionsschutzverordnungen mittlerweile öffnen, so wie beispielsweise das Kino in Murnau. Doch müssen sich Freunde des roten Teppichs und der Stars und Sternchen auf den Leinwänden in Garmisch-Partenkirchen noch in Geduld üben – vor dem 1. Juli wird Wolf nicht aufmachen. Dann planen die Verbände der Kinowirtschaft den bundesweiten Startschuss, „um einen Flickenteppich wie nach dem ersten Lockdown 2020 zu vermeiden“, sagt Katha Sohnius, Marketingleiterin der Kinobetriebe Wolf.

Doch ist für den Unternehmer selbst dieser Termin nur ein vager. Er beobachtet weiterhin die Inzidenzen und verfolgt die Entscheidungen der Politik. „Jetzt schon mit den Kinos aufzumachen, wäre ein wirtschaftlicher Kollaps für uns“, sagt Wolf, der auch Kinos in Weilheim, Bad Tölz, Hausham und Gummersbach betreibt. Nur wenn er seine Säle über 50 Prozent belegen kann, rentiert sich eine Öffnung. Zudem kann er sich unter den aktuellen Vorschriften beim besten Willen nicht vorstellen, dass den Gästen ein Besuch sehr gefallen würde.

Wann Wolf also endgültig aufmachen wird, entscheidet er in der Kalenderwoche 24 – also zwischen dem 14. und 20. Juni. „Wir brauchen Vorlauf, um unsere Eröffnung zu planen und vor allem, um sicher wieder an den Start gehen zu können“, sagt Sohnius. Mindestens zwei Wochen Anlaufzeit benötigen die Mitarbeiter. Es müssen Dienstpläne erstellt, Angestellte eingewiesen, Speisen und Getränke gekauft werden. All das unter dem Damoklesschwert: Wenn die Inzidenz drei Tage infolge über 100 liegt, ist wieder dicht.

Doch hat Wolf noch mit weiteren Problemen zu kämpfen. Die Verleiher sind ebenfalls durch die aktuelle Situation gebeutelt. Sie brauchen einen Vorlauf von mindestens vier Wochen. Das bedeutet, es gibt gerade keine neuen Filme. „Stand jetzt, kann noch überhaupt nicht gesagt werden, mit welchem Programm wir starten werden.“

Hinzu kommt, dass die Streaming-Konkurrenz den Filmtheatern in der Krise gefährlicher wird. Netflix, Apple, Amazon und Co. kaufen gezielt Hitgaranten auf, wie im jüngsten Beispiel des Boandl-kramers. Ein erbitterter Wettstreit um exklusive Ausstrahlungsrechte hat begonnen. Der Filmgigant Warner Bros. geht sogar noch einen Schritt weiter und möchte heuer 17 seiner großen Streifen direkt vor dem Kinostart auf der eigenen Plattform HBO Max veröffentlichen. Beispielsweise Blockbuster wie „Godzilla Vs. Kong“ oder „Matrix 4“. Den Kinos wird dadurch immer mehr Boden entzogen.

Nichtsdestotrotz kämpft der Betreiber der Häuser in Garmisch-Partenkirchen weiter, um für seinen geplanten Start am 1. Juli ein attraktives Programm auf die Beine stellen zu können. „Das zweite Halbjahr hält ein großartiges Angebot an Filmen bereit“, erklärt er. „Und diese kehren dann auch in unseren Kinos endlich wieder dorthin zurück, wo sie hingehören: Auf die große Leinwand.“

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