+
In die Mitte genommen: (v.l.) Dr. Sigrid Meierhofer, Daniel Erschens vom Amt für Kinder, Jugend und Familie, die neue Streetworkerin Sigrid Stacklies, Tobias Bihlmaier von Brücke Oberland und JUZ-M itarbeiter Harry Helfrich. 

Wegen Drogenszene am Bahnhof

Endlich eine Streetworkerin: Die Brandlöscherin von Garmisch-Partenkirchen

Garmisch-Partenkirchen hat endlich eine Streetworkerin. Bezahlt wird sie von Gemeinde und Landkreis.

Garmisch-Partenkirchen – Braucht der Markt Garmisch-Partenkirchen einen Mitarbeiter im Bereich mobile Jugendsozialarbeit/Streetwork? „Die Frage muss eindeutig mit Ja beantwortet werden“, sagt Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). „Wir können das nicht nur den Schulen überlassen, das reicht nicht aus.“ Sie erinnerte an das, was im Kurpark passierte: Verschmutzung, Randale, Alkohol und Drogenkonsum wurden dort zum öffentlichen Ärgernis. Inzwischen sorgt ein Sicherheitsdienst dort für Ordnung. Aber der Brennpunkt hat sich nur Richtung Einkaufszentrum GEP verlagert. Und es gibt weitere im Ortsbereich (siehe Kasten).

Jetzt hatte die Bürgermeisterin Sigrid Stacklies, die neue Streetworkerin, im Beisein von JUZ-Mitarbeiter Harry Helfrich, Rathaus-Sprecherin Ute Leitner, Daniel Erschens, stellvertretender Jugendamtsleiter im Landratsamt, und Tobias Bihlmaier von „Brücke Oberland e.V. – Jugend- und Familienhilfen vorgestellt. „Der Verein Brücke Oberland ist der Arbeitgeber von Frau Stacklies“, informierte Meierhofer.

Neue Streetworkerin: „Es hat lange gedauert, bis überhaupt jemand gefunden wurde“

Lange hatte es gedauert, bis überhaupt jemand gefunden wurde, denn es stand nur eine halbe Stelle für einen anspruchsvollen Job zur Verfügung. Die war bereits seit 2012 vakant. Dank Meierhofer, die nicht locker gelassen hatte, einigten sich jetzt Rathaus und Landratsamt, die Position zu je 50 Prozent zu finanzieren, schrieben eine volle Stelle aus und hatten Erfolg. Stacklies, studierte Sozialpädagogin, wohnt seit 2003 im Ort, wird ihr neues Amt mit 30 Stunden ausüben. Zehn Jahre arbeitete sie im Altenheim, wollte sich dann verändern und wandte sich der Jugendarbeit zu. „Drei Jahre habe ich in Weilheim Flüchtlinge betreut. Alle sind inzwischen in einer Ausbildung, haben Wohnraum gefunden,“ erzählt sie stolz. Danach begleitete sie straffällige Jugendliche im Auftrag des Jugendamts ebenso wie minderjährige Flüchtlinge.

Ihre Erfahrungen kommen ihr im neuen Job zugute. Rückenhalt findet sie bei Bihlmaier, der mit seinem Verein aktuell in drei Landkreisen, an fünf Standorten seit 20 Jahren im Einsatz ist. Mit ihm und allen anderen Jugendbeauftragten soll es ein enges Netzwerk geben. Erst seit 15. Mai ist Stacklies als Streetworkerin unterwegs. Es sei ihr aber bereits gelungen, Kontakt mit der Gruppe, die sich regelmäßig unter der Bahnbrücke am GEP trifft, aufzunehmen. Ein Ort, an dem täglich die Polizei auftaucht. „Ich muss behutsam Vertrauen aufbauen“, sagt sie.

„Angebote im Jugendzentrum werden zwar angenommen, aber es werden längst nicht alle erreicht“

Die Angebote im Jugendzentrum am Kankerweg werden zwar angenommen, sagt Helfrich, aber es werden längst nicht alle erreicht. Die, die kommen, verschwinden mit 17 oder 18 Jahren wieder. „Wir müssen versuchen, weitere Cliquen bei uns anzudocken, immer wieder Angebote machen“, erklärt er. So war das Noiseclub Festival am 18. Mai ein voller Erfolg. „Da waren auch einige von der Bahnbrücken-Gruppe dabei“, hat Stacklies erfahren.

Weitere derartige Projekte sind demnächst in Burgrain an der Loisach geplant. Trotzdem brauchen die Jugendlichen Plätze, an denen sie sich treffen können, meint Stacklies, die kein leichtes Amt antritt. An Motivation fehlt es ihr nicht. Die Unterstützung seitens der Behörden und Organisationen wurde ihr beim Pressegespräch versichert. „Unsere Verantwortung ist es schließlich, alle Jugendlichen mitzunehmen“, erklärte die Bürgermeisterin.

VON MARGOT SCHÄFER

Markus Baur i st Jugendreferent der Gemeinde Garmisch-Partenkirchen.

Drogenszene am Bahnhof

Große Hoffnungen setzt Markus Baur in die neue Streetworkerin. Das machte der Jugendreferent im Rahmen seines Berichts im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat deutlich. Es gibt Baur zufolge im Ort mehrere Stellen, an denen es brennt, an denen Jugendliche und Kinder Gefahren ausgesetzt sind. An einem lodert’s besonders heiß. Der CSU-Kommunalpolitiker rückte vor allem den Bahnhof in den Mittelpunkt und die dortige Rauschgiftszene. Baur, der am Werdenfels-Gymnasium unterrichtet, weiß, wovon er spricht. „Schüler der sechsten Klasse, das sind Elf- bis Zwölfjährige, haben mir erzählt, dass sie angesprochen und ihnen dort Drogen angeboten werden.“ Er beschreibe den Ist-Zustand, sagte Baur. Er regt eine verstärkte Polizeipräsenz rund um den Bahnhof an und ein Sicherheitsgespräch mit allen relevanten Behörden. „Wir müssen ein Konzept erarbeiten, mit dem wir die Drogenproblematik am Bahnhof bekämpfen.“

Das Thema Rauschgift müsse in den Schulen früher zum Thema gemacht werden. Auch dafür macht sich der Gymnasiallehrer stark. Derzeit passiert das erst in der neunten Jahrgangsstufe. „Viel zu spät“, meint Baur nach den Vorfällen, von denen ihm seine Schüler berichtet haben.

Auch die Gewalt, die Kinder ausgesetzt sind, sprach Baur an. Am häufigsten werde die in der Schule erlebt. Es folgten mit großem Abstand Familie, Schulweg und Internet.

prei

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zum Schutz der Kinder: Nach langer Suche gibt‘s in Bad Kohlgrub nun Schulweghelfer
Das war eine schwere Geburt: Jahrelang wurde vergeblich nach Freiwilligen gesucht, die sich als Schulweghelfer engagieren. Durch den Einsatz von zwei Frauen gibt es nun …
Zum Schutz der Kinder: Nach langer Suche gibt‘s in Bad Kohlgrub nun Schulweghelfer
Seidl-Ausstellung im Schloßmuseum: Murnaus Jahrhundertarchitekt
Murnau lässt heuer mit einer Vielzahl an Veranstaltungen und Aktionen Emanuel von Seidl hochleben. Der Höhepunkt ist eine Sonderausstellung im Schloßmuseum, die im …
Seidl-Ausstellung im Schloßmuseum: Murnaus Jahrhundertarchitekt
Mysteriöse Todesfälle im Elsass: Autorin Rusch liest im Oberauer Kulturpark
Der dritte Elsass-Krimi von Veronika Rusch ist nun erhältlich. Wer die Autorin live erleben möchte, wie sie daraus liest, ist bei der Benefizveranstaltung in Oberau …
Mysteriöse Todesfälle im Elsass: Autorin Rusch liest im Oberauer Kulturpark
Feuer und Flamme für die Feuerwehr: Kreisbrandrat bewirbt sich um höchsten Posten in Bayern
Das wäre ein Karrieresprung: Kreisbrandrat Johann Eitzenberger bewirbt sich für das Amt des Vorsitzenden des Landesfeuerwehrverbands Bayern. Seine Wahl auf den …
Feuer und Flamme für die Feuerwehr: Kreisbrandrat bewirbt sich um höchsten Posten in Bayern

Kommentare