Ein Mann und eine Frau schauen auf ein Bergmassiv.
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Den beeindruckenden Fernblick von der Wallgauer Maxhütte genießen Wanderer gerne.

Suche nach Perspektiven für den Tourismus

„Jeden Tag, den die Pandemie andauert, wird‘s schwieriger“: Vermieter hängen in der Luft

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Die Stimmung ist schlecht. Gerade die Tourismusbranche leidet massiv unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie. Zahlen und Fakten dazu lieferte eine Umfrage der Zugspitz Region. Die sollen nun dazu dienen, um den Druck auf die Entscheidungsträger zu erhöhen.

  • 663 Gastgeber haben sich an der Umfrage der Zugspitz Region beteiligt.
  • Vermieter schätzen ihre Situation befriedigend bis ausreichend ein.
  • Einige Vermieter von Ferienwohnungen haben schon aufgegeben und vergeben ihre Objekte jetzt dauerhaft.

Garmisch-Partenkirches – Druck lautet das eine Zauberwort. Perspektive das andere. Um Letztere zu schaffen, muss Ersterer aufgebaut werden. Und das massiv. Denn nach wie vor fehlt dem Tourismus ein Fahrplan, wie es weitergehen kann. Eine Öffnung der Beherbergungsbetriebe ist noch immer nicht in Sicht. Ähnlich geht’s anderen Betrieben der Freizeitwirtschaft. Um ein repräsentatives Stimmungsbild zu erhalten, hat die Zugspitz Region eine Umfrage gestartet (wir berichteten). Das Ergebnis präsentierte jetzt Tourismusmanager Philipp Holz. Daten und Fakten, die Anton Speer (Freie Wähler) gestern gerne in das Gespräch der bayerischen Landräte mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) mitgenommen hat. „Unsere Gastgeber brauchen eine Perspektive, deshalb müssen wir immer wieder Druck ausüben.“

Da sind sie wieder, die beiden Zauberwörter, die auch bei der Präsentation der Umfrage-Ergebnisse mehrfach fallen. Mit den Rückmeldungen von 663 Gastgebern – 210 aus der Alpenwelt Karwendel, 203 aus Garmisch-Partenkirchen, 122 aus den Ammergauer Alpen, 58 aus dem Blauen Land, 56 aus Grainau und 14 aus dem Zugspitzland – zeigt sich Holz zufrieden. Vor allem Vermieter von Ferienwohnungen (472) haben den Fragebogen ausgefüllt. „Der Großteil hat weniger als zehn Betten und keine Mitarbeiter“, erklärt der Tourismusmanager. Genau diese fallen bislang durchs Raster. Wer kein Gewerbe angemeldet hat, kann auch keine Unterstützung beantragen. Kein Wunder also, dass die entsprechenden Fragen nur von knapp einem Drittel der Teilnehmer beantwortet wurde.

20 Prozent der Leistungsträger denken ans Aufgeben

Ein Punkt, auf den von allen eine Reaktion erfolgt ist, war die mögliche Betriebsaufgabe. Zu Holz’ Erleichterung spielen nur 43 mit diesem Gedanken, 135 sind unentschlossen. „Befriedigend bis ausreichend schätzen die Gastgeber die Lage insgesamt ein“, sagt der Vertreter der Zugspitz Region. Daher sein Fazit: „Der Tourismus im ländlichen Raum braucht eine Perspektive.“

Dem kann sich Michael Gerber, Geschäftsführer von GaPa Tourismus, nur anschließen: „Jeden Tag, den die Pandemie andauert, wird‘s schwieriger.“ Suche nach Perspektiven für Tourismus Zum einen treibt ihn die Sorge um gute Fachkräfte um. Zum anderen die um Leistungspartner, von denen ihm zufolge schon 20 Prozent ans Aufgeben denken. Eine Leistungsträgerin, die aber an ihrem Betrieb weiter festhält, hat er gleich mitgebracht. Bettina Sprenzel von der gleichnamigen Skischule schildert, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatte. Die Kajaksparte im Sommer etwa, lief vergangenes Jahr so gut wie nicht. „Wir waren auf größere Gruppen ausgerichtet, das haben wir heuer umgestellt.“ Warum jedoch der Sportartikel-Verleih im Winter nicht erlaubt war, erschließt sich ihr noch immer nicht. Was sie wie alle anderen dabei enorm vermisst, ist die Planbarkeit.

Forderung nach einer lang- und mittelfristigen Strategie wird laut

Daher unterstützen sie die Forderung von Florian Hoffrohne, Geschäftsführer der Ammergauer Alpen nach „einer lang- und mittelfristigen Strategie“. Corona bleibe schließlich erhalten, „deshalb funktionieren Entscheidungen allein auf Basis der Inzidenzzahlen nicht“. Ebenfalls eine Frage der Perspektive, die auch seiner Kollegin von der Alpenwelt Karwendel, Sabrina Blandau, abgehen. „Mit jedem Tag verschlechtert sich das Stimmungsbild“, das weiß sie aus eigenen Umfragen. Einige Ferienwohnungsvermieter sind schon auf Dauervermietung umgestiegen. Schlecht für den Landkreis, der in großen Teilen vom Tourismus lebt.

Was ihr und allen anderen sauer aufstößt, sind die vollen Flugzeuge, die jetzt deutsche Urlauber nach Mallorca bringen. „Das kann nicht sein“, empört sich auch Farchants Bürgermeister Christian Hornsteiner (CSU), der zudem Vorsitzender der Ferienregion Zugspitzland ist. Hoteliers und Gastronomen vor Ort hätten sämtliche Hygieneregeln hervorragend umgesetzt, „dürfen aber nicht aufmachen“. Für ihn „stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht mehr“. Deshalb – und da ertönt wieder eines der Zauberworte – müsse der Druck auf die Landes- und Bundespolitik erhöht werden.

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