+
Das Bühnenbild  für die „Kindertragödie“ am Rießersee haben (v.l.) Benjamin Dietrich, Georg Geyer, Thomas Bruner und Markus Masur gestaltet.

So wirkt sich die Insolvenz auf die Beteiligten aus 

Teures Lehrgeld für Kultursommer-Mitwirkende

  • schließen

Noch läuft das Insolvenzverfahren. Noch wird geprüft, welche Ansprüche an die Cultus Production GmbH anerkannt werden. Bitter für die vielen Kultursommer-Mitwirkenden ist, dass sie wohl nur einen Bruchteil ihres Geldes bekommen.

Garmisch-Partenkirchen – 220 000 Euro von der Gemeinde, dazu Sponsorengelder und die Einnahmen aus dem Ticketverkauf – wie hoch das Budget des Kultursommers genau war, man weiß es nicht. Feststeht allerdings, dass sehr viele Mitwirkende nichts aus diesem Topf gesehen haben. Knapp 100 sorgten 2016 dafür, dass die Reihe in Garmisch-Partenkirchen stattfinden konnte. Drei Inszenierungen stellten sie auf die Beine, stemmten Wiederaufnahme gestemmt und vieles mehr. Und das in etlichen Fällen ohne Lohn. Ob die Künstler und Handwerker, die vor und hinter den Kulissen im Einsatz waren, noch viel sehen von ihren Außenständen, ist fraglich.

„Im Schnitt bekommt man im Insolvenzverfahren fünf Prozent raus“, sagt Simona Fix, Fachanwältin für Insolvenzrecht in München. Im Fall von Petra Hebeisen-Unruh (Kostüm) und ihrem Mann Thomas Unruh (Musik), die für etwa sechs Monate Arbeit 15 000 Euro in Rechnung stellten, wären das 750 Euro. Trotzdem gibt die Murnauerin nicht klein bei und pocht weiter auf ihre Ansprüche. Auch deshalb, weil sie herausfinden will, wie es überhaupt zu der Insolvenz der Cultus Production GmbH kommen konnte, mit der Florian Zwipf-Zaharia seit 2003 den Kultursommer veranstaltet hatte. Aus den Berichten, die die Sorg Insolvenzverwaltung ans Amtsgericht Kempten schickt, erhofft sie sich Aufschluss. Sich diese genau anzuschauen, dazu kann auch Fix die Betroffenen nur ermutigen. „Zum einen geht es darum zu sehen, welche Ansprüche geltend gemacht werden“, sagt sie. Zum anderen muss geklärt werden, ob sich die Insolvenz nicht schon wesentlich früher angekündigt, und Geschäftsführer Zwipf-Zaharia trotz der drohenden Pleite noch Zahlungen getätigt hat.

Schwerwiegende Folgen für die Bühnenbau-Firma

Mit Versprechungen, dass er beim Geretsrieder Kulturherbst wieder mitarbeiten könne und sein Geld nach der Garmisch-Partenkirchner Spielzeit bekommt, hielt der Füssener Georg „Wiggal“ Geyer bei der Stange. „Ich hab’ mich drauf eingelassen“, erinnert sich der Bühnenbauer. „Trotz Magengrummen.“ Und auch darauf, keine Abschlagzahlungen für das Material zu bekommen. Um die 5500 Euro streckte er vor für die Spielstätten in der Bayernhalle („Räuber Kneißl“) und am Rießersee („Kindertragödie“). Am Morgen nach der letzten Vorstellung in der idyllischen Natur entdeckte Geyer im Briefkasten das Schreiben, dass es kein Geld mehr gibt. „Ein herber Schlag“, sagt er. Und für ihn hieß es dann noch, die Bühne an der historischen Olympia-Bobbahn abzubauen, schließlich gehörte ihm das Material. Nicht nur das, sondern auch den Lohn für zwei Monate Arbeit in Höhe von etwa 4500 Euro hat Geyer mittlerweile abgeschrieben. Als „teures Lehrgeld“ verbucht er seine „bittere“ Kultursommer-Erfahrung, die für seine Bühnenbau-Firma schwerwiegende Folgen hatte. „Ich musste ebenfalls Insolvenz anmelden.“ Was ihm besonders stinkt, ist die Art, wie Zwipf-Zaharia mit ihm und den anderen Betroffenen umgegangen ist – „uns so auflaufen zu lassen“.

Die Schicksale, die hinter der Cultus-Production-Insolvenz stecken, bedauert Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). „Die Gemeinde kann aber nicht finanziell einspringen“, betont die Bürgermeisterin. Das sei rechtlich gar nicht möglich. Wie ihr Zuschuss in Höhe von 220 000 Euro eingesetzt wurde, hatte die Kommune derweil schon im Blick. „Das Geld wurde in fünf Chargen bezahlt, die letzte erst, als die Rechnungen vorlagen.“ Für Hebeisen-Unruh, Geyer und Co. ist das freilich kein Trost.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Straßen.Kunst.Festival“ geht in die vierte Runde
Magische Ludwigstraße: Am Freitag und Samstag werden Straßenkünstler wieder alles aus der Trickkiste holen, um ihr Publikum zu faszinieren. Und das für ein Hutgeld.
„Straßen.Kunst.Festival“ geht in die vierte Runde
Jagasteig für Wanderer gesperrt: Neuer Weg entsteht
Erst sprengen, jetzt baggern: Um den Wald besser zu bewirtschaften, wird derzeit eine neue Forststraße gebaut. Während der Arbeiten müssen Wanderer auf eine andere Route …
Jagasteig für Wanderer gesperrt: Neuer Weg entsteht
Bürgerentscheid in Bad Kohlgrub: Eine Frage des Geschmacks
Schindelfassade – ja oder nein? Beim Bürgerentscheid in Bad Kohlgrub steht eine simple Frage im Mittelpunkt. Den Initiatoren geht es ums Ortsbild. Sie hoffen auf viel …
Bürgerentscheid in Bad Kohlgrub: Eine Frage des Geschmacks
Kiosk „Platzl“: Container statt Holzhütte
Der Kiosk „Platzl“ an der Murnauer Bucht bedarf einer Erneuerung. Und zwar einer kompletten. Drei Varianten hat Marktbaumeister Mark Tworek nun dem Gremium des …
Kiosk „Platzl“: Container statt Holzhütte

Kommentare