Kümmern sich liebevoll um den Aufbau der restaurierten Ölbergszene am Hochaltar in der Pfarrkirche St. Martin: (v.l.) Paul Kollmannsberger, Georg Woitich und Georg Lichtenwald.
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Kümmern sich liebevoll um den Aufbau der restaurierten Ölbergszene am Hochaltar in der Pfarrkirche St. Martin: (v.l.) Paul Kollmannsberger, Georg Woitich und Georg Lichtenwald.

Garmischer Pfarrkirche St. Martin

Restaurierte Ölbergszene: Auferstehung in Bildern

Die Garmischer Pfarrkirche St. Martin hat nach einer aufwändigen Restaurierung wieder ihr „Theatrum sacrum“: die Ölbergdarstellung am Hochaltar. Bis zum Karfreitag ist diese zu bewundern.

Garmisch-Partenkirchen – Man schrieb das Jahr 1734, als die neu erbaute Garmischer Pfarrkirche St. Martin an Stelle der früheren Nikolauskirche seiner Fertigstellung entgegenblickte. Mit ihr gestalteten die Künstler, dem religiösen Zeitgefühl entsprechend, auch einen Bühnenaltar – einen so genannten „Theatrum sacrum“ – als architektonische Besonderheit mit einem nach hinten gestaffelten Altaraufbau. Dieses Konzept wurde angewandt, um dem zu jener Zeit noch hohen Anteil von Analphabeten innerhalb der Bevölkerung die Heilslehre vom Leben und der Auferstehung Jesu Christi dennoch auf visuellem Weg verständlich zu vermitteln. Durch das Hochziehen des St.-Martin-Hochaltarbildes erschien dabei die Ölbergszene. Ab Karfreitag wurde das Heilige Grab gezeigt, in der Osternacht dann der Auferstandene hochgekurbelt.

Damit war es nach dem II. Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) allerdings vorbei. „Ölberg und das Heilige Grab wurden dem Zeitgeist geopfert“, sagt Georg Lichtenwald, der sich für St. Martin im Pfarrgemeinderat und als Kirchenführer seit vielen Jahren einbringt. Durch den Einsatz des damaligen Kirchenpflegers Andreas Baumann wurde es jedoch möglich, dass zu Ostern 1992 wieder ein neues Heiliges Grab bewundert werden konnte. „Auch auf Druck und Drängen der Einheimischen“, weiß Lichtenwald zu berichten, der bereits damals angeregt hatte, im Zuge der jüngsten Kirchenrenovierung von St. Martin in den Jahren 2008 bis 2015 auch die Ölbergdarstellung wieder zu beleben – zur Einstimmung der Kirchenbesucher auf die Passion Christi.

In Folge hatte Lichtenwald die Mitglieder des Pfarrgemeinderats und der Kirchenverwaltung einvernehmlich von einer Neuaufstellung der Ölbergszene überzeugt. Aber trotz intensiver Suche in allen möglichen Archiven der Pfarrei waren die besagten Bildnisse einfach nicht mehr auffindbar. Um Ersatz zu schaffen, lag sogar schon die Genehmigung vor, vom Mittenwalder Künstler Stephan Pfeffer eine neue Darstellung nach alten Bildvorlagen anfertigen zu lassen. „Mehr durch einen Zufall im Rahmen einer Feuerschutzbegehung fanden sich dann, zugedeckt durch ein Aktenregal in einem Abstellraum, doch noch die alten Holztafeln jener Ölbergszene. Allerdings mit erheblichen Schäden wie Wurmfraß und Rissen und nicht ganz vollständig“, schildert Lichtenwald den Zustand der fast lebensgroßen Darstellung des kelchreichenden Engels – geschaffen vom Freisinger Konservator und Kunstmaler Adalbert Kromer im Jahre 1880.

Für die Restaurierung der aufgefundenen Figurentafeln erhielt Restaurator und Holzbildbauer Georg Lichtenwald den Auftrag, die Ergänzungen schuf Stephan Pfeffer. Rechtzeitig zur Passionszeit vergangenen Jahres war alles fertiggestellt. „Dann kam die Corona-Pandemie – und der Einbau konnte nicht mehr erfolgen“, bedauert Lichtenwald. Ein Jahr später packte das Team um den Bildhauer und Kirchenkenner wieder an. Zusammen mit dem Mesner Georg Woitich, Paul Kollmannsberger und Georg Fink von der Kirchenverwaltung kümmerte er sich um den Aufbau der Kulisse. Er sieht die Renovierung der Ölbergszene mit Stolz als gelungenen, künstlerischen Abschluss der Kirchenrenovierung. Und somit hat die Pfarrkirche St. Martin nach fachgerechter Restaurierung wieder ihr „Theatrum sacrum“, integriert im mächtigen, im Spätbarockstil gestalteten Hochaltar.

Die Ölbergdarstellung am Hochaltar in der Pfarrkirche St. Martin ist bis zum Karfreitag zu bewundern. Zur besinnlichen Einstimmung findet in der Karwoche am Mittwoch, 31. März, um 19 Uhr eine Ölbergandacht statt, die von einem Vokalensemble der Pfarrei St. Martin unter der Leitung von Josef Schwarzenböck musikalisch gestaltet wird. Das Baritonsolo übernimmt jeweils Andreas Dohmen. Weitere Gelegenheit ergibt sich zur Anbetungsstunde am Gründonnerstag, 1. April, um 21 Uhr.

Spenden

für die renovierte und ergänzte Ölbergdarstellung nimmt die Pfarrei St. Martin Garmisch gerne entgegen. Das Spendenkonto der Katholischen Kirchenstiftung St. Martin bei der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen lautet: IBAN: DE 58 7035 0000 0000 055004. Stichwort: Ölberg St.Martin.

Klaus Munz

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