Wo liegt die Zukunft des Urlaubsgeschäfts? Michael Gerber, Geschäftsführer der GaPa Tourismus GmbH, in seinem Büro am Kurpark.
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Wo liegt die Zukunft des Urlaubsgeschäfts? Michael Gerber, Geschäftsführer der GaPa Tourismus GmbH, in seinem Büro am Kurpark.

Bürger-Umfrage soll wertvolle Ergebnisse liefern

Tourismus in Garmisch-Partenkirchen: Auf der Suche nach Balance

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Garmisch-Partenkirchen lebt vom Tourismus. Doch im Corona-Sommer 2020 lernte der Ort auch die Schattenseiten kennen. Es stellt sich die Frage: Wie sieht die Zukunft dieser Schlüsselbranche aus? Aufschluss soll eine breit angelegte Bürgerbefragung geben. Die Resonanz ist gut, für Mai werden die Ergebnisse erwartet.

Garmisch-Partenkirchen – In der Tourismusbranche gilt eine simple Binsenweisheit: Nur wo sich die Einheimischen wohlfühlen, heißt es, tun dies auch die Besucher. Wie schnell die Belastungsgrenzen erreicht sind und die Stimmung unter den Einheimischen kippt, bekamen Garmisch-Partenkirchen und die gesamte Alpenregion vergangenes Jahr im „Urlaub dahoam“-Sommer zu spüren. Der Ausflugsansturm ließ zwar kräftig die Kassen klingeln, sorgte aber auch für etliche unschöne „Nebenwirkungen“, sei es in Form von Staus, überfüllten Parkplätzen oder Umweltsünden.

Zeitenwende nach Corona-Krise

Michael Gerber, Chef der GaPa Tourismus GmbH, ist davon überzeugt: Die Corona-Krise markiert eine Zeitenwende. Seine Prognose: Auch die Zukunft der touristischen Orte sowie deren Angebote und Leistungen müssten neu gedacht werden – in Richtung sozialer, nachhaltiger und vielfältiger. „Es geht darum, eine Balance zu finden“, bringt er die Herausforderung auf den Punkt.

Doch wie genau soll diese aussehen? Anregungen erhofft sich GaPa Tourismus von einer Bürgerbefragung im Markt, die Mitte März startete und noch bis Ende April läuft. Gerber, der zu einem Pressegespräch geladen hatte, ist mit der Beteiligung zufrieden: Rund 2000 ausgefüllte Fragebögen, hauptsächlich in digitaler Form, seien bislang eingegangen, berichtet er. „Das ist schon repräsentativ.“ Und vielleicht schaffe man noch die 3000er-Marke. Dies wären dann gut zehn Prozent der Bevölkerung. Voraussichtlich Mitte Mai wird ein beauftragter Dienstleister die mit Spannung erwarteten Auswertungen vorlegen.

Diese sollen keinesfalls in einer Schublade verschwinden, sondern in die strategische Ausrichtung des Urlaubsgeschäfts einfließen. GaPa Tourismus erhofft sich von der Aktion, die schon vor Corona auf der Agenda stand, ein aussagekräftiges Stimmungsbild über die Tourismusakzeptanz im Ort und über den Grad der Identifikation mit den Werten von Garmisch-Partenkirchen als Marke. Da geht es beispielsweise um die Einstellung zum Tourismus, um Erwartungen und Wünsche, aber auch um Belastungen und Befürchtungen. „Wenn wir als GaPa Tourismus GmbH wissen, wie die Bevölkerung zum Tourismus und dessen Weiterentwicklung grundsätzlich steht, können wir unsere Aktivitäten danach ausrichten“, fasst Gerber zusammen.

Konzepte zur Besucherlenkung

An Ideen und Plänen mangelt es der Gemeinde-Tochter nicht. Der Tourismuschef nennt etwa den Aufbau digitaler Informationssysteme zur Besucherlenkung, ein Konzept zum Parkraum-Management sowie alternative Mobilitätsangebote. Auch müssten die Gäste für die Natur sensibilisiert werden – und die Einheimischen bräuchten Begegnungs- und Rückzugsräume.

Bei der ganzen Debatte darf nicht vergessen werden, welch hohen Stellenwert der Tourismus in Garmisch-Partenkirchen hat. Rund 330 Millionen Euro werden damit jährlich umgesetzt – eine Menge Geld. Davon profitieren nicht nur Hotels und Gaststätten, sondern auch viele Betriebe anderer Branchen, angefangen beim Bäcker bis hin zum Steuerberater. Dies sichert mehrere tausend Arbeitsplätze.

Ein Abschnitt der anonymen Umfrage – insgesamt sind es 28 Fragen – erweckt besonders das öffentliche Interesse. Dieser beschäftigt sich mit der Zukunft des Kongresshauses – ein heiß umstrittenes Thema der Ortsentwicklung. Die Gemeinde hat dazu bekanntlich eine ergebnisoffene Bürgerbeteiligung auf den Weg gebracht. Die Befragung ist ein Baustein. Weitere Formate sind etwa Workshops, Ortsbegehungen und eine Beteiligungsplattform im Internet.

Der Fahrplan wurde schon durcheinander gewirbelt. Das ursprünglich für den Tag der Bundestagswahl am 26. September anvisierte Ratsbegehren muss verschoben werden. Zu diesem Zeitpunkt werde man erst die Fragestellung formuliert haben, erläutert Gerber. Die Abstimmung werde dann vermutlich Ende Dezember stattfinden. Hintergrund seien formaljuristische Vorgaben – und nicht, wie kolportiert wird, politischer Druck.

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