Ein Dauerbrenner: die Zukunft des Kongresshauses am Richard-Strauss-Platz, hier eine Neubau-Studie des Projektentwicklers Hinterschwepfinger.
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Ein Dauerbrenner: die Zukunft des Kongresshauses am Richard-Strauss-Platz, hier eine Neubau-Studie des Projektentwicklers Hinterschwepfinger.

Bürgerbeteiligung zum Kongresshaus wird überarbeitet

Mehr Mitsprache: Die Jüngeren für den Tourismus gewinnen

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Die Umfrage zur Tourismusakzeptanz in Garmisch-Partenkirchen schlägt hohe Wellen: Mit dem Ausmaß an Vorbehalten, die dabei speziell bei den jüngeren Generationen zum Vorschein kamen, hatte man offenbar nicht gerechnet. Nun sollen die Leistungsträger von morgen stärker mit ins Boot geholt werden.

Garmisch-Partenkirchen – Der Tourismus ist in Garmisch-Partenkirchen die tragende Wirtschaftssäule. Schätzungen gehen von einem jährlichen Umsatz in Höhe von um die 330 Millionen Euro aus. Davon leben nicht nur die Hotels, Gaststätten und Einzelhändler, sondern viele weitere Betriebe, angefangen beim Handwerker bis hin zum Steuerberater und zur Werbeagentur.

Schattenseiten des Urlaubsgeschäfts

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Spätestens vergangenes Jahr im Corona-Sommer, als ein regelrechter Ausflugsansturm das Werdenfelser Land erfasste, wurde die Kehrseite der Medaille sichtbar – in Form von massiven Verkehrsproblemen und Umweltsünden. Damit nicht genug: Die Beliebtheit der Region treibt die ohnehin schon hohen Preise weiter nach oben. So ist Wohnen im weltbekannten Wintersportort mittlerweile für viele nicht mehr erschwinglich.

All dies sind negative Auswirkungen des Urlaubsgeschäfts, die den Einheimischen zu schaffen machen – vor allem den unter 30-Jährigen. Bei den Jüngeren, die deutlich kritischer eingestellt sind, fällt daher die Tourismusakzeptanz geringer aus als bei den Älteren. Ein Alarmzeichen, schließlich geht es um die Zukunft einer Schlüsselbranche. Das ist die zentrale Erkenntnis aus einer Bürgerbefragung von GaPa Tourismus, deren Ergebnisse kürzlich vorgestellt wurden.

Die Katerstimmung ist nicht zu übersehen – und die Studie bleibt auch nicht folgenlos, wie in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats zu erfahren war. Denn Tourismuschef Michael Gerber hat, wie er bekanntgab, den Bürgerbeteiligungsprozess rund um den Dauerbrenner Kongresshaus („Standortentwicklungsplanung GaPa 2030“) unterbrochen – für eine „kreative Auszeit“, wie er es nennt. Eigentlich hätten jetzt die Workshops dazu starten sollen. Aber: „Wir gehen nochmal einen Schritt zurück und wollen nachsteuern.“ Ziel müsse es sein, die jungen Ortsbewohner stärker einzubinden und mitzunehmen. „Das müssen wir besser machen“, gibt der Geschäftsführer der Gemeinde-Tochter als Devise aus. Konkret wird er nicht. „Ich habe noch keine richtige Lösung“, räumt Gerber ein. Vielleicht könne er zur nächsten Zusammenkunft der Ortspolitiker ein Konzept vorlegen.

Rückendeckung erhält er von Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU). „Diese Entwicklung, dass gerade junge Menschen sich hier im Ort nicht mehr mit dem Tourismus identifizieren und unser wichtigstes wirtschaftliches Standbein nicht mehr als Teil ihrer Lebensqualität einstufen, ist sehr bedenklich“, sagt die Rathauschefin. Diese Tendenz sei zwar nicht neu, erläutert Koch, „nur die Intensität erschreckt mich wirklich – hier müssen wir noch entschiedener gegensteuern“. Aus diesem Grund sei für sie die Verstetigung des Instituts für Geriatronik der Technischen Universität München ein „ganz essentieller Bestandteil, um gerade auch für junge Leute die Infrastruktur und die Attraktivität des Marktes in Zukunft maßgeblich zu steigern“.

Ergebnisoffener Bürgerdialog

Zur Erinnerung: GaPa Tourismus setzt in der heiklen Kongresshaus-Frage, die seit Jahren emotional und kontrovers diskutiert wird, auf einen ergebnisoffenen Bürgerdialog – mit unterschiedlichen Formaten. „Wir brauchen ein breites Einvernehmen“, findet Gerber. Am Ende soll, so sieht es das aktuelle Drehbuch vor, im ersten Quartal 2022 ein Ratsbegehrens stehen.

Die besagte, repräsentative Umfrage – es wurden insgesamt 2227 Rücksendungen ausgewertet – war ein Bestandteil dieses Prozesses. Allerdings bleibt das dabei ebenfalls ermittelte Meinungsbild der Garmisch-Partenkirchner zum Kongresshaus fürs Erste in Gerbers Schublade – damit es sich nicht mit dem Thema Tourismusakzeptanz überlappt, wie es zur Begründung heißt. Das mit Spannung erwartete Resultat soll zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden. Es werde nichts versteckt, versichert Gerber.

Dieser lieferte sich in der Gemeinderatssitzung den bekannten Schlagabtausch mit FDP-Einzelkämpfer Martin Sielmann, der zum wiederholten Mal eine Umsetzung des Bürgerentscheids aus dem Jahr 2019 einforderte. Damals hatte sich eine klare Mehrheit für den Erhalt der gemeindeeigenen, in die Jahre gekommenen Immobilie am Richard-Strauss-Platz samt Sanierung und Teilneubau ausgesprochen.

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