Fehlt das Leitbild?

Tourismusausschuss: Unverständnis für Meierhofers Aussagen

Die Forderung der Bürgermeisterin nach einem Leitbild für die Bereiche Tourismus und Kultur sorgt für Kopfschütteln. Im dafür verantwortlichen politischem Gremium, vor allem aber bei den Profis von GaPa-Tourismus.

Garmisch-Partenkirchen – Es kommt nicht so oft vor, dass in politischen Gremien ein Running Gag eine ganze Sitzung prägt. Im Ausschuss für Tourismus-, Gesundheit- und Kultur war es so: Immer wieder hieß es: „Das entscheiden wird aus dem Bauch heraus.“ Wobei den Mitgliedern eigentlich nicht zum Lachen zumute war. Im Gegenteil. Im Ausschuss herrschte völliges Unverständnis darüber, was Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) gegenüber dem Tagblatt gesagt hatte: In der Marktgemeinde würden Entscheidungen aus dem Bauch heraus entschieden, weil es kein Leitbild gebe. „Eines, in dem es nicht um nur die Ortsentwicklung geht, sondern auch um Tourismus, Sport und natürlich die Kultur.“ Worte, die Tourismus-Chef Peter Ries richtig ärgern. Und denen er „entschieden widersprechen“ muss. Denn: Es gibt für den Tourismus ein solches Leitbild, das auch Teile der Kulturveranstaltungen mit abgedeckt. „Einen Sechs-Jahres-Plan, den wir schon zweimal fortgeschrieben haben.“

Die Idee dafür sei entstanden, sagte Ries auf Anfrage, weil man GaPa-Tourismus vor zehn Jahren eben genau vorgeworfen habe, Dinge spontan zu entscheiden. Eine Art Bauchladen anzubieten, in dem sich alles findet. „Aber nichts richtig.“ Daraufhin hätten er und sein Kollege Peter Nagel ein Strategiepapier entwickelt, an dem sich alle Verantwortlichen seit Jahren orientieren. Auch auf politischer Ebene. „Wir prüfen jede Veranstaltung mit dem Leitbild ab“, unterstrich Wolfgang Bauer (CSU), Zweite Bürgermeister und Vorsitzende des Tourismusausschusses. Was Ries so wurmt: Dass man diese Entwicklung nicht sieht oder sehen will. Und das, obwohl so viel passiert ist. Zu den strategischen Entscheidungen bei GaPa-Tourismus habe zum Beispiel gehört, eine Marketingabteilung aufzubauen. Oder das Gesundheits-Eck zu etablieren, um Garmisch-Partenkirchen als Heilkurort bekannter zu machen.

Geäußert hatte Meierhofer das Leitbild-Vorhaben in Bezug auf einen offenen Brief, mit dem Kulturschaffende an die Öffentlichkeit gegangen sind. Darin äußerten sie ihre Befürchtungen, dass kulturelle Einrichtungen in ihrem Bestand gefährdet seien und forderten einen direkten Ansprechpartner im Rathaus.

Eine Aktion, über die Vize-Bürgermeister Bauer sehr verwundert ist. „Wegen der Vorgehensweise.“ Die Kulturschaffenden hätten den zweiten vor dem ersten Schritt getan. „Ich würde den Weg gehen“, sagte Bauer, „dass ich erst einmal mit den Leuten rede.“ Aber das sei nicht geschehen.

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