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Touristische Rekordzahlen: Bei den Ankünften (Grafik) und bei den Übernachtungen spielt China im Vergleich zum Vorjahr eine wichtige Rolle.

Die Zahlen sorgen eher für Alarmbereitschaft als für Jubel

Tourismuszahlen in Garmisch-Partenkirchen: Rekord wird zum Luxusproblem

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Man ist es ja schon gewohnt: GaPa-Tourismus präsentiert Rekordzahlen. Gelangweilt aber zeigen sich die Verantwortlichen deshalb nicht. In Jubelstimmung ebenfalls nicht. Eher einmal mehr in Alarmbereitschaft.

Garmisch-Partenkirchen – Peter Nagel korrigiert sofort: Der Tourismusausschuss feiert den Rekord nicht.

Er mag recht haben: Emotionale Freudenrufe wie „sensationell“ oder „großartig“ hört man nicht. „Toll“ aber findet Mitglied Peppi Braun (Freie Wähler) das Ergebnis durchaus. Und Ausschussvorsitzender Wolfgang Bauer (CSU) bescheinigt GaPa-Tourismus und allen Tourismusverantwortlichen samt Bayerischer Zugspitzbahn „hervorragende Arbeit“, „gratuliert“ zu den besten Zahlen in der Geschichte des Ortes. Aber Nagel bleibt dabei, betont: Er und seine Mitstreiter um den neuen Kaufmännischen Leiter Thorsten Unseld jubeln nicht über ein Plus von 6,2 Prozent bei den Ankünften und eine Steigerung von 3,9 Prozent bei den Übernachtungen (siehe Kasten).

Das würde auch nicht in das Konzept passen, das Noch-Tourismusdirektor Nagel – er arbeitet ab 1. April im Berchtesgadener Land – und den ehemaligen Tourismusdirektor Peter Ries – er ging zum Jahresende 2017 in den Vorruhestand – im Dezember präsentierten: Die Zeiten von „immer mehr“ sind demnach vorbei, man dürfe den Einheimischen nicht überfordern. Das Team setzt jetzt auf den hochwertigen Gast. Den, der viel Geld im Ort lässt. Im Tagblatt-Gespräch im Januar hat Nagel diese Vorstellung noch einmal bekräftigt. Er fragt, wie viel der Ort wohl verträgt. Wie viel Gäste im Allgemeinen, wie viel Gäste eine Nationalität im Besonderen.

Die Asiaten sind mitverantwortlich für den Gästerekord

Spätestens nach diesen öffentlichen Aussagen wurde ihm klar: Nicht jeder will das hören. Nagel lässt das kalt, er wird noch deutlicher. Das Problem, ein Luxusproblem wohl, müsse man jetzt ansprechen, da es dem Markt aus touristischer Sicht gut geht. „Die Zeit ist gekommen umzudenken. Ändern wir nichts, schießen wir uns ins Knie.“ Sein Wunsch-Tourismusbericht der Zukunft: weniger Auslastung, mehr Wertschöpfung. Heißt auch: als Tourismusdirektor sinkende Zahlen als Erfolg zu verkaufen.

Gut fünf Minuten brauchte Unseld in der Sitzung, um die Rekordzahlen von 2017 zu präsentieren. Inklusive Vergleich zu anderen Destinationen wie dem Berchtesgadener Land und dem Tegernseer Tal: Jeweils sanken die Übernachtungen leicht, die Gästeankünfte stiegen geringer als in Garmisch-Partenkirchen. Nagel aber bleibt dabei: „Zahlen allein zählen nicht.“ Mit Unseld hat er sich bereits darüber unterhalten. Womöglich steigt er auf eine andere Präsentation um. Eine, die die Art der Gäste in den Mittelpunkt rückt und beispielsweise aufdröselt: Wie viele Kongressteilnehmer sind darunter, die laut Statistik 190 Euro pro Tag im Ort lassen? Eine Präsentation, die nicht nur die Zahl an US-Amerikanern, Arabern und Chinesen nennt.

Die Asiaten sind mitverantwortlich für den Gästerekord. Das bedeutet auch: Die Bayerische Zugspitzbahn ist mitverantwortlich. Gezielt und erfolgreich bearbeitet sie diesen Markt. Wie sie schon den arabischen Markt erfolgreich bearbeitete. Unter den kritischen Augen von GaPa-Tourismus, das unter anderem auf Nordamerika setzt und mahnt, die Einheimischen mit zu vielen Gästen einer Nationalität nicht zu überfordern.

Zwei Kuchen - doppelt so viele Stücke zum Verteilen

Die zwei touristischen Schwergewichte am Ort gehen unterschiedliche Wege. Eine Gefahr? Auf keinen Fall, sagt Nagel. „Jeder macht, was er am besten kann.“ Man spreche eine Sprache, wolle Umsatz generieren und Touristen holen. Nur die Ziele unterscheiden sich. GaPa-Tourismus sucht Wertschöpfung für das Ganze, für Einzelhändler, Hotellerie. Die BZB Wertschöpfung für ihre Betriebe. Beides habe seine Berechtigung. Auch wenn Nagel der bekannte Kuchenvergleich nicht gefällt – in diesem Fall bemüht er ihn: Mit den weltbekannten Marken Garmisch-Partenkirchen und Zugspitze verfüge man über zwei Kuchen und damit doppelt so vielen Stücken zum Verteilen. „Was für ein Glücksfall.“

In einer einfacheren Ausgangslage sieht Nagel die BZB. Sie konzentriert sich auf ein großes, eigenes Projekt. Das gibt es für GaPa-Tourismus nicht. Wie also will das Team den Qualitätsurlauber in den Ort locken? Als erste Schritte nennt Nagel die Regionalmarke „Inser Homat“ mit Werken heimischer Hersteller. Auch wirbt Garmisch-Partenkirchen in wertigeren Magazinen. „Wir tauchen nicht mehr in jedem Kasblattl auf.“ Zudem spricht Nagel von einer anderen Bildsprache, vom Hervorheben der Qualität – und von einer Herausforderung. Ein Patentrezept hat er nicht. Aber die Gewissheit: „Wir können so nicht weitermachen.“ Alpenregionen „vertragen keinen Massentourismus“.

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