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In diesem Becken ist der Bub ertrunken.

Fünf Menschen müssen sich vor Gericht verantworten

Tragödie um Buben (10) im Wellenberg: Wer hat Schuld am Tod?

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Fahrlässige Tötung – dieser Vorwurf steht im Raum. Angeklagt sind drei Jugendbetreuer eines Fußballvereins aus dem Landkreis Augsburg und zwei Bademeister. Ihnen wird vorgeworfen, für das Ertrinken eines Zehnjährigen im Wellenberg in Oberammergau verantwortlich zu sein.

Oberammergau/Garmisch-Partenkirchen – Fünf Minuten und drei Sekunden – genügend Zeit, um den zehnjährigen Buben zu retten. Eigentlich. Sein verzweifelter Überlebenskampf blieb allerdings unbemerkt an diesem 2. Juli 2016. Einem Tag, an dem sich insgesamt 620 Menschen im Wellenberg in Oberammergau vergnügten. An dem zwei Bademeister vor Ort waren. Und an dem eine Fußball-Jugendmannschaft aus dem Landkreis Augsburg dort ihren Ausflug zum Saisonabschluss ausklingen ließ. Der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft München II zufolge lag der Bub nach seinen vergeblichen Versuchen, sich aus eigener Kraft im 1,80 Meter tiefen Sportbecken über Wasser zu halten, reglos am Beckenboden. Auf dem Bauch. Dort entdeckte ihn schließlich acht Minuten später ein Fünfjähriger, der seine Mutter alarmierte. Die zog das Kind dann an die Oberfläche, unterstützt von einem der Bademeister.

Vor Ort versuchten Wellenberg-Mitarbeiter und kurz darauf Rettungssanitäter der BRK-Bereitschaft Oberammergau, den Zehnjährigen zu reanimieren. Per Hubschrauber wurde er ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen gebracht. Helfen konnte ihm letztlich niemand mehr. Zwei Tage nach dem tragischen Unglück starb der Bub.

Fährlässige Tötung steht im Raum

Wie es dazu kommen konnte, dass ein vermeintlich harmloser Ausflug so schrecklich endete, das muss nun das Schöffengericht klären. Dabei geht es unter anderem auch um die Frage, wer Schuld am Tod des Buben hat. Der damalige Jugendtrainer und zwei Mitglieder der Jugendabteilung müssen sich am Dienstag genau wie zwei Bademeister vor dem Amtsgericht in Garmisch-Partenkirchen verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen fahrlässige Tötung zur Last.

Neben den Vertretern des Vereins begleiteten fünf weitere Erwachsene die zehn Kinder. Auf dem Programm stand zunächst eine Rafting-Tour im Ötztal. Ein Unternehmen, bei dem Schwimm-Kenntnisse eine Grundvoraussetzung sind. Ob das bei allen Teilnehmern gegeben ist, war laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Vorfeld jedoch kein Thema. Spätestens vor dem Start muss aber zumindest einem der Organisatoren klar gewesen sein, dass der Zehnjährige diese Bedingungen nicht erfüllte. Unter Tränen soll er erklärt haben, dass er nicht oder nicht so gut schwimmen könne. Die Raftingtour überstand der Bub, den sein Betreuer beruhigt hatte. Dazu trug möglicherweise auch die Schwimmweste bei, mit der jeder Teilnehmer einer solchen Veranstaltung ausgestattet wird. Dass der Ausflug dann im Wellenberg enden sollte, war da wohl noch niemandem bewusst. Zunächst hatten die Verantwortlichen etwas anderes vor mit den Nachwuchs-Kickern, mussten dann aber wegen schlechten Wetters umplanen – und landeten so in dem Oberammergauer Erlebnisbad.

Niemand bemerkte den Überlebenskampf des Buben

Dort hatte der Trainer seinen Schützlingen zwar aufgetragen, zusammenzubleiben. Was den Ermittlungen zufolge zunächst noch gelang. Im Warmwasserbecken im Außenbereich waren noch alle beieinander. Wann sich der Zehnjährige und drei weitere Buben dann in Richtung Rutschenhaus aufmachten, steht nicht genau fest. Auch nicht, zu welcher Zeit der Viertklässler zum Sportbecken im Innenbereich ging. Um exakt 16:32,56 Uhr war es, als er in das tiefe Wasser sprang oder fiel. Genau da nahm die Tragödie ihren Lauf.

Das Video der Unterwasser-Überwachungskamera belegt, dass er sich zahlreiche Male zunächst kraftvoll, dann immer schwächer werdend mit den Beinen vom Beckenboden in Richtung Oberfläche abstieß. Sich mit dem Kopf über Wasser zu halten und zu schwimmen, das schaffte der Bub allerdings nicht. Warum niemand etwas davon mitbekam, ist ebenfalls eine Frage, die vor Gericht geklärt werden soll. Denn eigentlich, so die Anweisung des Betriebsleiters, muss ein Bademeister stets im verglasten Aufseherbüro bleiben, während sich sein Kollege auf Kontrollgänge begibt.

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