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Fünf Schlepper fahren zum Gipfeltreffen auf den Osterfelderkopf.

BDM demonstriert unterhalb der Alpspitze

Traktoren fahren auf den Osterfelderkopf: BDM demonstriert gegen Missstände in der Milchwirtschaft

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Fünf Traktoren sind auf den Osterfelderkopf gefahren. Die Bauern des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter wollen damit auf Missstände in der momentanen Milchwirtschaft aufmerksam machen. Mit dabei war ihre symbolträchtige Galionsfigur: Kuh Faironika.

Garmisch-Partenkirchen – Eine Kuh hat’s nicht leicht. Vor allem nicht Faironika. Um 7 Uhr morgens ist das dreifarbige Plastik-Tier in die Gondel der Alpspitzbahn gesetzt worden. Zwischen Lebensmitteln und Material fährt sie vom Tal auf 2030 Meter Höhe, um von Henrik Groeger aus dem Lift gehievt zu werden. „Sie wiegt ja nur 50 Kilo“, sagt er lachend. Der politische Referent des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) bereitet alles für ein Gipfeltreffen vor. In wenigen Stunden wird die Abschlussveranstaltung der diesjährigen BDM-Tour durch ganz Deutschland stattfinden. Auf dem Osterfelderkopf geht die 4000 Kilometer lange Reise der Kuh in Schwarz-Rot-Gold zu Ende.

Die Galionsfigur - Kuh Faironika - ist 4000 Kilometer weit durch Deutschland getourt.

Faironika – der Name des Rindes ist Programm – hat für den letzten Tag eine besondere Position zum Sonnen und Aufsehenerregen bekommen. Sie steht neben der Aussichtsplattform AlpspiX und schaut hinab ins Tal. Für Stefan Mann, Bundesvorsitzender des BDM, ist das ein Platz mit Symbolkraft. „Hier oben hat man eine unglaubliche Weitsicht“, sagt er. Getreu dem Motto der Veranstaltung „Für einen Milchmarkt mit Aussicht“. Dieses Panorama stehe gleichzeitig für den erhofften Weitblick der Politik und Industrie.

Galionsfigur Faironika symbolisiert mit ihrem Ausblick die aktuelle Krise

Auch Kunststoff-Kuh Faironika sieht viel. Gutes wie Schlechtes. Sie erblickt in der Ferne den Starnberger See. Ein Ort der Erfrischung und der Freude. Gleich wie die Milch ihrer lebenden Artgenossen von Millionen Deutschen täglich für Wonne und Genuss sorgt. In der Nähe des Sees schaut Faironika auf gigantische Industrie-Werke. Diese erinnern sie an die tägliche Produktion von Milch, die zu einem Massenprodukt verkommen ist, das zu Spottpreisen im Supermarkt verschleudert wird. „Wir fordern ein grundsätzliches Überdenken der Ausrichtung der Agrarpolitik“, sagt Mann. „Weg von der Devise, immer billiger, immer mehr, um so die Weltmärkte zu erobern.“

Faironika erblickt auch viele Baustellen, wie jene des Oberauer Tunnels. Dort wird angepackt, um Verkehrsprobleme aus dem Ort zu bringen. Baustellen für die Zukunft haben die Milchviehhalter zur Genüge. Welche strukturellen Veränderungen beispielsweise junge Landwirte brauchen, um eine Perspektive als Betriebsnachfolger zu haben.

Streit mit Bauernverband noch nicht vorüber

Noch weiter weg schaut das dreifarbige Kunststoff-Tier auf die Allianz-Arena in München. Mit den legendären Revierkämpfen zwischen den Fußballmannschaften FC Bayern und 1860. Ähnlich legendär wie der Streit zwischen den Milcherzeugern des BDM und des Bayerischen Bauernverbands (BBV), der bereits seit Jahren brodelt. „Er ist mittlerweile Teil des Problems“, wettert Landesvorsitzender Johann Leis über den Interessenskonflikt mit dem Bauernverband.

„Wir wollen Problemursachen angehen, nicht nur die Folgen mit Geld kurieren“, sagt Mann. Die Milchviehhalter haben vor allem mit den Folgen des Klimawandels zu ringen. „Die aktuelle Diskussion um die Dürrehilfen zeigen, dass auch in der Bevölkerung der Wunsch nach Veränderungen in der Landwirtschaft wächst.“ Es sei „politische Weitsicht“ gefragt, mahnt Mann die beiden Landtagsabgeordneten Ruth Müller (SPD) und Florian Streibl (Freie Wähler), die ebenfalls verfolgten, wie gegen Mittag fünf Schlepper mit Fahnen auf den Osterfelderkopf fuhren. Müller und Streibl wollen sich für die Milchviehhalter einsetzen. Landwirt Bernhard Heger aus Peißenberg ist gespannt, ob „diesen Sonntagsreden auch Taten folgen?“

Zu sehen gibt es genügend für Faironika, auch wenn sie es sich momentan leisten kann, seelenruhig am AlpspiX zu stehen, sich von Kindern streicheln lässt und den Weitblick genießt.

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