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Erst in einem Labor in Martinsried bei München typisieren Mitarbeiter das Blut. Danach steht fest, ob ein geeigneter Spender gefunden ist.

Typisierungsaktion im Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Zu früh zum Sterben

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Gerd Weinmeier (60) und Martina Poettinger (53) brauchen eine Stammzellenspende. Nur mit ihr können sie ihren Krebs besiegen. Um einen Spender zu finden, organisieren Freunde und Familie an diesem Samstag, 6. Mai, eine Typisierungsaktion im Klinikum. Weinmeier ist voller Hoffnung. Aber auch realistisch.

Garmisch-Partenkirchen– Wohin ihn die nächste Radtour führt. Wie schnell er auf den Grasberg rennt. Wohin er mit seiner Frau in den Urlaub fährt. Mit solchen Fragen hat sich Gerd Weinmeier befasst. Plötzlich aber wurden andere wichtig. Ob er nach seinem Tod verbrannt werden will zum Beispiel. Oder lieber in einem Sarg begraben. Plötzlich sprach er mit seiner Frau Karin nicht über das Leben, sondern über das Sterben.

Gerd Weinmeier bekam 2014 die Diagnose Krebs.

Weinmeier hat Krebs. Ein multiples Myelom. Eine bösartige Tumorerkrankung im Knochenmark. Heilen kann den 60-Jährgen nur eine Stammzellenspende. Deshalb organisieren Familie und Freunde für ihn und Martina Poettinger an diesem Samstag, 6. Mai, eine Typisierungsaktion im Klinikum Garmisch-Partenkirchen (siehe unten). Auch die Garmisch-Partenkirchnerin (53) braucht einen Spender, um zu überleben. Vor gut zwei Monaten wurde bei ihr Leukämie festgestellt. Bereits 2014 erhielt Weinmeier seine Diagnose.

Sein erster Gedanke? „Scheiße.“ Und er stellte sich die Frage, die „man sich sparen kann, weil man eh keine Antwort bekommt“. Die nach dem Warum. Warum ich?

„Du kannst es nicht ändern“

Der Garmisch-Partenkirchner lebte gesund, trieb viel Sport, hatte einen Beruf, den er liebte, hatte Spaß, etwa mit der Showband Los Creditos. Warum also? Heute denkt Weinmeier nicht mehr darüber nach. „Du kannst es nicht ändern, musst es nehmen, wie es kommt.“ Das ist sein Weg, mit dem Krebs umzugehen: Er hadert nicht mit dem Schicksal, er nimmt es an. Er blickt nicht zurück, er blickt nach vorne. Auf das Leben. Weinmeier will es genießen. Und gestaltet es so normal wie möglich.

Martina Poettinger erfuhr vor gut zwei Monaten von ihrer Leukämie.

An diesem Donnerstagnachmittag sitzt er noch in seinem Büro im ersten Stock der Sparkasse Garmisch-Partenkirchen. Er erzählt von der hohen Beratungsqualität der Bank, von neuen Serviceangeboten, von Gebühren, niedrigen Zinsen, von seinen zahllosen Aufgaben als Leiter des Vertriebsmanagements. Kurz unterbricht er. Um sich für seine leicht raue Stimme zu entschuldigen. Am Tag vor der Chemotherapie müsse er Kortison schlucken. „Da wird meine Stimme immer so sexy.“

Ein ständiges Auf und Ab

Einige Therapien hat er im Laufe der vergangenen drei Jahre schon hinter sich gebracht. Auch zwei Spenden mit eigenen Stammzellen. Jeweils mit Erfolg. Die Werte verbesserten sich deutlich, lagen im Normbereich. Immer wieder aber verschlechterten sie sich auch rapide. Ein ständiges Auf und Ab. In dem besonders Ehefrau Karin und Tochter Andrea Wiesböck eine große Stütze sind. „Was die Familie leistet und aushält, wird oft vergessen.“ Auch dank ihnen denkt Weinmeier nicht ständig über seine Krankheit nach. Und dank der Arbeit. Sofern es sein Zustand zulässt, sitzt er im Büro. Das lenkt ihn ab. „Du kannst ja nicht ständig radfahren“, sagt er und lacht.

Viel seiner Freizeit widmete der 60-Jährige früher dem Sport. Immer Vollgas. Nach der Arbeit noch schnell auf den Grasberg sprinten, Mordstouren auf dem Rennrad oder Mountainbike unternehmen. Das geht nicht mehr. Weinmeier will es auch nicht. „Die Uhr spielt keine Rolle mehr.“ Radelt er mit dem Mountainbike nach Ehrwald, hält er jetzt am Wasserfall an, genießt den Blick und das Plätschern – früher strampelte er einfach vorbei. Arbeit und Sport sind schön und wichtig, findet Weinmeier nach wie vor. Aber der Körper brauche zwischendurch Ruhe. „Man muss auch mal faulenzen“, sagt er. „Das hab’ ich nie gemacht.“ Er hat es gelernt.

Hoffnung, dass möglichst viele zur Typisierung kommen

Im Moment schlagen bei Weinmeier Medikamente und Chemotherapie gut an, Ziel ist es, den Krebs zurückzudrängen, Zeit zu gewinnen. Auch, falls sich durch die Typisierungsaktion an diesem Samstag kein geeigneter Spender findet. „Und davon muss man ausgehen“, sagt er. Aber vielleicht werde einem anderen Patienten geholfen.

Bereits im Vorfeld erfahren Weinmeier und Poettinger enorme Solidarität. Aus dem ganzen Landkreis bieten Bürger, Vereine und Geschäfte ihre Hilfe bei der Organisation an, stellen Essen und Getränke zur Verfügung. „Das gibt Energie“, sagt Weinmeier. Und Hoffnung. Dass sich möglichst viele Bürger typisieren lassen. Dass tatsächlich ein geeigneter Spender gefunden wird. Für Weinmeier ebenso wie für Poettinger. Die 53-Jährige liegt gerade in der Klinik München-Schwabing und bekommt eine Chemotherapie, die sie stabilisieren soll. Ihr Leben aber kann nur eine Stammzellentransplantation retten.

Immer wieder telefoniert Weinmeier mit ihr. Versucht, ihr Mut zu machen. Damit sie nach vorne schaut.

Der 60-Jährige weiß nicht, was seine Zukunft bringt. Ob er Angst habe? – Wovor?, will Weinmeier wissen. Das ist Antwort genug. Seine Zeit sieht er nicht gekommen. „Sterben muss jeder. Aber für mich ist es noch zu früh.“

Die Typisierung am Samstag, 6. Mai

Diese eine Blutentnahme kann Leben retten. Deshalb appellieren die Organisatoren an alle Bürger zwischen 17 und 45 Jahren, sich an diesem Samstag typisieren zu lassen. Die Aktion beginnt um 11 Uhr im Klinikum Garmisch-Partenkirchen und endet gegen 16 Uhr. Für Verpflegung ist gesorgt. Jeder Teilnehmer wird in der Spenderdatei der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) aufgenommen und damit zum potenziellen Lebensretter für Martina Poettinger, Gerd Weinmeier oder einen anderen Krebspatienten. Helfen kann auch, wer die Voraussetzungen nicht erfüllt oder keine Zeit hat. Denn die Stiftung ist auf Geldspenden angewiesen (IBAN DE 15 7025 0150 0022 3946 54, Verwendungszweck GAP). Wer sich typisieren lassen will, findet Infos unter www.akb.de

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