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Der Biber ist mittlerweile überall im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu finden.

2018 waren es noch 39 Tiere

Umstrittener Landschaftsarchitekt: Mehr als 50 Biber im Landkreis getötet

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Der Biber breitet sich aus: Fast alle Orte im Landkreis hat der Nager besiedelt. Die massive Aufregung um die Schäden legte sich etwas. Probleme treten vor allem im Norden auf. Zwölf Tiere hat man heuer im Kreis getötet – kein einziges mehr am Staffelsee.

Landkreis – Sie macht sich nichts vor: „Ich glaube, dass es immer Konflikte wegen des Bibers geben wird“, sagt Daniëlle Sijbranda. „Das ändert sich nicht innerhalb eines Jahres.“

In etwa so lange wirkt die Niederländerin für den Landkreis als Biberberaterin, unterstützt von Försterin Silke Hartmann (Revier Murnau-Nord). Ein Zeitraum, in dem sich keine Wunder vollbringen lassen. Doch offenbar läutete das Duo eine Wende zum Besseren ein. „Ich glaube, dass sich am Staffelsee die Sache etwas beruhigt hat“, sagt Sijbranda. Vor einem Jahr seien der Biber und die Schäden, die er anrichtet, Hauptgesprächsthema gewesen. „Jetzt ist es nicht mehr so heftig. Die Leute sehen, was passiert ist“ – und dass etwas passiert. Zudem besitzen Biber-Betroffene in Sijbranda und Hartmann nun Ansprechpartnerinnen, die kurzfristig zu ihnen kommen und versuchen, Lösungen zu finden. „Das ist oft möglich, aber nicht immer.“ Es nimmt aber in vielen Fällen Druck aus dem Kessel.

Biber-Klagen gibt es immer wieder im Landkreis

Daniëlle Sijbrandaist Biberberaterin. 

Klagen wegen Biber-Aktivitäten gibt es nach Angaben von Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamts, immer wieder, aus dem gesamten Kreis. „Viele, aber nicht alle Beschwerden sind berechtigt“, sagt er. Mittlerweile wurden im Landkreis über 50 der streng geschützten Tiere per Ausnahmegenehmigung getötet. 2018 war es 39 Nagern an den Kragen gegangen – sie dürfen von 1. September bis 15. März gejagt werden –, davon 23 am Staffelsee-Südufer und auf der Insel Wörth. Heuer sind es landkreisweit bislang 12. Am Staffelsee haben die amtlich bestellten Jäger, die Fallen platzieren und außerhalb besiedelter Bereiche auch direkt schießen, kein einziges Tier eliminiert. Sijbranda sieht dafür mehrere Gründe: Der Druck sei nach der Tötung von 23 Bibern nicht mehr so hoch gewesen, zudem spielten Eis und Schnee im Winter den Nagern in die Flossen: „Sie werden oft vom Wasser aus beobachtet, und das war nicht mehr möglich.“ Am Staffelsee habe sich auch der Fraßdruck verringert, „das ist deutlich zu sehen. Auf null wirst du ihn nie bekommen“.

Neu genehmigte sind Entnahmen an einer Fischteichanlage in Saulgrub sowie am Mühlbach in Großweil

Neu genehmigt wurden „Entnahmen“, wie die Tötung der Tiere im Behördendeutsch heißt, heuer an einer Fischteichanlage in Saulgrub sowie am Mühlbach in Großweil, an dem eine dreiköpfige Familie Unterminierungen verursacht hatte. Jeweils zwei Biber starben, weil sie sich an einer Baustelle sowie an einer Hochwasserschutzanlage in Garmisch-Partenkirchen aus Expertensicht zum Risiko entwickelt hatten; ebenfalls vier mussten im Ortsbereich von Uffing weichen.

Die Tötungen der Biber („Das sind immer noch Lebewesen mit einer Sozial- und Familienstruktur“) bleiben in Sijbrandas Augen „eine schwierige Sache, weil es hier nach wie vor um eine streng geschützte Art geht“. Wenn auch im Landkreis um keine bedrohte mehr: 125 Burgen seien erfasst mit durchschnittlich jeweils 3,5 Tieren. Es könnten noch etwas mehr werden. Im Norden habe die Population bereits eine gewisse Dichte erreicht und lasse keine sehr große Zunahme mehr erwarten, „aber im Süden gibt es noch Spielraum“.

Trotz Tötungen sei die Biberpopulation am Staffelsee „gefühlt“ nicht deutlich geschrumpft

In den Augen von Seehausens Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) ist die Biberpopulation am Staffelsee seit Beginn der Tötungen „gefühlt“ nicht deutlich geschrumpft. Massive Schäden seien einigermaßen eingedämmt. Er betont: „Man muss hier dahinter bleiben.“

Tierschützerin Tessy Lödermann fordert allerdings, mit den Ausnahmegenehmigungen „nicht leichtfertig“ umzugehen, wie sie für Staffelsee-Südufer und Insel Wörth gelten. Lödermann hat sich ein Bild von der Lage gemacht und massive Schäden, wie sie kolportiert wurden, so nicht vorgefunden: „Hier ist es mir persönlich so vorgekommen, dass die Ausnahmegenehmigungen in diesem Ausmaß sehr großzügig gehandhabt werden.“ Sie führt dies auf „erheblichen Druck“ zurück, nachdem „die Diskussion sehr gegen den Biber gelaufen ist“. Die Schritte des Bibermanagements („Ich begrüße sehr, dass es das im Landkreis gibt“) sollten der Reihe nach gegangen werden: Beratung, Prävention – und eine Tötung nur als Ultima Ratio in begründeten Einzelfällen, wenn alles andere wirkungslos verpufft ist. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins des Landkreises stört es, wenn sich der Fokus allein auf die Schäden richtet, anderes aber vergessen wird: „Der Biber ist ein Garant für Artenvielfalt und ein großartiger Lebensraumgestalter, der Biotope schafft“, betont Lödermann.

Biber ist nun überall im Landkreis angekommen

Biberaktivitäten, stellt Scharf klar, gebe es inzwischen in fast allen Ortschaften des Landkreises. Doch es treten Brennpunkte auf: „Die Waldgebiete zwischen Staffelsee und Bad Bayersoien und die Randbereiche vom Murnauer Moos sind derzeit die Bereiche mit den weitreichendsten Problemen.“ In der Behörde vertritt man die Meinung, dass sich die Verstärkung des Bibermanagements „sehr bewährt“ habe.

Sijbranda versucht, beiden Seiten gerecht zu werden und mit Respekt zu begegnen: Mensch und Biber. In den nächsten Monaten will sie mit Beteiligten Bilanz ziehen, „wie es bisher gelaufen ist“. Die Tierärztin selbst sieht einen Anfang. „Aber wir sind noch lange nicht da.“

dpa

Seit der Biber im Loisach-Kochelsee-Moor wieder heimisch geworden ist, sorgt das Tier für reichlich Diskussionen. Einerseits bereitet er den Landwirten nach wie vor erhebliche Probleme. So muss man speziell in Kochel die Lage am Bahngleis ständig beobachten. Andererseits ist das Interesse von Bürgern, an einer Biber-Führung vom Bund Naturschutz teilzunehmen, groß. Nun ist auch klar, was mit den getöteten Bibern passiert.

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