Wertvolle Kulturlandschaft: das Murnauer Moos, das auch Teil des Unesco-Gebiets werden soll.
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Wertvolle Kulturlandschaft: das Murnauer Moos, das auch Teil des Unesco-Gebiets werden soll.

CSU und Waldbesitzer melden Bedenken an

Unesco-Bewerbung: Die Zweifel wachsen

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Seit rund zehn Jahren sind die Bemühungen des Landkreises Garmisch-Partenkirchen um das Weltkulturerbe-Siegel der Unesco ein Thema. Im Mai soll der Kreistag endgültig grünes Licht für die Bewerbung geben. Doch mitten auf der Zielgeraden mehren sich die kritischen Stimmen. Nach Grundstückseigentümern melden nun auch die CSU und Waldbesitzer ihre Bedenken an.

Landkreis – Die Kulturlandschaft im Landkreis Garmisch-Partenkirchen lockt nicht nur unzählige Touristen an. Die Wiesen, Moore und Almen sowie die damit verbundene Bewirtschaftung sind so besonders, dass die Region das exklusive Unesco-Prädikat Weltkulturerbe erhalten soll. Ein ehrgeiziger und vor allem aufwändiger Plan, von dem sich die Befürworter eine Stärkung der kleinstrukturierten Landwirtschaft und (noch) bessere Chancen auf staatliche Förderungen erhoffen.

Kreistag soll im Mai endgültigen Beschluss fällen

Nach einem Abstimmungsprozess mit den Kommunen, Bauern und der Öffentlichkeit – das Landratsamt zählte bislang um die 100 Termine – soll schon bald der offizielle Antrag auf den Weg gebracht werden: Am 4. Mai tagen dazu in einer gemeinsamen, vorberatenden Sitzung der Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss sowie der Kreisausschuss. Und am 18. Mai, so sieht es zumindest das Drehbuch vor, tritt schließlich der Kreistag zusammen, um den formellen Beschluss zu fassen.

Doch auf den letzten Metern erfährt das Vorhaben mächtig Gegenwind – und zwar von einflussreichen Interessensgruppen. Hinter vorgehaltener Hand wird bereits darüber spekuliert, dass der Widerstand den Zeitplan durcheinander bringen oder gar das Ganze kippen könnte. Die vorgebrachten Ängste und Bedenken klingen sehr ähnlich: Befürchtet wird, dass das angestrebte Label der internationalen Organisation noch mehr Auflagen, Kontrollen und Einschränkungen mit sich bringt. Und es wird die Informationspolitik der Kreisbehörde angeprangert, die nach dem Geschmack der Kritiker alles andere als vorbildlich ist.

Mehrere Grundstückseigentümer, vor allem aus dem Raum Garmisch-Partenkirchen, brachten sich schon in Stellung. „Wir fühlen uns übergangen“, schimpft etwa Georg Porer, einer der Wortführer. Die Forderung des Wallgauer Nebenerwerbslandwirts und seiner Mitstreiter ist unmissverständlich: Jeder Besitzer sollte selbst entscheiden dürfen, ob seine Flurstücke Bestandteil der Bewerbungsfläche sind – oder eben nicht.

CSU-Schreiben mit langem Fragenkatalog

Jetzt meldet sich auch die CSU zu Wort – mit einer gehörigen Portion Skepsis. Der Murnauer Kreis- und Gemeinderat Rudolf Utzschneider schickte im Namen der Kreistagsfraktion der Schwarzen ein mehrseitiges Schreiben an Landrat Anton Speer (Freie Wähler) – mit einem langen Fragenkatalog. In vielen Punkten herrsche noch Unklarheit, findet der studierte Agrarbiologe und Betriebswirt. „Wir sind sehr schlecht informiert“, beschwert er sich. Teilweise seien auch widersprüchliche Aussagen gegeben worden. „Ich stehe im Nebel“, fasst Utzschneider zusammen. Als Beispiele nennt er die möglichen Auswirkungen auf die Bauleitplanung und den Tourismus. Und welche Position vertritt die CSU? Utzschneider möchte nur für sich sprechen. Der Kommunalpolitiker lehnt die Unesco-Bewerbung ab. Denn: „Ich finde es völlig intransparent, was uns da übergestülpt wird.“ Die immer wieder genannten Vorteile sind seiner Meinung nach „zu schwammig“. Was ihn aber am meisten stört, ist der Umstand, dass nicht jeder Betroffene befragt wurde. Immerhin hätte man dazu zehn Jahre lang Zeit gehabt. „So groß ist der Aufwand mit einem Serienbrief auch nicht“, findet Utzschneider.

Ins gleiche Horn stößt der Landesverband Bayern der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald – ein Fachverband, der sich in der Sache mit einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt hat. Er habe nichts gegen das Weltkulturerbe, stellt Geschäftsführer Simon Tangerding auf Nachfrage klar. „Das ist eine große Chance für die Region“, sagt er. Nur: „Wir wollen gehört werden.“ Es könne doch nicht sein, dass die Waldbesitzer übergangen werden. Diese müssten das letzte Wort haben, findet Tangerding – und auch die Möglichkeit, Nein zu sagen.

Das Landratsamt ist indessen damit beschäftigt, die vielen Anfragen abzuarbeiten – und vermeintliche Irrtümer und Fehlannahmen richtigzustellen. Zentrale Aussage: Die Angst vor Beschränkungen ist unbegründet. „Bei der Unesco-Bewerbung handelt es sich nicht um ein Verfahren, das irgendwelche Rechte schafft, beeinträchtigt oder nimmt, wie man es etwa von Unterschutzstellungen, Bauleitplanung oder Straßenbauvorhaben kennt“, erklärt Sprecher Wolfgang Rotzsche. Und weiter: „Letztendlich ist die Unesco daran interessiert, dass die vom Bewerber selbst beschriebenen Werte und Qualitäten der eingetragenen Güter möglichst gut erhalten bleiben. Dieses Interesse hat sicher auch die große Mehrheit der im Landkreis lebenden und wirtschaftenden Menschen.“

Laut dem Behördenvertreter wurde auf vielen Ebenen informiert und aufgeklärt. Und auch im Internet seien die Unterlagen zu finden. Nur könne man nicht jeden Grundstückseigentümer persönlich befragen. Dies hätte die organisatorischen Möglichkeiten überstiegen.

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