1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Garmisch-Partenkirchen

Unesco-Bewerbung: Kritiker packen die Rechtskeule aus

Erstellt:

Von: Andreas Seiler

Kommentare

Einzigartig und schützenswert: die Kulturlandschaft im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, hier der Blick ins Murnauer Moos, das ebenfalls zum Unesco-Bewerbungsgebiet zählt.
Einzigartig und schützenswert: die Kulturlandschaft im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, hier der Blick ins Murnauer Moos, das ebenfalls zum Unesco-Bewerbungsgebiet zählt. © Mayr

Dieser Schritt war zu erwarten: Grundstückseigentümer und Rechteinhaber haben beim Münchner Verwaltungsgericht Klage gegen die Unesco-Bewerbung des Landkreises eingereicht. Dies berichtet die „Interessengemeinschaft Weltkulturerbe“. Der Streit dreht sich um einen möglichen Eingriff in Eigentumsrechte.

Landkreis – Der Inhalt der Pressemitteilung, die gestern der Murnauer Kreis- und Gemeinderat Rudolf Utzschneider (CSU) als Sprecher der „Interessengemeinschaft Weltkulturerbe“ per E-Mail an die Redaktionen verschickte, war keine Überraschung. Das Bündnis, zu dem sich nach eigenen Angaben mehrere hundert Grundstückseigentümer und Rechteinhaber zusammengeschlossen haben, hatte schon mehrmals angedroht, gegen die Bewerbung des Landkreises Garmisch-Partenkirchen um das Weltkulturerbe-Prädikat der Unesco rechtlich vorzugehen. Nun werden tatsächlich die Gerichte bemüht.

Namen der Kläger werden noch nicht verraten

Wie Utzschneider berichtet, haben gestern sechs Betroffene Klage erhoben. Mit dem Ziel, den Landkreis zu verpflichten, die bereits auf den Weg gebrachte Kandidatur in Gänze oder zumindest für ausgewählte Bereiche zu unterlassen. Laut Utzschneider muss sich nun das Verwaltungsgericht München damit auseinandersetzen. Die Namen der Beschwerdeführer, die in der schwierigen Causa eine Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet haben, möchte der Kommunalpolitiker nicht verraten – um sie vor öffentlichem Druck zu schützen, wie er betont. Nur so viel: Ihre Flächen seien umfangreich und repräsentativ für den gesamten Landkreis. Er selbst halte sich die Option offen, ebenfalls juristisch gegen die Bemühungen um das weltberühmte Label vorzugehen.

Die Kläger seien der Meinung, erläutert Utzschneider dn Hintergrund, dass der Landkreis nicht befugt sei, ihre Flächen ohne Zustimmung in die Gebietskulisse der Bewerbung aufzunehmen. „Sie sehen darin eine eigentumsrechtliche Einschränkung“, sagt der Murnauer. Ein Einwand, der schon seit Längerem immer wieder zu Kontroversen führt.

Die „Interessengemeinschaft Weltkulturerbe“ stehe den Klägern zur Seite, bekräftigt der CSU-Mann, der Rückenwind verspürt: „Es ist beeindruckend, wie viel Zuspruch und Solidarität wir bei diesem Thema erhalten. Den Klägern gebührt ein großer Respekt, und wir unterstützen sie mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln.“ Und wie stuft er die Chancen ein, dass sie als Gewinner vom Platz gehen? „Ich denke schon, dass das aussichtsreich ist“, zeigt sich Utzschneider kämpferisch. Seinen Recherchen zufolge handelt es sich um einen Präzedenzfall.

Unesco-Projekt polarisiert

Das ehrgeizige Unesco-Projekt polarisiert: Die Befürworter erhoffen sich von dem exklusiven Prädikat in erster Linie Vorteile für die hiesige, kleinstrukturierte Landwirtschaft. Die Kritiker, zu denen Utzschneider und seine Mitstreiter zählen, befürchten hingegen noch mehr Auflagen, Bürokratie und Bevormundung, beispielsweise was die Pflege und Bewirtschaftung der Areale angeht.

Auch die Politik war sich uneins. Am Ende setzte sich aber das Pro-Lager im Kreistag durch. Und im September wurde das vom Landratsamt in Form gebrachte, fast 1000 Seiten dicke Antragsdossier an das zuständige Welterbezentrum in Paris geschickt. 2023 soll, so sieht es der Fahrplan vor, das Urteil fallen, ob sich der Landkreis künftig mit dem Weltkulturerbe-Siegel schmücken darf. Das stark zergliederte Bewerbungsgebiet besteht aus insgesamt rund 19 000 Hektar. Im Mittelpunkt steht dabei die einzigartige Kulturlandschaft mit ihren schützenswerten Wiesen, Weiden, Mooren und Almgebieten.

Auch interessant

Kommentare