Teil der Bewerbungsfläche: das Murnauer Moos – ein einzigartiges Naturschutzgebiet.
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Teil der Bewerbungsfläche: das Murnauer Moos – ein einzigartiges Naturschutzgebiet.

Beschluss soll erst am 23. Juli gefasst werden

Unesco-Bewerbung: Entscheidung verzögert sich

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Die zunehmende Kritik am Unesco-Projekt des Landkreises wirbelt den Zeitplan durcheinander: Der Kreistag soll nun rund zwei Monate später als ursprünglich geplant, nämlich erst am 23. Juli, über die geplante Bewerbung um das Weltkulturerbe-Prädikat entscheiden. Das Landratsamt will den Aufschub für Überzeugungsarbeit nutzen.

Landkreis – Die Bemühungen des Landkreises Garmisch-Partenkirchen um das Unesco-Siegel Weltkulturerbe entzweit die Gemüter – und sorgt für kontroverse Debatten. Für die einen ist das exklusive Label im höchsten Maße erstrebenswert, um die einzigartige Kulturlandschaft mit ihren Wiesen, Mooren und Almen sowie die damit verbundene Bewirtschaftung zu erhalten. Die Befürworter erhoffen sich außerdem einen leichteren Zugang zu staatlichen Fördermitteln.

Angst vor Einschränkungen

Doch in letzter Zeit häuften sich die Einwände – und die unmissverständlichen Ankündigungen, das Ganze nicht zu unterstützen. Es wird bereits darüber spekuliert, dass das arbeitsreiche Projekt, das den Kreis bereits seit rund zehn Jahren beschäftigt, auf den letzten Metern der Zielgerade scheitern könnte. Skeptiker und Gegner befürchten nämlich, dass die angestrebte Auszeichnung noch mehr Auflagen, Kontrollen und Einschränkungen mit sich bringt.

Eigentlich stand die Marschroute fest: Am 18. Mai sollte der Kreistag die umfangreiche Bewerbung absegnen und auf den Weg bringen. Doch das Landratsamt drückt jetzt auf die Bremse – und verschafft sich damit etwas Luft. Der finale Beschluss soll, so der neue Terminplan, erst am 23. Juli gefasst werden – eine Verschiebung um rund zwei Monate nach hinten. „Wir brauchen noch Zeit im Abstimmungsprozess“, begründet Behördensprecher Stephan Scharf auf Tagblatt-Nachfrage diesen Schritt. Bis dahin sollen in den Kreisgremien – neben dem Kreistag beschäftigen sich der Kreisausschuss sowie der Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss mit dem Thema – Unklarheiten beseitigt und offene Fragen beantwortet werden. „Man muss auf die Punkte eingehen, die aufgelaufen sind“, erläutert Scharf – und fügt hinzu: „Wir wollen die Kritiker überzeugen.“

Der Mitarbeiter des Landratsamtes versucht, die Sorgen und Ängste zu entkräften: „Es wird nichts übergestülpt“, versichert er. Und: „Es geht nicht um die Einschränkung irgendwelcher Rechte.“ Der Titel Weltkulturerbe soll seinen Angaben zufolge vielmehr die klein-strukturierte Landwirtschaft bewahren. Den Vorwurf, die Betroffenen seien unzureichend informiert worden, lässt Scharf nicht gelten. „Wir machen das sehr intensiv“, sagt er. Rechtlich spannend ist die Frage, ob Eigentümer ihren Grund einfach aus der Bewerbungsfläche rausnehmen können. Scharf bleibt vage: „Das muss man prüfen.“

Liste der Kritiker wird länger

Indessen wird die Liste der Kritiker und Zweifler immer länger. Nach Grundstückseigentümern, Waldbesitzern und der CSU reihen sich auch die Gründer der „Interessengemeinschaft zum Schutz der Kulturlandschaft“ um den Murnauer Josef Poettinger ein. In einem Schreiben an Landrat Anton Speer (Freie Wähler) und die Kreisräte machen sie ihrem Ärger Luft. „Die Beschränkungen werden umfassend sein“, lautet die düstere Prognose. Auch wird vor einer „Fremdbestimmung“ gewarnt – und vor noch mehr Tagesausflüglern. „Es darf nicht dazu kommen, dass durch die erwartbaren zusätzlichen Besuchermassen die Natur noch mehr geschädigt und durch den zu erwartenden Rummelplatz der einheimischen Bevölkerung die eigene Heimat nicht mehr gefällt“, heißt es weiter in dem Statement.

Damit nicht genug: Auch in Eschenlohe rumort es. Dem Vernehmen nach ermittelte der Gemeinderat der Loisach-Gemeinde hinter verschlossenen Türen ein Meinungsbild unter den heimischen Landwirten. Das Ergebnis: Die Mehrheit sprach sich gegen die Unternehmung Unesco aus. Es zeichnet sich ab: Das Landratsamt wird noch viel Überzeugungskraft investieren müssen.

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