Strahdrischen im Murnauer Moos
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Strahdrischen im Murnauer Moos stehen als Symbol für die extensive Landwirtschaft im Landkreis.

Bewerbung mit 1400 Seiten

UNESCO-Weltkulturerbe: Landkreis reicht Unterlagen im Februar ein 

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Almen, Buckelwiesen und Streuwiesen im Murnauer Moos: Mit den Feinheiten der kleinteiligen Landwirtschaft bewirbt sich die Region um den Titel als Weltkulturerbe.

Nur Zahlen vermögen auszudrücken, durch welch Labyrinth sich der Landkreis wühlt für diesen so begehrten Titel: Weltkulturerbe. Seit sieben Jahren bereiten das Landratsamt und ein Expertenkomitee die Bewerbung der Region vor. An die 30 Vorortgespräche hat Landrat Anton Speer (Freie Wähler) geführt. Er besuchte Riegsee, Saulgrub, Mittenwald, fuhr praktisch in jedes Dorf. Nun ist die Vorlage fertig, die nicht nur Grafiken, Fotos und Karten, sondern auch das Destillat der zahllosen Wünsche besorgter Landwirte enthält. 1400 Seiten sind es geworden, mit sehr viel Text. Aber kleiner geht es nicht, wenn die Region tatsächlich Deutschlands 47. Welterbestätte werden möchte.

Die Unterlagen hat Peter Strohwasser, der Chef der Unteren Naturschutzbehörde, ins Internet geladen. Bis zum 31. Januar 2021 kann jeder weitere Änderungswünsche einreichen. Danach beginnt tatsächlich die Phase, auf die der Kreis seit 2011 hinarbeitet. Garmisch-Partenkirchen möchte seine vielen Almen, die Buckelwiesen, die Streuwiesen im Murnauer Moos, aber viel mehr noch ihre Bewirtschaftung und die kleinteilige Landwirtschaft mit dem Siegel der UNESCO versehen. Das hat einerseits mit Traditionspflege zu tun, ist andererseits aber auch ein Universalschlüssel, der Türen etwa zu Fördermitteln öffnet. „Wir müssen uns hervorheben von der Groß-Landwirtschaft“, betont Landrat Speer. Mit Ostdeutschland und seinen Höfen mit mehreren hundert Kühen könne man nicht konkurrieren.

Wir müssen uns hervorheben von der Groß-Landwirtschaft

Landrat Anton Speer

Speer und sein Team haben sich durch einen Dschungel voller Ängste und Sorgen der Landwirte geschlagen, die einen massiven touristischen Zulauf befürchten. Der Welterbe-Status werde die Besucher nicht vermindern, räumt Strohwasser im Umweltausschuss ein. Doch die Kreise und Gruppen, die angezogen werden, hält er für wünschenswert. „Das sind Menschen, die sich für Landwirtschaft interessieren“, glaubt Strohwasser. Speer wies nochmals auf die „vielen Anfeindungen“ hin, die seinem Team von Grundbesitzern und Landwirten entgegenschlugen. Als dann die Tierschutzorganisation Animal Rights Watch auch noch die Anbindehaltung, die im Konzept verankert ist, als Tierquälerei anprangerte, landete die Bewerbung bundesweit in den Zeitungen. Doch die Macher haben aufgeklärt, dass es nur um saisonale Anbindehaltung geht. Im Sommer treiben die Bauern ihre Kühe auf die Almen. „Man muss die Leute aufklären“, betont Speer. Jetzt ist alles geklärt. „Wir haben nichts zu verbergen“, ergänzt Strohwasser.

Im Juli prüfen Kultusminister und Ministerien die Unterlagen

Daher erhalten alle Betroffenen ein weiteres Mal die Chance zum Drüberlesen. Christine Singer, Kreisrätin und Kreisbäuerin, appellierte an die Bürgermeister, die Infos in ihren Orten zu streuen. „Wir müssen uns bemühen, dass jeder die Karten sehen kann“, sagt sie. Denn was tatsächlich in der Monster-Mappe steht, die im Juli die Kultusministerkonferenz und die Ministerien prüfen, dürfte dann irreversibel sein. Im Februar 2022 möchte der Kreis alle Unterlagen beim Welterbezentrum einreichen – fast elf Jahre nach Geburt der Idee. Ein normaler Zeitraum, urteilt Beraterin Ricarda Schmidt. Die Kulturlandschaft wäre danach neben der Würzburger Residenz, der Wieskirche, den Altstädten von Bamberg und Regensburg, dem Obergermanisch-Rätischen Limes, den Pfahlbauten um die Alpen und dem Opernhaus in Bayreuth das achte Welterbe in Bayern – noch vor den Königsschlössern, die sich im Verbund ebenfalls bewerben.

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