Fusionskandidat: die Kreissparkasse, hier die Zentrale an der Bahnhofstraße in Garmisch-Partenkirchen.
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Fusionskandidat: die Kreissparkasse, hier die Zentrale an der Bahnhofstraße in Garmisch-Partenkirchen.

Einstimmige Entscheidung der Politik

Kreistag: Ungeteiltes Ja zur Sparkassen-Ehe

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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In der Politik ist oft und schnell von historischen Entscheidungen die Rede. Der Kreistag schrieb jetzt tatsächlich ein Stück Landkreis-Geschichte: Das Gremium segnete die Fusion der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen mit der Sparkasse Oberland ab. Am Freitag, 30. Juli, soll, so sieht es das Drehbuch vor, in Weilheim der Vertrag unterzeichnet werden.

Krün – Der Besuch einer Sparkassen-Versammlung in Augsburg hinterließ bei Landrat Anton Speer (Freie Wähler) einen bleibenden Eindruck: „Da fanden an allen Ecken und Enden Fusionsgespräche statt“, berichtete er den Kreisräten, die sich im Krüner Kurhaus versammelt hatten. „Da befindet sich alles in Aufbruchstimmung.“

Dies trifft auch auf die Finanzlandschaft hier in der Region zu. Denn der Kreistag gab in der Sitzung in der Isartal-Gemeinde einstimmig grünes Licht für eine Fusion von Tragweite: Zwei Banken, die Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen und die Sparkasse Oberland, verschmelzen zu einer. Überraschend kommt dieser Schritt nicht: Er hatte sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Zuvor war hinter den Kulissen der „Ehevertrag“ penibelst ausgehandelt worden. Am Freitag, 30. Juli, wollen die Verantwortlichen in Weilheim den offizielle Fusionsvertrag unter Dach und Fach bringen.

Bilanzsumme beträgt künftig 4,46 Milliarden Euro

Die Größe des neuen Konstrukts, das ab dem 1. Juni 2022 unter dem Namen Sparkasse Oberland firmieren soll, ist imposant: Die Bilanzsumme beträgt rund 4,46 Milliarden Euro – und die Anzahl der Mitarbeiter 715.

Die Hintergründe des Zusammenschlusses sind bekannt. Die gesamte Branche steht unter gewaltigem Druck: Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die rasant fortschreitende Digitalisierung und die zunehmenden Auflagen stellen die Kreditinstitute vor gewaltige Herausforderungen – und sorgen dafür, dass alte Geschäftsmodelle nicht mehr so richtig funktionieren. „Die Ertragslage ist sehr schwach“, berichtete Speer über den derzeitigen Zustand der Kreissparkasse, deren Träger der Landkreis ist. Und das, obwohl in den zurückliegenden Jahren ein harter Sparkurs gefahren wurde – mit Personalabbau und Filialschließungen. Fusionen wie diese sollen dabei helfen, Synergien zu heben, zu wachsen und auf diese Weise die Zukunft zu sichern.

Gedankenspiele über eine Verschmelzung der beiden benachbarten Sparkassen sind nicht neu. Dass die beiden Geldhäuser gemeinsame Wege gehen, ist naheliegend, zumal schon jetzt Gemeinden im nördlichen Landkreis Garmisch-Partenkirchen, darunter Murnau, zur Sparkasse Oberland gehören. Allerdings überwog 2015, als die Banken-Hochzeit bereits Thema war, im Werdenfelser Land die Skepsis. Man fürchtete um die Selbstständigkeit.

„Es ist der richtige Weg“

Doch die Zeiten haben sich geändert – und offenbar auch die Sichtweisen. „Es ist der richtige Weg“, kommentierte Vize-Landrat Dr. Michael Rapp (CSU) in der Kreistagssitzung die anvisierte Zusammenlegung. „Wir haben auf Augenhöhe verhandelt“, berichtete er. Schließlich handle es sich um zwei „kapitalstarke Partner“. Auch Speer befand: „Es waren gute Gespräche.“ Die Garmisch-Partenkirchner Seite habe sich mit einem Großteil ihrer Forderungen durchsetzen können. Dazu zähle beispielsweise, künftig in der Chefetage zwei Vorstände zu stellen. „Das wäre vor fünf Jahren noch unmöglich gewesen“, sagte der Landrat. Auch wird eine Bestandsgarantie für die Beratungsstellen der Kreissparkasse ausgesprochen. Und es soll keine fusionsbedingten Entlassungen geben. „Jeder Einzelne wird gebraucht“, erklärte Peter Lingg, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse.

Politiker und Banker erhoffen sich viel von dem Zusammenschluss. „Es ist strategisch klug, diesen Schritt aus der Position der Stärke zu gehen“, lautet Linggs Credo. Die Kreissparkasse ist auf dem Finanzmarkt Bayern ein Zwerg. Unter den 64 Sparkassen im Freistaat liegt sie mit ihrer Bilanzsumme (2020: rund 1,23 Milliarden Euro) abgeschlagen auf Platz 61. Das soll sich bald ändern: Vereint mit der Sparkasse Oberland steigt sie auf ins vordere Mittelfeld.

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