Erst Formalien, dann Test: An der Station am Richard-Strauss-Platz in Garmisch-Partenkirchen verteilt Matteo Clement in Schutzkleidung die Zettel für die Registrierung an (v.l.) Renate Jedlinsky, Akin und Korbinian. 
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Erst Formalien, dann Test: An der Station am Richard-Strauss-Platz in Garmisch-Partenkirchen verteilt Matteo Clement in Schutzkleidung die Zettel für die Registrierung an (v.l.) Renate Jedlinsky, Akin und Korbinian. 

Landkreis Garmisch-Partenkirchen als Vorreiter

Urlaub in Oberbayern: Touristen müssen sich alle 48 Stunden testen lassen - Kapazitäten gelangen an Grenzen

  • vonAlexander Kraus
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Urlaub mit Pflichten: Touristen müssen sich alle 48 Stunden auf Corona testen lassen. Ob an öffentlichen Stationen oder in den Unterkünften selbst. Das bringt Herausforderungen mit sich.

Landkreis – Verunsicherung grassierte vor dem Tourismus-Neustart in Grainau. Stephan Märkl rechnete im Vorfeld mit 3000 Gästen, die in die 3400-Einwohner-Gemeinde strömen. Der Bürgermeister sendete im Kreistag einen Hilferuf aus. Er fürchtete, dass die Testkapazitäten nicht ausreichen. Doch: Wegen des schlechten Wetters traf es den Ort nicht so schlimm wie erwartet. Die Hotels müssen Abstriche bei den Ankünften machen. „Die Ferienwohnungen und der Campingplatz haben genügend Gäste, dazu kommen die Tagestouristen“, sagt Märkl. Er schätzt, dass es etwas weniger als 3000 Touristen am Wochenende anreisten.

Urlaub im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Testprozedere verlief bislang zufriedenstellend

Das Testprozedere verlief zufriedenstellend. Im Ort wurde zusätzlich zur Station in der Dorfgalerie von Wasserwacht und BRK ein neues Zentrum errichtet. Ein privater Betreiber eröffnete dieses am Freitag, just als der Ansturm begann. „Ohne die zweite Teststation wären wir abgesoffen“, mutmaßt Märkl. Wenngleich die Gäste überwiegend mit einem negativen Corona-Test angekommen sind. Zumindest nach Josef Zebhausers Einschätzung. Die wenigen ohne Nachweis holten sich das Zertifikat in den öffentlichen Stationen. Der Direktor des Berghotels Hammersbach bestätigt, dass sein Haus nicht ausgelastet ist: „Nur zu gut 50 Prozent“, sagt er. „Aber das ist für den Anfang gerade recht.“ Alle 48 Stunden müssen sich die Urlauber einen neuen Test beschaffen. Das Personal kontrolliert streng.

Die stabile Inzidenz erlaubt weitere Lockerungen im Landkreis.

Zwischen den kleinen und großen Betrieben stark zu unterscheiden, fordert Christian Bär, der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands im Landkreis. Ein kleines Beherbergungshaus müsse enormen zeitlichen, personellen und logistischen Aufwand betreiben, um Testkapazitäten vorhalten zu können. Derzeit gibt es drei Möglichkeiten für die Vermieter: Sie schicken die Gäste an die örtlichen Testzentren. In anderen Hotels testen die Besucher sich selbst, der Gastgeber überprüft die Ergebnisse. Darüber hinaus holen sich manche Betriebe einen Partner ins Haus, der über eine Teststation verfügt. So läuft es auch im Hotel Alpenhof in Murnau, den Bär betreibt. „Das funktioniert unproblematisch“, versichert er. Doch jedes Haus müsse für sich Lösungen finden.

Landkreis Garmisch-Partenkirchen hat Vorreiterrolle in Sachen Tourismus-Neustart

Bär bescheinigt dem Landkreis eine Vorreiterrolle in Sachen Tourismus-Neustart. Die Betreiber hätten früh gewusst, dass Hotels und Gaststätten wieder öffnen können, dennoch sei die „Kurzfristigkeit“ eine Herausforderung gewesen. Die Hygienekonzepte aus 2020 seien erweitert worden, etwa beim Lüften der Gebäude und bei den Tests. „Das haben alle gut hinbekommen. Im Organisieren sind die Hoteliers gut, das ist unsere Kernkompetenz“, betont er.

Garmisch-Partenkirchen: Schlangen vor den Teststationen

Weniger euphorisch sieht Daniel Schimmer die Lage bei den Testkapazitäten in Garmisch-Partenkirchen. „Bei uns reicht’s hinten und vorne nicht“, bemängelt der DEHOGA-Ortsobmann. Er spricht von „Chaos“, vor der Station am Richard-Strauss-Platz bilden sich oft lange Schlangen. Die andere Stelle am Skistadion wurde gar nicht eröffnet (siehe Kasten). Zwar existieren viele weitere Möglichkeiten in den Apotheken, doch sei die Öffnungszeit dort sehr begrenzt.

Während an den öffentlichen Stationen die Abrechnung mit der kassenärztlichen Vereinigung möglich ist, gibt es keine Regelung, wer für die Tests in den Beherbergungsbetrieben aufkommt. „Der Gast wird nicht begeistert sein, wenn er alle zwei Tage vier bis fünf Euro bezahlen muss“, meint Schimmer, der auch für eine Öffnung der Innengastronomie plädiert. Seine Idealvorstellung: Teststationen müssten vermehrt zugängig sein, die Kapazitäten ausgedehnt werden.

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