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Großes Interesse: Die Sitzung des Gemeinderats war gut besucht.

Verhandlungen mit Anbieter von Geldautomaten

Riegseer mit Bargeld versorgen

Die Riegseer Bevölkerung kann sich Hoffnungen machen, demnächst wieder einen Geldautomaten zu bekommen. Die Gemeinde steht gerade in Verhandlungen mit einem Anbieter.

Riegsee Mittwochabend im Rathaus: Die Besucherstühle sind restlos besetzt, Bürgermeister Rudolf Kühn (ÖDP) schafft noch zusätzliche Sitzgelegenheiten herbei, damit alle Interessenten Platz nehmen können. Es sind mehr als 20 Bürger im Saal. Der Grund für den ungewohnten Andrang: Es geht um das Thema Geldautomat.

Seit Heiligdreikönig gibt es denjenigen, der einmal in den Räumen der ehemaligen Filiale der Volks- und Raiffeisenbank Werdenfels (VR) im Rathaus stand, nicht mehr. Die Riegseer müssen nun nach Murnau oder Söchering zum Geldabheben. Wie berichtet, hatte es der Gemeinderat vor ein paar Monaten abgelehnt, am Rathaus einen Automaten aufzustellen. Denn die Kommune hätte die Hälfte der Kosten tragen müssen, 350 Euro im Monat.

Den Rest hätte die VR-Bank gezahlt. Doch nicht alle Riegseer sind Kunden dieses Instituts. Manche Bewohner wollen aber nicht hinnehmen, dass sie sich im Ort keine Scheine mehr besorgen können. Es formierte sich eine Interessengemeinschaft. In einem Brief an die Gemeinde, den Kühn in der Sitzung vorliest, äußert die Bürgerinitiative ihr „Befremden“, dass der Rat die Kostenbeteiligung ablehnt. Dabei müsste die Kommune monatlich 29 Cent pro Bürger berappen. Wo bleibe die Verantwortung der Gemeinde für die Bürger, wo der Bürgerservice, wird in dem Schreiben gefragt. Für ältere Menschen sei es umständlich, in Murnau Geld abzuheben. „Die Gemeinde gibt leichtfertig einen Teil der Infrastruktur preis“, monieren die Verfasser. Sie sei zu deren Erhalt verpflichtet.

Die Initiative hatte auch 220 Unterschriften gesammelt, die sie der VR-Bank vorlegte. Dort gab es auch einen Termin. Kühn sagt, dass sich der Gemeinderat die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. „Es gab sachliche Argumente.“ Doch eine andere Lösung ist in Sicht. Der Rathauschef verhandelt gerade mit einer Firma, die Geldautomaten aufstellt und betreibt. Sie heißt Cardpoint und ist Teil von Cardtronics Europe, einer Tochtergesellschaft von Cardtronics Inc., dem nach eigenen Angaben größten unabhängigen Anbieter von Geldautomaten weltweit. Allein in Deutschland betreibt das Unternehmen 1100 solcher Apparate, in Großbritannien mehr als 15 000.

Die Gemeinde müsste einen Platz zur Verfügung stellen. Den gibt es im Erdgeschoss des Rathauses, wo auch der Kramerladen einziehen soll. In der kommenden Woche will eine Mitarbeiterin der besagten Firma vorbeischauen, um die Örtlichkeit zu inspizieren.

Falls der Automat dort platziert werden sollte, hätten Kunden heimischer Banken die Möglichkeit, sich wieder mit Scheinen einzudecken. Allerdings gegen eine Gebühr. Wie hoch diese sein könnte, ist noch offen. „Das ist Bestandteil der Verhandlungen“, erklärt Kühn. Die Schmerzgrenze dürfte seiner Meinung nach bei 2,50 Euro liegen.

Georg Mayr (Wählergemeinschaft Riegsee) wäre dafür, dass das Entgelt von der Höhe der Abhebung abhängig gemacht wird. Josef Mayr, der den Brief an die Gemeinde mitverfasst hat, sagt zur aktuellen Entwicklung: „Wenn das so zustande kommt, ist das in Ordnung.“ Es sei einfach wichtig, dass ein Bankautomat da ist. Vor allem für die älteren Leute.

Der Gemeinderat beschloss am Ende einstimmig, dass die Kommune einen Platz und Strom zur Verfügung stellt. Zudem geben die Räte grünes Licht für das Verlegen dafür notwendiger Versorgungsleitungen. Kühn präsentiert übrigens auch einen Plan B: Falls die Verhandlungen scheitern, könnten die Bürger eventuell im Dorfladen Geld abheben.

Roland Lory

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