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Wolfgang Huss in seinem Garten in Garmisch-Partenkirchen.

Porträt zum Geburtstag

Verleger Wolfgang Huss wird 75

Garmisch-Partenkirchen - Wolfgang Huss lebt seit acht Jahren in der Ostler-Villa in Garmisch-Partenkirchen. Am 1. April feiert der Verleger seinen 75. Geburtstag und verrät seine schönsten und schlimmsten Erinnerungen.

Als Wolfgang Huss vor über 60 Jahren mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Günter in den deutschen Kinos mit der Werdenfelser Tracht Reklame für die Bekleidungshäuser der Familie machte, warb er gleichzeitig für Garmisch-Partenkirchen. Dass er einmal dort leben würde, das hätte der erfolgreiche Verleger damals sicher nicht geglaubt. Vor acht Jahren fand Huss mit seiner Frau Karin am Riess seine zweite Heimat – neben München Bogenhausen. „Ich fühle mich mit Garmisch-Partenkirchen seit meiner frühesten Kindheit verbunden“, erzählt der Frankfurter. Am 1. April feiert der Wahl-Werdenfelser nun seinen 75. Geburtstag – gleichzeitig wird der Huss-Verlag 40 – und Wolfgang Huss blickt zurück auf sein Leben.

 „Schon meine Großeltern haben hier im alten Zugspitz-Hotel ihren Urlaub verbracht. Später sind wir zum Wandern und Skifahren immer wieder gern hergekommen.“ Bis zum Kauf der Ostler-Villa am Fuße des Rießersees vergingen aber noch einige Jahre. Sein späteres Domizil kannte er schon aus Kindertagen: ein Modell zierte die riesige Modell-Eisenbahnanlage in Frankfurt. „Dadurch war uns das Haus vertraut und wir haben nicht lange überlegt.“ Als Familienverleger schuf er aus einem kleinen Verlag für Formulare eine moderne, konzernunabhängige Mediengruppe mit 230 Mitarbeitern und über 20 Fachzeitschriften sowie Sonderpublikationen. Was im Jahre 1975 in einer Altbauwohnung in München Schwabing mit zwei Mitarbeitern begann, hat sich zu einem der größten Fachverlage gemausert. Weltweit erschuf der Unternehmer seine Netzwerke, reiste herum und kam doch immer wieder gern zurück nach Garmisch-Partenkirchen. „Ich genieße die wunderschöne Landschaft.“

Statt Passionsspiele lieber einen Fotoapparat

Viele Erinnerungen sind geblieben. Die schlimmste: als Papa Alfred ihn mit zehn Jahren mit auf die Zugspitze nahm. Es ging übers Höllental. „Für mich war diese Tour wirklich die Hölle“, erinnert sich Huss, „mit meinen kurzen Beinchen kam ich kaum über die Zwischenräume des Stangenstegs, und unter mir tat sich der weite Abgrund auf. Noch heute bekomme ich schwitzige Hände, wenn ich nur daran denke.“ Und die schönste: als Familie Huss 1950 die Oberammergauer Passionsspiele besuchte. „Wir hatten den Krieg hinter uns und in Frankfurt sah man damals nur zerlumpte Gestalten auf der Straße. Als ich die vielen bunten Kostüme und die herausgeputzten Darsteller erblickte, fühlte ich mich wie in eine schöne Traumwelt versetzt.“ Anstatt die Vorführung zu besuchen, kaufte sich der Zwölfjährige aber einen Fotoapparat. Der Grundstein seiner späteren Karriere war gelegt.

Huss hat Visionen für Garmisch-Partenkirchen

„Ich fotografierte meine Mitschüler im Internat. Doch ich bekam nur 20 Pfennig pro Bild und die Filme waren teuer. Deshalb schoss ich nur noch Gruppenfotos und verdiente an der Vervielfältigung.“ So ist die Idee des Verlegens entstanden. Huss ist ein geschätzter Mann, hat auch in Garmisch-Partenkirchen viele Freunde. Unter anderem bei der Feuerwehr (Huss verlegt auch die Feuerwehrzeitschrift). „Wir mussten etliche Bäume auf unserem Waldgrundstück fällen.“ Immer stand uns die Feuerwehr zur Seite.“ Die Verantwortung lag schließlich in allen Lebenslagen bei ihm. Sein Erfolgsrezept lautet: „Ich habe immer versucht, Dinge positiv zu verändern und habe Risiken nicht gescheut. Alle Beteiligten sollten davon profitieren.“

Für seine Wahl-Heimat schweben ihm auch einige Visionen im Kopf vor. „Es muss hier einiges passieren.“ Zum Beispiel würde er aus der Partenkirchner Fußgängerzone eine ruhige Zone im Stile des Wiener-Cafe-Haus-Flairs machen. Darüber hinaus „müssen für die Jugend mehr moderne Sportarten her“. Für Huss gilt: Einmal Visionär, immer Visionär. Auch wenn er sich schon lange aus dem Geschäft zurückgezogen und nach einem schweren Fahrradunfall vor knapp zehn Jahren seinem Sohn Christoph die Führung des Unternehmens überlassen hat. Ganz auf die faule Haut kann und will er sich nicht legen. Klavierspielen, Malen und die Bildhauerei sind schöne Hobbys, aber: „Ich habe noch viele Ideen. Und gern würde ich für die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen etwas tun.“

Barbara Falkenberg

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