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Unter Mordverdacht: Die kracherte Bedienung Zenzi (Beatrice Schönauer) muss sich den Fragen des Hobby-Detektivs Ignaz Berwein (Matthias Wackerle, l.) und des dusseligen Polizisten Herbert Krausenecker (Martin Kirschner) stellen.

Theatergruppe Creme Frech überzeugt mit ihrem sechsten Dinner-Krimi „Fremdenzimmer“

Verzwickter Fall um ermordete Dorfschönheit

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Man nehme eine Leiche, ein paar Tatverdächtige, dazu engagierte Laien-Schauspieler, die ihr Publikum zum Miträtseln auffordern, und in den Pausen ein köstliches Menü – und schon hat man die Zutaten für einen ganz besonderen Abend beisammen. 

Garmisch-Partenkirchen – Mit ihrem sechsten Dinner-Krimi „Fremdenzimmer“, erstmalig aus der Feder von Andreas M. Bräu, feierte die Theatergruppe Creme Frech am Wochenende Welturaufführung, wie es die Regisseurin Meggy Schäfer nannte. Der Saal im Gasthaus zur Schranne in Garmisch-Partenkirchen war vollbelegt, als auf der von Karin Rudolf liebevoll arrangierten Bühne die beliebte Pensionswirtin Fevi, plötzlich tot aus dem Fenster hing. Die anwesenden Feriengäste gerieten in dieser kulinarischen Kriminalkomödie sogleich allesamt unter Verdacht. Für Krimileser und Rentner Ignaz Berwein (wohltuend unaufgeregt dargestellt von Matthias Wackerle) wurde die Aufklärung des Falles schwierig, hatte doch scheinbar jeder der Tatverdächtigen auch ein Motiv. Einige ehemalige Liebhaber der früheren Dorfschönheit, aber auch deren eifersüchtige Frauen – allen voran die resolute Amerikanerin Arlena (Sabine Bachmann, die auch für die Kostüme verantwortlich war). Oder die neidischen Dorfratsch’n (Sigrid Hornsteiner und Karolina Kleisl). Oder Ziehsohn Peppi (Martin Klotz), dem Fevi die Pension nun doch nicht mehr vererben wollte. Für ihn und seine Freundin Carina (Anna Lexa überzeugte durch ihre unbekümmerte Spielweise) war’s somit aus mit dem Traum vom eigenen Hotel. Sie alle hätten einen guten Grund gehabt, Fevi unter die Erde zu befördern.

Weil Berwein in dem dussligen Polizisten Herbert Krausenecker (herzerfrischend Martin Kirschner) nicht wirklich einen tatkräftigen Ermittler an seiner Seite hatte, schien der Fall immer verworrener zu werden. Krausenecker tat sich unter anderem damit hervor, dass er die Tatwaffe, eine gusseisernen Gams, solange betatschte, bis wirklich alle Fingerabdrücke beseitigt waren.

Was hatte sich in der Pension in der Nacht vor Fevis tragischem Tod zugetragen? Hatte vielleicht doch Butch (Wolfi Hostmann beherrschte den amerikanischen Akzent perfekt), der klamme, frühere Freund, etwas mit dem Verbrechen zu tun? Oder Fevis ehemaliger Liebhaber und Anwalt, der Maler Otto Scheininger (Wolfgang Hottaß), der immer so unschuldig tat? Oder der ruhige, unauffällige Student Rudolf Fink (Christian Hartelt), der ständig in seinen Büchern versunken schien? Bis es so weit war, dass Berwein diesen verzwickten Fall mit all seinen Verstrickungen und Motiven lösen konnte, dauerte es, wen wundert’s, vier Gänge lang.

Bei Rauchforellenmousse, Wildkraftbrühe, Kalbssteak und einer süßen Schokoladen-Variation diskutierten die begeisterten Gäste in den Pausen, wer Fevi denn nun ermordet haben könnte. Dass sogar die kracherte Bedienung Zenzi –Beatrice Schönauer sorgte beim Publikum mit ihren derben Witzen und einer gelungenen Mitmach-Aktion immer wieder für Lacher – schließlich unter Mordverdacht geriet, weil sie von Chefin Fevi kurz vor deren Tod rausgeworfen worden war, machte den Fall nur noch komplizierter.

Es war wieder einmal diese Mischung aus Spannung, Witz, aktivem Miträtseln und einem erlesenen Dinner, die auch den sechsten Krimi-Abend von Creme Frech so unterhaltsam machten. Dass Autor Bräu seinen Text mit einigem Lokal-Kolorit versehen hatte, tat sein Übriges. 

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