Unterwegs im Krisengebiet: (v.l.) die Hilfsmannschaft aus Garmisch-Partenkirchen mit Thomas Niebauer, Uwe Ehlert, Sebastian Schober und Andreas Vianden.
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Unterwegs im Krisengebiet: (v.l.) die Hilfsmannschaft aus Garmisch-Partenkirchen mit Thomas Niebauer, Uwe Ehlert, Sebastian Schober und Andreas Vianden.

Fluthilfe für überschwemmtes Ahrweiler

Garmisch-Partenkirchner Unternehmer schickt vier Mitarbeiter ins Katastrophengebiet: Schlamm, Leid und Katastrophen-Touristen

  • VonAlexander Kraus
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Der Garmisch-Partenkirchner Unternehmer Georg Maurer organisiert Fluthilfe für den überschwemmten Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Was seine vier Mitarbeiter erleben, ist erschreckend: unendliches Leid, stinkender Schlamm und Katastrophen-Touristen.

Garmisch-Partenkirchen – Der etwa 70-jährige Mann in einer verwüsteten Straße in Ahrweiler wirkte verzweifelt, als Uwe Ehlert mit der Kehrmaschine vorbeifuhr. Ob er irgendwas für ihn tun könne, fragte Ehlert, der als ehrenamtlicher Helfer vier Tage im Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz verbrachte. Die Antwort kam zögerlich: „Können Sie fünf Minuten mit mir reden? Sonst geh ich in den Keller und häng’ mich auf“, sagte der Mann. Er hatte alles verloren, sein Haus ist zerstört, sein Hab und Gut von der Flut weggeschwemmt.

Ehlert blieb stehen und sprach mit dem Mann, der hemmungslos zu weinen begann, viel länger als fünf Minuten. Der Senior war schockiert über die Naturgewalt, die ihm sein Eigentum raubte, die ihn zu einem Obdachlosen machte. Das wenige, das er noch im Keller besaß – ein Dampfstrahler und Werkzeug – wurde ihm noch dazu gestohlen. Ehlert hörte dem Mann zu, versuchte zu trösten. „Definitiv hab’ ich ihm helfen können“, sagt der 45-Jährige, der zu einem Quartett aus Ehrenamtlichen gehörte, das von Garmisch-Partenkirchen aus startete und im Katastrophengebiet an der Ahr bei den Aufräumarbeiten dabei war.

Unvorstellbar: Unrat in allen Straßen.

Organisiert hat die Fluthilfe Georg Maurer. Der 37-Jährige leitet einen Bagger- und Fuhrbetrieb im Kreisort. Drei seiner Mitarbeiter – Sebastian Schober, Thomas Niebauer und Andreas Vianden – erklärten sich sofort bereit, den Hochwasseropfern unter die Arme zu greifen. Ehlert, der Vierte im Bunde, stammt aus Planegg-Krailling, und ist bei Maurers Firma für die Arbeitssicherheit zuständig. Maurer und Ehlert fühlten sich berufen: „Wir wollten da rauffahren und denen helfen“, sagt der Firmenchef, der eigentlich auch mitwollte, dann aber mit Arbeiten im hiesigen Hochwassergebiet im Wettersteingebirge und in der Partnachklamm beschäftigt war.

Am vergangenen Donnerstagmorgen brach der Konvoi aus dem Werdenfelser Land auf. „Die Gerätschaften haben wir ja“, sagt Maurer, der dafür sorgte, dass Notstromaggregate, Ersatzräder, Kübel, Schaufel und Besen ins Unglücksgebiet transportiert wurden. Dazu wurden Pumpen und Kehrmaschinen auf die Lastwagen und Tieflader gehievt. Während die Mitarbeiter aus Maurers Firma im Ortsteil Bachem mit Bagger und Lkw unterwegs waren, kümmerte sich Ehlert mit der Kehrmaschine um die Hauptverkehrswege, Vorgärten und Straßengräben in Ahrweiler.

Folgen des Hochwassers: ein Auto im Schlamm.

Zwar waren die Bewohner der Krisenregion mehr als dankbar, aber: „Die Mühlen mahlen sehr langsam da oben“, bedauert Maurer. Ehlert, der die Not der Menschen vier Tage hautnah miterlebte, kann das bestätigen: „Im Katastrophengebiet ist die Hilfe planlos organisiert.“ Als am Wochenende zig Studenten und Büroarbeiter zum Helfen kamen, war das kontraproduktiv. „Die haben alles behindert. Die haben den Schlamm in die Gullys geschüttet, die wir vorher freigeräumt haben.“

Ehlert hat „komplett kranke Bilder“ gesehen: tonnenweise Unrat auf Deponien, hunderte von Autos im Dreck. Das, was im Fernsehen zu sehen sei, bezeichnet der 45-Jährige als harmlos. „Den wahren Schaden, den das Wasser anrichtet, zeigen die Medien nicht.“ Ehlert hat Unmengen an Schlamm gesehen, den Gestank noch in der Nase. „Unvorstellbar“, sagt er. Eine weitere negative Begleiterscheinung: die Katastrophen-Touristen. Diese fahren in die Unglücksregion, machen Fotos, filmen die Tragödie. „Und wenn sie was brauchen können, nehmen sie es auch noch mit“, berichtet Ehlert. Einige dieser Gaffer hat er eigenhändig vertrieben.

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