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Zwei Männer, eine Schanze : Vater Stephan Märkl gehört zum Anlauftrupp und wird für seinen Sohn Kilian die Spur herrichten. 

Skiclub drückt seinem Lokalmatador die Daumen

Vierschanzentournee: Premiere für Kilian Märkl vom SC Partenkirchen beim Neujahrsskispringen

Seit 2013 war kein Athlet des SC Partenkirchen beim Neujahrsskispringen mehr dabei. Bis jetzt. Der Grainauer Kilian Märkl will sich am Dienstag für das Finale auf der heimischen Schanze am 1. Januar 2020 qualifizieren. 

Garmisch-Partenkirchen – „Endlich“ ist ein viel bedientes Wort derzeit im SC Partenkirchen. Denn endlich startet wieder ein heimischer Springer beim Neujahrsskispringen. Kilian Märkl sitzt an diesem Dienstag um 14 Uhr am Balken der Olympiaschanze. Im Stadion fiebern der ganze SCP und mindestens halb Grainau mit. Zum Jahreswechsel 2012/13 war mit Felix Schoft der bisher letzte SCP-Springer dabei. Märkl war damals zwölf Jahre alt und unter den Zuschauern. Vier Jahre zuvor hatte der Grainauer mit dem Skispringen begonnen.

Sein erstes großes Skisprung-Ziel hat Märkl nun erreicht

Sein erstes großes Ziel, das er sich setzte: einmal mit einer Startnummer am 31. Dezember dort ganz oben zu sitzen. „Denn mir war klar: Wenn ich mal da oben hock, hab’ ich es allen daheim gezeigt.“ Denn als aktiver Athlet im Landkreis wird man oft auf einen Start bei der Tournee reduziert. In den vergangenen Jahren, in denen Märkl das Neujahrsspringen als Zuschauer besuchte, wurde er immer gefragt: „Und? Wann springst jetzt du?“ Klar, die Helfer und viele Besucher kennen die SCP-Athleten. Den 19-Jährigen hat die dauernde Frage fast ein wenig genervt. „Jetzt ist es eine Genugtuung.“ Auf den Start zu Hause freut er sich noch mehr als auf den Sprung in Oberstdorf vor drei Tagen. Er mag die Schanze daheim. Zudem könne er den Sport für den Nachwuchs in der Region populärer machen. „Das ist lässig.“

Jeder Zuschauer aus Grainau darf umsonst die Qualifikation verfolgen

Begeistert ist Märkl von der SCP-Aktion, dass jeder Grainauer gratis als Zuschauer zur Qualifikation ins Stadion darf. Vielleicht mache das nur 100 Leute aus, „aber die kommen dann wegen mir“, sagt Märkl ein wenig stolz. Einige kennen Märkl seit seinen Anfängen, manche, wie die jungen Springer aus Grainau, sind seine aktuellen Fans. Zwei seiner engsten Wegbegleiter werden ganz nah an ihm dran sein.

Märkls erster SCP-Trainer aus dem Jahr 2008, Andreas Mitter, ist nun sein Trainer im Deutschen Perspektivkader und wird im Flug stehen. Vater Stephan gehört zum Anlauftrupp des SCP. „Er sollt’ mir a gescheite Spur richten.“ Der Vater denkt an die Entwicklung seines Sohnes. „Sind wir mal ehrlich“, sagt er. „Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass Kili heut’ da steht?“ Damals war man froh über einen Top-Ten-Platz im Alpencup, die Nominierung für die Juniorenweltmeisterschaft war ein Wahnsinnserfolg, das Team-Gold die Sensation. Jetzt ist er Teil der höchsten Liga im Skispringen und kann, wie das Training in Oberstdorf gezeigt hat, mithalten. Das daheim in der Qualifikation zu zeigen, ist Märkls Ziel. „Ich hab’ gesehen, dass ein stinknormaler Sprung reichen würd’. Das sollt doch möglich sein.“ 

Auf der Schanze in Garmisch-Partenkirchen gibt es keine Experimente

Sein Aus im Allgäu hat ihn „a bissl gewurmt“ – nicht das Ausscheiden selbst, „aber dass ich den Sprung verhaut hab“. Zur Quali wollten Märkl und die Trainer noch etwas umstellen. Das klappte nicht wie geplant. „Dann schleichst übern Aufsprung und denkst dir: ‚Oh na!‘“ In Garmisch-Partenkirchen gibt es keine Experimente. „Ich werd’ einfach das machen, was ich kann“, sagt der 19-Jährige. „Und was dann rauskommt, seh’ ma.“

Da ist er wieder, der tiefenentspannte Märkl, der an diesem Qualifikationstag seinen Job gescheit machen will. Ziel zwei: die besondere Atmosphäre genießen, die sein erster Start daheim ganz gewiss haben wird.

Kathrin Schneitberger

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