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Bald Geschichte? Die Vogelschutzwarte am Gsteig in Garmisch-Partenkirchen. 

Außenstelle soll zurück nach Augsburg verlagert werden

Vogelschutzwarte vor dem Aus?

Das Bayerische Landesamt für Umwelt prüft derzeit die Schließung einer ihrer Außenstellen, der Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen. Eine Angelegenheit, in der Wirtschaftsinteressen und Personalpolitik auf Tradition und Forschungsanspruch treffen.

Garmisch-Partenkirchen – Ein festes Datum gibt es noch nicht. Dass es passiert, ist jedoch so gut wie sicher. Die Vogelschutzwarte am Gsteig in Garmisch-Partenkirchen, seit etlichen Jahrzehnten Institution für Vogelkunde im Freistaat, soll aufgelöst werden. Die Außenstelle des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) in Augsburg soll zurück nach Schwaben. „Die abschließende Entscheidung erfolgt nicht vor dem Jahr 2020“, betont ein Sprecher des LfU.

Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, soll die Vogelschutzwarte kein Einzelfall bleiben, weitere Außenstellen des Amts geschlossen werden. Angeblich aus wirtschaftlichen Gründen, das heißt personalpolitisch. In Augsburg dementiert man diese Absicht. Als Grund für die Schließung dieser traditionsreichen Vogelwarte, die bereits seit 1931 im Ort und seit 1959 am heutigen Standort ansässig ist, nennt das LfU die Vereinfachung von Verwaltungsangelegenheiten und die Nutzung von Synergieeffekten. „Ein Stellenabbau ist nicht vorgesehen.“ Man plane vielmehr eine „sozial verträgliche Gestaltung der Verlagerung“. Daher wurden auch alle Beschäftigen bereits informiert. Offiziell spricht man auch noch nicht von einer Eingliederung der Außenstelle, man „prüfe“ die Angelegenheit erst einmal.

Am Gsteig hingegen sorgt man sich nicht nur um die Konsequenzen für die Beschäftigten. Unklar ist vor allem, wie sich die Arbeit vor Ort, Forschung und das Monitoring heimischer Vogelarten, eine der Hauptaufgaben der Warte, gestalten wird. Wenn die Verantwortlichen bald von Augsburg aus agieren, fehlt die Unmittelbarkeit zu den Einsatzgebieten, lange Anfahrten müssten in Kauf genommen und spontane Wetterumschwünge, die beim Beobachten von Tieren in freier Wildbahn entscheidend sind, kalkuliert werden. Bekanntlich kann das Wetter im Gebirge schneller umschlagen als anderswo. Man vermutet, dass Aufträge in solchen Fällen an ortsansässige Partner abgegeben werden. Ob das mit dem Erhalt aller Arbeitsplätze einhergeht, bleibt fraglich.

„Wir erwarten vom Staat, dass wir bleiben können.“

Dass die Qualität der Vogelschutz-Arbeit leiden wird, davon ist Michael Schödl, Leiter der Geschäftsstelle des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Garmisch-Partenkirchen, überzeugt. „Das eine oder andere Projekt fällt sicherlich weg – aus Effektivitätsgründen.“ Der LBV ist ebenfalls im Gebäude am Gsteig untergebracht. Die daraus entstandene Zusammenarbeit in Sachen Vogelschutz haben beide Seiten seit Jahren dankend angenommen. Schödl und seine Kollegen genießen vor Ort Niesbrauchrecht, das heißt, die Erlaubnis, die Räumlichkeiten solange wie gewünscht nutzen zu dürfen. Was mit dem Grundstück passiert, wenn die Warte tatsächlich nach Augsburg zieht, weiß auch Schödl noch nicht. „Wir erwarten vom Staat, dass wir bleiben können.“

Die Folgen für die Kreisgruppe hat auch Nobert Schäfer, Vorsitzender des LBV, im Blick. „Der Standort ist für uns sehr wichtig.“ Die Wiege des Landesbunds stand nämlich in Garmisch-Partenkirchen, erst in den 1970er Jahren zog die Landesgeschäftsstelle an den heutigen Standort Hilpoltstein um. Falls die Schließung der Außenstelle des LfU Tatsache wird, hofft Schäfer, dass dies unter zwei Aspekten geschieht. „Erstens plädiere ich dafür, dass die Vogelschutzarbeit in den Alpen weitergeht. Und zweitens hoffe ich, dass es zu keinem Stellenabbau kommt.“ Schäfer sieht den Zeitpunkt der Schließung, „etwa in fünf Jahren“ in seinen Augen, als günstig an: „Dann steht sowieso eine Welle an Pensionierungen an.“

Auch für den Vorsitzenden wie für viele andere Vogelkundler des Landkreises ist das Zerren um den Standort der Warte in Garmisch-Partenkirchen eine „emotionale Angelegenheit“. Es geht dabei immerhin um die Schließung der „heiligen Hallen des Vogelschutzes in Bayern“. Jedoch stellt er auch klar: „Tradition ist wichtig. Aber sie kann nicht das alleinige zentrale Argument für die Erhaltung des Standortes sein.“

Martina Bräu

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