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Hoch die Krüge: Im Garmischer Festzelt darf die kommenden Tage wieder kräftig gefeiert werden.

Höhepunkt ist der Festzug

Volles Programm bei der Garmischer Festwoche: Das wartet auf die Besucher

Echtes Brauchtum: Darum geht‘s bei der Garmischer Festwoche. Heuer stehen zwei Männer besonders im Fokus.

Garmisch-Partenkirchen – Dirndl und Lederhosen soweit das Auge reicht, am besten im Original und nicht im Münchner Schickimicki-Wiesn-Stil – eben unverfälschtes Brauchtum mit Werdenfelser Charme. Darum geht es bei der 69. Auflage der Garmischer Festwoche (27. Juli bis 4. August) am Wittelsbacher Park. Das Besondere diesmal: An Tag zwei steigt auf dem Festgelände der Gaujugendtag der Oberländer Trachtenvereinigung.

Dazu erwartet der gastgebende Volkstrachtenverein (VTV) Garmisch rund 2000 Teilnehmer zwischen 6 und 16 Jahren. Höhepunkt wird am Sonntag der Festzug sein, der um 13.30 Uhr mit Pferdefuhrwerken, Spielmannszügen und Blaskapellen von der Von-Müller-Straße über die Fußgängerzone zum Festzelt führt. Besonders stolz zeigt sich VTV-Vorsitzender Christian Ruf auf die Gespanne. „Denn diese großen Baumwagen sind aufwändig gemacht worden.“ Mehr möchte Ruf noch nicht verraten.

Die Festwoche – jeder im Ort weiß das – ist für die Volkstrachtler nicht irgendein Termin. „Sie ist eine zentrale Veranstaltung für uns“, betont Ruf. Dabei wird nicht nur ordentlich Geld umgesetzt. Bei diesem Fest für die bajuwarische Seele feiert sich der Verein selbst. Aktuell zählt der VTV 380 Gleichgesinnte, dazu kommen rund 80 Jugendliche.

Neun Festtage, fünf Heimatabende

Wer heuer ganz besonders im Mittelpunkt steht: „Zwei Mitglieder, die seit 70 Jahren dem Volkstrachtenverein angehören.“ Das sind Michael Schneider (88) und Rudolf Wackerle (87). Letzterer berichtet, dass er beim Eintritt in den Verein erst einmal das Schuhplatteln lernen musste. Der Schreiner führte im Laufe der Jahre 35- bis 40-mal den „Alten Tanz“ auf. Im Vergleich zu Wackerles verstorbener Ehefrau Maria ist das jedoch unbedeutend mickrig: Sie stand für diese besondere Darbietung stolze 354 Mal auf dem Parkett.

Die Ehrung für 70 Jahre Vereinszugehörigkeit „bedeutet mir schon viel. Das ist eine schöne Sache“, betont Rudolf Wackerle. „Es ist eine lange Zeit, die mir der Herrgott geschenkt hat“, ergänzt der 87-Jährige und lacht dabei. Im Zeitraum von 1976 bis 1984 versuchte sich Wackerle als Vereinschronist. Er hielt in Wort und Bild den Jahresablauf und alle Geschehnisse beim VTV fest. Diese Jahrbücher mit alten Hausnamen und Berichten über den Brauch der Festwagen übergibt er in Kürze dem Verein. Eine weitere Anekdote, die noch viel länger zurückliegt, handelt vom Rießersee. Wackerles Großvater war der Eigentümer des Gewässers und ließ am Ufer eine Hütte für den Volkstrachtenverein bauen. Seinerzeit feierte der Traditionsverbund dort Seefeste. Wann genau das war, weiß Wackerle nicht mehr. Er vermutet, zu Beginn des 20. Jahrhunderts – um 1905 oder 1910.

Schon in den Anfangsjahren der Garmischer Festwoche war Wackerle mit Begeisterung dabei – und ist das nach wie vor. Hier sei erwähnt, dass das Trachtler-Urgestein zwischendurch mal acht Jahre in Alaska lebte und demnach bei der Festwoche notgedrungen pausieren musste.

Jedenfalls organisiert der Volkstrachtenverein Garmisch seit 69 Jahren das Spektakel am Wittelsbacher Park. Früher hieß es Heimatwoche. „Brauchtum und Geselligkeit sind uns wichtig“, bekräftigt Christian Ruf.

Eine Besonderheit ist, dass das Trachtenheim sozusagen im Festzelt integriert ist. Die VTV-Heimat bildet die Rückwand der Feierstätte. Die Jugendgruppen wärmen sich dort auf und die Steinheber oder die Blaskapellen bereiten sich auf ihren Auftritt vor. „Heutzutage würde man es Backstage-Bereich nennen“, merkt Ruf mit einem schelmischen Grinsen an.

Keine Fress- und Saufwoche

An den neun Tagen sind fünf Heimatabende vorgesehen. „Denn wir konzentrieren uns auf die traditionelle Sache“, unterstreicht der Trachtenvorstand. Keinesfalls soll die Festwoche zu einer Fress- und Saufveranstaltung verkommen – da sind sich alle einig.

Doch das schließt gute Stimmung keineswegs aus. Die ist beispielsweise programmiert, wenn am Dienstag, 30. Juli, die Band Dreisam das Bierzelt aufheizt. Hoch die Krüge, die Hände zum Himmel und rauf auf die Bänke lautet auch am Tag der Betriebe (2. August) die Devise beim Gastspiel der Gruppe Tramposound. Ausgeschenkt wird übrigens bei der Garmischer Festwoche mit dem Märzen ein Spezialbier. 

Alexander Kraus

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