Hereinspaziert! Michi Brunner (vor dem Schild) empfängt die Kleinen des Kindergartens Partenkirchen zum Skikurs an seiner Hütte. Das Häuschen ist ihm für diese Saison genehmigt worden – danach braucht er einen neuen Standort. Sehr

„Vollwatschn“: Brunner wechselt Farbe

Garmisch-Partenkirchen - Michael Brunner war das Gesicht der Skischule Garmisch-Partenkirchen. Bis Mai 2014. Da wählten ihn die Gesellschafter ab - ohne Vorwarnung, sagt er.

Recht entspannt ging Michael Brunner im Frühjahr 2014 zur Versammlung der 25 Gesellschafter der Skischule Garmisch-Partenkirchen. Er hatte auch keinen Grund, nervös zu sein - dachte er. Wie alle drei Jahre stand zwar die Wahl des Skischulleiters auf der Tagesordnung. Doch nur er, der zuerst sechs Jahre als Stellvertreter und danach 15 Jahre als Leiter das Unternehmen geprägt hat, stand als Kandidat offiziell zur Debatte.

Etwas anders war die Gefühlslage bei Carlo Tronci, Brunners Stellvertreter und Gesellschafter, als er sich auf den Weg zur Versammlung machte. „Ich hab’ mir gedacht, dass es eine schwierige Wahl werden könnte.“ Was dann aber passierte, damit hat auch er in dieser Deutlichkeit nach eigener Aussage nicht gerechnet: Brunner wurde mit 19:4 Stimmen abgewählt. „Eine Vollwatschn“, sagt der 50-Jährige im Rückblick. „Ich dachte, ich bin im falschen Film.“ Dieses Ergebnis habe ihn „völlig unvorbereitet“ getroffen. Das kann Tronci so nicht stehen lassen.

Der 31-Jährige stand nach der Wahl als neuer Skischulleiter fest - viele Gesellschafter hatten seinen Namen auf den Stimmzettel geschrieben. Bereits zuvor saß der Staatlich geprüfte Skilehrer im Ausschuss, der sich regelmäßig zum Austausch getroffen hat - und, um Probleme zu besprechen. Eines kam immer wieder auf den Tisch: mangelnder Einsatz. Brunner habe sich zu sehr um den Rennsport, zu wenig um seine Aufgaben als Skischulleiter gekümmert, sagt Tronci. „Aber beim Michi bist du auf Granit gestoßen.“

Er hat Zeit gebraucht, um sich vom „Schock“ der Wahl zu erholen. „Ich bin richtig hart gefallen - Betonboden.“ Der Garmisch-Partenkirchner hätte nicht gedacht, was er mit Hilfe der Familie und Freunden in der Kürze der Zeit schafft: Am 1. Oktober 2014 begann er mit den konkreten Planungen, am 5. November stellte er seine urige Hütte auf, am 15. Dezember eröffnete er die Skischule GaPa am Hausberg, maximal 200 Meter von seiner alten Wirkungsstätte entfernt. Einen mittleren sechsstelligen Betrag hat er investiert. Nun fahren und schulen er und seine Crew - etwa 15 Mitarbeiter haben mit ihm gewechselt, hinzu kommen weitere Skilehrer.

Tronci stellt klar: Er kann und will niemandem verbieten, eine Skischule zu eröffnen. Und er spüre auch keine Wut, wenn er auf das Hütterl beim Kinderland schaut. „Ich ärger’ mich nicht. Wir machen weiter bestmöglich unseren Job.“ Was Tronci wichtig ist: „Es muss fair ablaufen.“ Und in einem Punkt ist er sich da nicht ganz sicher: Die Gemeinde habe sich immer gegen eine Art Zersiedelung rund um den Hausberg mit mehreren Skischulen ausgesprochen. „Und plötzlich geht’s doch.“

Rathaus-Sprecher Florian Nöbauer erklärt, wie die Genehmigung für Brunners Stadel nach Gesprächen mit Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) sowie dem Bauamt zustandegekommen ist: Man wollte durch Brunners kurzfristiges Ausscheiden „seine Existenz und sein Alleinstellungsmerkmal - das Angebot von Skikursen für Prothesenträger - nicht gefährden“. Deshalb hat man ihm das temporäre Gebäude gestattet. Aber eben nur zeitlich begrenzt: „Eine baurechtliche Genehmigung im Außenbereich kommt nicht in Frage.“ kat

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Damit‘s weidageht“: Gutschein-Aktion soll Geschäften durch die Corona-Krise helfen
Kein Produkt geht über den Tresen, kein Geld in die Kasse. Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen setzen den Geschäften in Garmisch-Partenkirchen zu. Eine Aktion soll …
„Damit‘s weidageht“: Gutschein-Aktion soll Geschäften durch die Corona-Krise helfen
Corona: Fortbestand der Jugendherbergen massiv gefährdet
Corona: Fortbestand der Jugendherbergen massiv gefährdet
Corona: Das Rote Kreuz näht Schutzmasken – Freiwillige und Unternehmen helfen zusammen
Medizinisches Personal braucht Corona-Schutzausrüstung. Dafür packt der Landkreis Garmisch-Partenkirchen an. Das Bayerische Rote Kreuz produziert Masken. Freiwillige und …
Corona: Das Rote Kreuz näht Schutzmasken – Freiwillige und Unternehmen helfen zusammen
Mehr Sicherheit für Radfahrer: 16 Trixi-Spiegel in Garmisch-Partenkirchen installiert
Der Tote Winkel ist gefährlich. Der Trixi-Spiegel hilft, dass Lkw-Fahrer ihre Umgebung besser im Blick haben. Einige Exemplare gibt‘s jetzt in Garmisch-Partenkirchen.
Mehr Sicherheit für Radfahrer: 16 Trixi-Spiegel in Garmisch-Partenkirchen installiert

Kommentare