Sind stolz auf den Erfolg: (v.l.) Dörte Mäder (Geschäftsführung), Anna Lena Weber (Auszubildende), Martina Sand und Louis März (beide Management-Team).
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Sind stolz auf den Erfolg: (v.l.) Dörte Mäder (Geschäftsführung), Anna Lena Weber (Auszubildende), Martina Sand und Louis März (beide Management-Team).

Erneut erhält Auszubildende Staatspreis

Erfolgsgeschichte Riessersee Hotel: Von der Krise zum Staatspreis

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Vor sieben Jahren stand das Riessersee Hotel in der Kritik, durfte sogar für ein Jahr niemanden mehr ausbilden. Doch alles Schnee von gestern: Zum wiederholten Male hat eine Auszubildende den Staatspreis erhalten und viele ehemalige Mitarbeiter kehren wieder zurück in jenen Betrieb, dem sie einst den Rücken kehren wollten.

Garmisch-Partenkirchen – Denkt Louis März an früher zurück, wird ihm flau im Magen. Früher, als er als Auszubildender einmal ohne Pause über 36 Stunden am Stück arbeiten musste. An Silvester, über den Jahreswechsel. Früher, als selbst Minderjährige bis weit in die Nacht hinein schuften mussten. Teilweise sogar alleine in einer Schicht waren. Früher, als Drohungen und teilweise sogar Gewalt noch auf der Tagesordnung standen. Ein Früher, das März nie mehr haben möchte. Nach seiner Ausbildung in der Hotellerie im Januar 2010 reichte es ihm. Er kehrte dem Riessersee Hotel den Rücken. Wollte nie wieder zurück.

Heute sitzt März auf der Terrasse des Seehauses am Riessersee Hotel. Die Sonne scheint. Er ist seit einem Jahr zurück in seinem damaligen Ausbildungsbetrieb, im jungen Management-Team mit Martina Sand und Rico Haferkorn tätig, das seit der Krise 2015 einen Hoteldirektor ersetzt. Seine Rückkehr verdankt er der Frau, die ihm gegenüber zum Mittagessen sitzt: Dörte Mäder. Die Geschäftsführerin hat das einst in Verruf geratene Resort nicht nur in ruhiges Fahrwasser zurückgeführt. Sie hat den Ausbildungsbetrieb in völlig neue Sphären gehoben. Davon erfuhr März und bewarb sich 2020 erneut. Genauso wie zahlreiche weitere verdiente Mitarbeiter, die nach der Chaoszeit, die 2015 letztlich mit einem Ausbildungsverbot für die Herberge am Rießersee gipfelte, das neue Arbeits- und Lebensgefühl unter Mäders Führung schlichtweg genießen.

Anna Lena Weber aus Wallgau erhält mit 1,0-Notendurchschnitt den Staatspreis

Am Tisch sitzt auch Anna Lena Weber. Die 22-jährige Wallgauerin steht fast schon sinnbildlich für die neue Welt, die in dem Hotel in Filet-Lage seit Mäders Übernahme im Jahr 2016 aufblüht. Weber hat kürzlich ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau abgeschlossen, mit einer Traumnote von 1,0 sogar den Staatspreis erhalten. „Die zweite in Folge“, sagt Mäder stolz. Bereits 2019 ist einer anderen Auszubildenden das gleiche Meisterstück geglückt. Aus einem krisengebeutelten Resort ist ein Vorzeige-Ausbildungsbetrieb geworden. Zehn Lehrlinge sind seither erfolgreich in der Branche ausgebildet worden. Dörte Mäder kennt alle beim Namen.

Auch sonst hat sich so gut wie alles geändert. Die Bewertungen auf der Seite „Hotelcareer“, einem Portal für Hotelbewerber, überschlagen sich förmlich. 80 Prozent der derzeitigen Mitarbeiter haben dort angegeben, dass sie sich wohl fühlen. Genauso viele erachten die Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten als äußerst positiv. Deshalb wird auch Weber im Riessersee Hotel bleiben. Weil sie es unbedingt will. „Es macht so Spaß, hier zu arbeiten“, sagt sie und strahlt dabei vor ehrlicher Freude. Ihre Liebe zur Hotellerie entwickelte sie schon zuhause. Ihre Eltern betreiben ein kleines Gästehaus in Wallgau. Dass sie sich als eine der ganz wenigen ihres Abitur-Jahrgangs für die Hotellerie-Branche entschied, stand für sie nicht infrage. Und ihr war bewusst, dass der Ruf der Branche alles andere als schmeichelhaft ist. Doch räumt sie mit Gerüchten von unterbezahlten und ausgebeuteten Lehrlingen auf, möchte auch anderen einheimischen, jungen Menschen Mut geben, sich für Gastro oder Hotel zu entscheiden. Das ist auch Mäder Ziel. Denn viele hochqualifizierte und gut dotierte Arbeitsplätze sind in der Branche noch offen, vom Spüler bis zum Hoteldirektor.

Vieles habe sich in den letzten Jahren um 180 Grad gedreht

Das können Mitarbeiter wie Veranstaltungsleiter Philip Hutner, mit dem Weber künftig zusammenarbeiten wird, nur bestätigen. Wie März gehört er zur Riege der „Zurückgekehrten“. Mittlerweile kommt er sogar in seiner Freizeit in die Arbeit, um mit den Angestellten und der Chefin zu essen oder einfach nur zum Ratschen. „Es hat sich alles um 180 Grad gedreht“, sagt er.

Denn es brodelte einst heftig im Riessersee Hotel. Im Juli 2015 hatte ein Azubi Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Ein Mitarbeiter soll ihm im August 2014 so dermaßen mit einem Stahlkappen-Schuh in den Hintern getreten haben, dass diesem eine Sehne riss. Scheinbar nur die Spitze des Eisberges. Es soll oft zu weiteren Handgreiflichkeiten gekommen sein. Lehrlinge seien nicht ordnungsgemäß ausgebildet worden. Die Industrie- und Handelskammer hat daraufhin die Reißleine gezogen und dem Vier-Sterne-Superior-Resort die berufliche Ausbildung untersagt. Mäder kam damals als Beraterin in der Krise, wollte eigentlich nur für ein Jahr bleiben. Doch verliebte sie sich in das Hotel in malerischer Lage – und blieb als Geschäftsführerin.

Weber wird nun Tagungen, Hochzeiten und sonstige Veranstaltungen organisieren. In absehbarer Zeit will sie ein Studium zum Hotelbetriebswirt beginnen und vielleicht einmal selbst Chefin werden.

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