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Naturschönheiten: der Frillensee mit dem Wettersteinmassiv im Hintergrund. 

Bayerisches Kabinett trifft Vorentscheidung

Nationalpark Ammergebirge aus dem Rennen

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Die zwei heißen Kandidaten stehen fest: Das bayerische Kabinett will die Rhön und die Donau-Auen für den Nationalpark prüfen. Das Thema Ammergebirge dürfte damit endgültig vom Tisch sein.

Landkreis – Es hat sich angebahnt, wo der Hase hinläuft. Schon seit einiger Zeit gehörte das Ammergebirge nicht mehr zu den heißen Favoriten, als dritter Nationalpark in Bayern ausgewiesen zu werden. Jetzt scheint das Thema endgültig vom Tisch zu sein. Das bayerische Kabinett um Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat am Dienstag in München eine Vorentscheidung getroffen. Nach einjähriger Diskussion will es zwei Regionen in die engere Auswahl nehmen: die Rhön und die Donau-Auen. Der Spessart und der Frankenwald seien aus dem Rennen, hieß es vor der Sitzung. Das Ammergebirge – davon spricht schon keiner mehr. Das Thema, sagt CSU-Landtagsabgeordneter Harald Kühn, „kann man als erledigt ansehen“. Dafür gebe es voraussichtlich im Winter das Votum zum Naturpark.

Die Nachricht versetzt Nikolaus Grasegger in den Gute-Laune-Modus. Der stellvertretende Bezirksalmbauer aus Grainau gehört zu den strikten Gegnern eines Nationalparks in der Region. „Er bringt uns nichts“, sagt er. Außer „gravierenden“ Einschränkungen. Die Erkenntnis aus intensiven Recherchen und Gesprächen. Auch mit Hubert Endhardt, eine der treibenden Kräfte pro Nationalpark. Doch auch dieser beißt bei Grasegger auf Granit: „Er wird mich nicht umstimmen.“

Die Bemühungen des Vorsitzenden des Fördervereins Nationalpark Ammergebirge blieben erfolglos. Bei Grasegger, bei der Regierung. Für die Befürworter, vermutet der Grainauer, wird das Signal aus München „ein Donnerschlag“ sein. Nicht ganz. Ans Aufgeben denkt Endhardt und sein Team längst nicht. „Wir haben einen langen Atem“, betont der Allgäuer. Der Verein setzt seine Arbeit fort. Die Verfechter des Nationalparkes wollen verstärkt den Dialog mit den Meinungsvertretern vor Ort suchen, sie mit Informationen versorgen. Weil sie die Hoffnung nicht begraben. „Man muss zuversichtlich sein“, verdeutlicht Endhardt. Frei nach der Devise: Wenn nicht jetzt, dann halt später. „Von mir aus in zehn Jahren.“

Der Vorsitzende stellt sich seit Jahren einem (Überzeugungs-)Kampf gegen Windmühlen. Landräte und Bürgermeister hätten dem Gebiet eine „Käseglocke übergestülpt“. Stets signalisierte man der Regierung, allen vor der Umweltministerin Ulrike Scharf, dass die Bevölkerung den Nationalpark Ammergebirge ablehnt, klagt er. „Wir sind deshalb gar nicht erst ins Dialogverfahren gekommen.“ Weil er gewollt sein muss. Das hob Seehofer bei der Sitzung explizit hervor. Einen Nationalpark werde es nicht „gegen den Willen der betroffenen Regionen geben“.

Doch Endhardt kennt viele, die dem Ganzen positiv gegenüberstehen würden. Spitzenhotels und die Kreisverbände des Bund Naturschutz zum Beispiel. Ob es die Mehrheit ist? Kühn und sein Kollege Martin Bachhuber haben in zahlreichen Gesprächen andere Erfahrungen gemacht, hörten viele kritische Stimmen aus Landwirtschaft und Tourismus. Die Politik macht aus der Ablehnung gar keinen Hehl. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) ist bekennender Gegner und Beisitzer im Förderverein „Unser Ammergebirge“. Er hat die frohe Botschaft mit Wohlwollen empfangen, warnt aber auch. „Wir müssen wachsam sein“, sagt Speer. Falls die aktuell anvisierten Standorte scheitern, sei das Ammergebirge wieder im Rennen. Eines, bei man Endhardt zufolge die Startlinie nie überquert hat. 

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