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Umweltfrevel am Kramertunnel: Waldbrandgefahr laut Bund Naturschutz deutlich erhöht - „ganz üble Sache“

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Von: Josef Hornsteiner

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Sorgen für Wassereinbrüche: die Bauarbeiten für den Kramertunnel, hier am Nordportal.
Sorgen für Wassereinbrüche: die Bauarbeiten für den Kramertunnel, hier am Nordportal. © FOTOPRESS THOMAS SEHR

Umweltfrevel am Kramertunnel: Der Bund Naturschutz sieht große Probleme bei der Baustelle. Kreisvorsitzender Axel Doering sieht darin eine „ganz üble Sache“.

Garmisch-Partenkirchen – Für Axel Doering ist es eine „ganz üble Sache“. Dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen des Bund Naturschutzes (BN) dreht sich bei den „Zahlenspielen“, wie er es nennt, des Staatlichen Bauamts Weilheim der Magen um. „Vor sechs Wochen waren es noch 75 Millionen Euro, jetzt lägen wir plötzlich schon bei 100 Millionen.“ Doering zielt dabei auf die Injektionen an, die das Bauamt ausführen müsste, um die aktuelle Kramertunnel-Baustelle dicht zu machen. Die Kostenaufstellung hierfür seitens der Behörde seien aber Mondzahlen, meint Doering.

Im Detail geht es um die Behebung der Schäden, zu die der Freistaat Bayern vom Verwaltungsgerichtshof kürzlich verdonnert wurde. Das Bauamt ist nun gezwungen, ein Sanierungskonzept zu erarbeiten. Allerdings nicht, die Löcher, durch die aktuell Wasser in den Tunnel tritt durch Injektionen mit Kunstharz zu stopfen. Die Kosten würden dadurch explodieren, sagt das Bauamt. Bekanntlich ist durch das Bohren der Röhren der Grundwasserspiegel abgesackt. Laut BN um über 190 Meter tief. Zahlreiche Quellen rund um das Kramerplateau sind versiegt. Biotope und Quellmoore sind trocken gefallen. „Es ist fürchterlich“, sagt Doering.

Bund Naturschutz: Problem und Kostenexplosion hätte durch frühzeitiges Reagieren verhindert werden können

Für ihn hätte das Problem und die Kostenexplosion durch frühzeitiges Reagieren verhindert werden können. Doch hat das Amt damals nichts getan – nun aber muss es, da das Verwaltungsgericht ein deutliches Urteil gesprochen hat. Doch jetzt noch Injektionen zu setzen, würde den Kostenrahmen sprengen, weshalb auch die Justiz von dieser Lösung mittlerweile abrät. Zwar habe die Behörde nun eine künstliche Bewässerung mit Rohrleitungen installiert. Das sei aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein – buchstäblich. Denn Doering befürchtet nun staubtrockene Flächen am Kramer, wodurch die Waldbrandgefahr exorbitant erhöht wird. Zudem würde die Almwirtschaft darunter leiden. „Die Tiere haben im Sommer kein Wasser mehr.“

Zumindest diese Befürchtung kann Josef Glatz, Vorsitzender der Garmischer Weidegenossenschaft, entkräften. „Die Tiere bekommen auch weiterhin genug Wasser“, sagt er gegenüber dem Tagblatt. Denn die Landwirte haben bereits vor über elf Jahren mit einem unterirdischen Bewässerungssystem, dessen Bau staatlich gefördert wurde, vorgesorgt, als bekannt wurde, dass der Kramertunnel gebaut wird. „Seither fließt dort oben mehr Wasser als zuvor“, meint Glatz. Er erinnert an den trockenen Sommer von 2003, als sogar das Gras am Kramerplateau vor Dürre verkümmerte. „Wenn der Tunnel fertig gebaut ist, versickert sowieso nichts mehr“, sieht er gelassen in die Zukunft.

Staatliches Bauamt noch zu keiner Stellungnahme bereit

Das Staatliche Bauamt ist nach wie vor zu keiner Stellungnahme bereit, solange die schriftliche Begründung des Verwaltungsgerichtshof nicht vorliegt. „Diese ist noch abzuwarten, bevor weitere Schritte mit unseren vorgesetzten Behörden abgestimmt werden können“, teilt das Amt auf Tagblatt-Nachfrage mit. „Danach entscheiden wir in Abstimmung mit unseren vorgesetzten Behörden, welche weiteren Schritte unternommen werden.“ Deshalb möchte die staatliche Einrichtung aktuell „keine belastbare Stellungnahme abgeben“.

Das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs lässt keine Revision zu. Die Beteiligten können deshalb nur eine Nichtzulassungsbeschwerde erheben. „Wir hoffen nicht, sondern wir erwarten jetzt einen Sanierungsplan vom Bauamt“, sagt Doering kämpferisch. Ihn freut, dass mittlerweile auch die Justiz bei Umweltschäden seitens einer Baumaßnahme durch die Regierung, diese zur Rechenschaft ziehen kann. Das sei bis vor Kurzem noch nicht möglich gewesen.

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