Kein Hindernis für einige uneinsichtige Spaziergänger: Der Baustellenzaun wird teils sogar überstiegen.
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Kein Hindernis für einige uneinsichtige Spaziergänger: Der Baustellenzaun wird teils sogar überstiegen.

„Bitte beachtet das“

Ignoranz am Rießersee: Wanderer scheren sich nicht um die Absperrungen - Hotelchefin empört

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Fassungslosigkeit am Rießersee bei Garmisch-Partenkirchen: Wanderer ignorieren diverse Warnschilder und Zäune - dabei haben die einen ernsten Hintergrund.

Garmisch-Partenkirchen – Dörte Mäder ist fassungslos. Fast jedes Mal, wenn die Geschäftsführerin des Riessersee-Hotels aus ihrem Büro-Fenster blickt, sieht sie Spaziergänger, denen Vorschriften anscheinend völlig egal sind. Die zahlreichen Gefahren- und Sperrschilder ignorieren sie. Selbst die zwei Meter hohen Baustellenzäune sind für einige kein Hindernis, werden umgangen, auf die Seite geräumt oder teils sogar überstiegen. Alles nur, um den momentan gesperrten Weg rund um den Rießersee in Garmisch-Partenkirchen trotz der Sperre zu begehen.

Sie solle doch nicht so hysterisch sein, hat eine Frau mit Hund zu Mäder gesagt. Es sei ihr „Heimatrecht“, hier zu gehen. „Wir wollen doch nur die Baustelle sehen“, teilt ihr ein anderer Einheimischer mit. Beinahe im Minutentakt strömen Besucher in den gesperrten Bereich. „Ich verzweifle schön langsam“, sagt Mäder. Die Ignoranz ist groß.

Hotelbetreiberin will Wanderer nicht ärgern: „Es geht um deren Sicherheit“

Derweil will sie die Wanderer doch alles andere als ärgern. „Es geht hier um deren Sicherheit“, betont sie. Denn die Wege rund um den Rießersee sind aus gutem Grund gesperrt. Der Besitzer der Anlage, die AMH Immo GmbH, saniert und erweitert seit Mittwoch in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim die Hochwasserentlastungsanlage an dem künstlichen Gewässer, das bereits seit dem Mittelalter als Stauanlage dient. Eine dringend erforderliche Maßnahme, teilt Meike Lingscheid mit. Sie ist im Amt zuständig für den Fachbereich Talsperren.

Schon kurz nach dem Bahnübergang weisen Sperrungen auf die Bauarbeiten hin – oftmals vergeblich. 

Bei einem Hochwasser würde im jetzigen Zustand der Erdwall überströmt. „Im Falle eines Dammbruchs fließt das Wasser unkontrolliert in Richtung Garmisch-Partenkirchen“, verdeutlicht die Expertin die Gefahr. Anwohner und die Bayerische Zugspitzbahn wären von den Überflutungen betroffen.

Damit dieser Fall nicht eintritt, erhöhen Arbeiter seit Mittwoch den Damm am nordwestlichen Ende des Sees oberhalb der Parkplätze. Ergänzend sanieren sie die Entlastungsanlage, die über eine Rohrleitung Wasser abführt. Um noch mehr Sicherheit zu bekommen, wird im Bereich der Seeterrasse ein Notüberlauf errichtet. Der liegt etwas niedriger als der Damm, regelt den Wasserstand und leitet das Wasser vom Wall weg. „So ist sichergestellt, dass das Bauwerk bei Hochwasser nicht überströmt wird und der Rießersee sicher ist.“ Bereits in den vergangenen Jahren hat das Amt Spundwände zur Sicherung einbringen lassen. Eine vergleichbare Sanierung erfolgte 2016/2017 am Pflegersee.

Da der Damm unmittelbar vor dem Parkplatz liegt und an die Seeterrasse sowie an den Rundweg grenzt, muss der gesamte Bereich wegen der aktuellen Bauarbeiten gesperrt werden. Eigentlich eine einfache und nachvollziehbare Sache. Dort, wo Bagger schaufeln und große Erdbewegungen stattfinden, haben Fußgänger nichts verloren. Deshalb appelliert Mäder an die Vernunft der Spaziergänger: „Bitte beachtet die Absperrungen.“

Bereits an der Zufahrt im Tal kurz nach dem Bahnübergang wird auf die Sperrungen hingewiesen, weiter oben noch einmal. Reicht offenbar nicht. Die Bauarbeiten dauern sicher noch bis zum April.

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